![]() |
| Luis Ricardo Falero (1851-1896), The Balance of the Zodiac |
Samstag, 29. Januar 2011
Lehrgedicht: Der Göttin Blindgebet
Die Liebe ist der Gotteslohn,
der dem Menschen ward gegeben,
die Lust führt ihn zu Gottes Thron,
alles Glück dort zu erleben,
der Göttin sind wir blind ergeben,
sie zu preisen hin wir treten,
allein zu ihrem Leib zu streben,
mit dem unseren zu beten.
Entblößt sind unsere Körper nur,
unsre Herzen voll von Liebe
betreten wir der Göttin Flur,
alle Wonne bei uns bliebe,
die Augen uns verbunden sind,
der andren Leiber wir ertasten,
und wir befreien sie geschwind
von den mitgeführten Lasten.
Die Göttin jeder in sich birgt,
kehrt hervor jetzt eure Seelen,
kein Menschen Blick, der störend wirkt,
Göttliches noch zu verhehlen,
dem dunklen Auge strahlend hell
Himmlisches uns schlägt entgegen,
der Sonne wir vergleichbar grell
gegenseitig uns erlegen.
Ein Blitzen und ein Jauchzen laut
dringt durch alle Tempel Hallen,
in höchster Lust die Göttin schaut,
unsrer Liebe zu gefallen,
die Leidenschaft treibt sie voran,
funkelnd klar ihr Blick enthüllet,
gefangen in des Menschen Bann,
dass ihr Sehnen sich erfüllet.
Dass ist der Liebe hoher Preis,
selbst von Göttern ist zu zahlen,
nur wer auch hassen kann, der weiß,
wie er Liebe kann bewahren,
die Freiheit hierzu ihm verschafft
Liebe überall in Fülle,
doch zwischen aller Liebe klafft
andrer Liebeswerben Hülle.
Drum betet mit verschloss'nen Augen
eurer Götter Leiber an,
aus ihrer Lust ihr werdet saugen
alle Kraft der Göttin dann,
in Dunklen auseinander geht,
eh entfernt der Augen Binden,
sodass ein jeder vor dir steht,
deine Liebe könnte finden.
So wird das leibliche Gebet
zu dem Götterlob von allen,
denn deren Liebe nie vergeht,
um einander zu gefallen,
wem immer zugewandt sie war,
sei's mit Körpern, sei's mit Seelen,
gehört er zu der Göttin Schar,
ihrer Lust sich zu befehlen.
Der Göttin dien ich heute ganz allein,
mit allen bin ich, um mit ihr zu sein.
Donnerstag, 27. Januar 2011
Vergewaltigende Vergemeinschaftung
Copyright Karsten Cascais
Soziale Wesen
Allein kann der Mensch nicht sein, allein kann er nur sterben. Denn das Sterben ist nichts anderes als das Ende des Werdens und jedes Werden kann nur für sich allein aufhören. Leben indessen ist immer das Ergebnis von Vielen, die zusammenwirken, Gemeinsames zu bewirken. Damit ist auch der Mensch stets auf andere gerichtet und mit allem, was er tut, mit diesen zugleich verbunden. Somit kann kein Zweifel daran bestehen, dass zum Wesen des Menschen auch gehört, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Nur mit anderen kann der Mensch überleben. Durch das Zusammenwirken anderer wurde er selbst geboren, mit anderen zusammen kann er das Leben nur weitergeben. Seine Seele bedarf der anderen zum Leben und im täglichen Kampf, den eigenen Mangel zu überwinden und so das Leben zu erhalten, ist er auf Dauer stets auf Andere angewiesen. Sein Glück verfolgt er nur in der Vereinigung mit anderen und ist er allein, verdorrt seine Seele. Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Unwandelbare Identität des Einzelnen
Dies bedeutet indessen nicht, dass der Mensch seine Identität im Sinne einer dauerhaften Vereinigung in ein Anderes einbringt und mithin dort aufgeht und nur noch als Teil dieses (neuen) Ganzen zu verstehen wäre. Mehrere Menschen bleiben immer, ganz gleich was sie tun und welches System sie durch ihr Zusammenwirken errichten, Individuen und ihr Verband bleibt ein Zusammengesetztes und wird niemals zu einem wirklichen Ganzen vereint. Die gilt auch nicht im übertragenden Sinn, wonach ein Werden sich immer weiter und höher und das Werden vieler Einzelner sich wiederum zu einem weiteren Werden eines neuen Einzelnen entwickeln kann. Denn der Mensch ist das Ende und ebenso der Anfang eines jeden Werdens und alles Weitere bedarf stets seiner Zustimmung. Das Ende ist er, weil er ein eigenes Bewusstsein seiner selbst und von allem, was ihn betrifft und was er tut, entwickelt und er hierüber als selbständige Einheit in jedes fortwirkende Werden entlassen wird. Der Anfang ist er, weil er einen freien Willen hat und dieser über seine Beteiligung an jedem anderen Werden frei entscheidet. Dies alles umschreiben wir mit seiner Würde und diese spiegelt das Göttliche in ihm. Denn die Göttin hat sich mit ihrer Kraft, als sie die Welt belebte, dem Menschen über sein Bewusstsein zu erkennen gegeben und damit Göttliches zugleich in ihn gesetzt. Hieraus folgte seine Freiheit, selbst die, von seiner Liebe der Göttin gegenüber Gebrauch zu machen oder es sein zu lassen. Leben, Liebe, Wahrheit, Lust und Glück, das sind alles Dinge, in denen sich das Wirken der Göttin niederschlägt und sie sind Teil des allgemeinen Lebens in der Welt. Dieses Allgemeine aber ist das Ergebnis des Lebens eines Einzelnen. Das allgemeine Leben ist ein von der Göttin in die Welt gebrachtes System. Jedes System hat ein Resultat und das Resultat des Systems, das wir allgemeines Leben nennen, ist das Leben des Einzelnen. Die Identität, die zugleich die Verbindung zur göttlichen Kraft ist, nennen viele die Seele, wir nennen sie das Leben, das Glück und die Liebe und wenn wir von Seele sprechen, dann meinen wir dies alles.
Dem Menschen ist aber nichts Allgemeines vorgegeben, dessen Teil er wäre und von dem sein Leben zehren würde, das ihn und seine Bedürfnisse bestimmen oder gar definieren und mithin rechtfertigen würde – mit Ausnahme des Göttlichen in Form des allgemeinen Lebens, dessen Teil ein Leben jedes Einzelnen ist, das aber dennoch über jeden Einzelnen hinausweist. Jede Beanspruchung eines Allgemeinen aber für etwas, was nicht göttlich ist, frevelt wider der Göttin und den Göttern, auch dem Göttlichen und dessen, was von der Göttin ist, wie das Leben, die Liebe, die Wahrheit, die Lust und das Glück. Der Mensch leitet sich nicht von den anderen ab, auch nicht von der Gemeinschaft und von keinem Sozialen, der Mensch leitet sich allein vom allgemeinen Leben, das ist die Kraft der Göttin, ab, im Übrigen leitet sich alles andere vom einzelnen Menschen ab, auch das Soziale. Alle Gesellschaft folgt nur aus den Einzelnen und ihren sozialen Tugenden wie die Verantwortung und die Gerechtigkeit. Es gibt aber nichts, was den Menschen konstituiert, das von einem anderen Allgemeinen als dem die Welt belebenden Willen der Göttin herrührte. Nur das Leben ist heilig und als solches dem Leben eines jeden vorgegeben, nur das Leben ist ein Ganzes, dessen Teil das Leben eines jeden Einzelnen ist. Daher gibt es nichts im Leben anderer, das das Leben des Einzelnen, die Liebe, die Wahrheit, die Lust oder das Glück in Frage oder hintanstellen könnte. Alles, was den Einzelnen hier beschränkt, kann nur aus ihm selbst kommen. Dabei bedarf der Einzelne keinerlei Rechte und keiner Rechtfertigung, denn alles ist in der Göttin begründet. Rechte und der Rechtfertigung bedarf es erst, wenn der Einzelne sich mit anderen zusammentut und Gemeinsames verabredet und das Gemeinsame geregelt wird. Der Einzelne aber ist mit seinem Leben und allem hieraus fließenden Göttlichen immun, dem Recht enthoben oder auch vor allem Recht. Das meint die Feststellung: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Vom Urchristentum zum Sozialismus des modernen Sozialstaats
Seit je verbreiteten sich über die Erde Irrlehren derart, die Göttlichkeit des Einzelnen in Frage zu stellen und ihn zum Teil eines vergemeinschafteten Ganzen machen zu wollen. Die bekannteste ist die Lehre des Urchristentums, die den Einzelnen zugunsten Gottes Unendlichkeit (Raum) und Ewigkeit (Zeit) aufhob, ihm aller irdischen Ansprüche, auch seiner Genüsse und schließlich seines Glückes entkleidet wissen wollte, eine der frühen Formen der entindividuierten Vergemeinschaftung des Einzelnen, wie sie in moderner Zeit unter den Begriffen des Kommunismus und nicht weniger des Sozialismus wiederauferstanden ist. Nach diesen Lehren findet der Einzelne seine Bestimmung allein in seiner Zugehörigkeit zu einem Allgemeinen, sei es dem Volk, sei es der Klasse, deren Teil er ist und denen er selbst sein Leben zu verdanken hat. Dabei handelt es sich nicht um die Lehre, dass sein Leben mit seinen göttlichen Eigenschaft wie die der Liebe, der Wahrheit, der Lust und des Glücks, das allgemeine Leben unmittelbar repräsentiert, sondern dass sein Leben allein das zum Inhalt haben kann, was im Allgemeinen, der Sache nach in der die Gesellschaft für das sie bildende Verhalten der Mitglieder zugrunde liegenden Information, bereits vorgegeben und vorbestimmt ist und die Vorgaben sind nicht die des Lebens des Einzelnen, sondern die anderer. Allein dieser Unterschied erlaubte es in der Vergangenheit mit Hilfe des Allgemeinen den Einzelnen und sein Leben millionenfach zu vernichten. Der Preis der Idealisierung ist stets diese Vernichtung des Individuums, das im Sinne der Ideale instrumentalisiert und funktionalisiert wird. Wir haben im 19. und 20. Jahrhundert in Europa eine Idealisierung von nationalen Gemeinschaften erlebt, als deren Glieder sich schließlich die Einzelnen nur noch verstanden. Dies wirkte nicht anders als die Idealisierung im christlichen Mittelalter, wo in der Ordnung Gottes jeder Mensch ausschließlich den ihm zugewiesenen Platz nur einnehmen konnte. Die Verfolgungen der Inquisition im Mittelalter haben ebenso wie die vaterländischen Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts zur konsequenten Vernichtung des Einzelnen geführt, da sein Leben dem idealen Leben des Systems zu dienen hatte. Tatsächlich dienten die Systeme der Aufrechterhaltung der einer bestimmten Gruppe von Einzelnen günstigen Herrschaftsstruktur. Nichts anderes erleben wir in der neuen Zeit mit der seit Ende des 19. Jahrhunderts politisch erfolgreichen Idealisierung einer sozialistischen Gesellschaftsform, die ihre wirkliche Macht sogar erst nach dem Zusammenbruch der auf sie ebenfalls beruhenden kommunistischen Systeme, die allesamt noch an nationale Idealisierungen anknüpften, entfalteten, nunmehr als reine Gesellschaftslehre im harmlosen Gewande moderner Sozialstaatlichkeit. Der neue und tiefgreifende Erfolg sozialistischer Sozialstaatlichkeit beruht auf der politischen besonderen Eignung dieser Lehre, die sich zunehmend aus ihren rechtlichen Bindungen befreiende formale Demokratie in ihrer Entwicklung zur reinen Ochlokratie (Pöbelherrschaft) zu stützen. Demokratie selbst lebt von dem ständigen Wandel der politischen Mehrheiten infolge von Wahlen und der absoluten Vorherrschaft des Rechts, wobei das Recht ungeachtet der Mehrheiten die Bedingungen auch für Minderheiten, die in den Wahlen gerade nicht oder auch niemals Mehrheiten werden können, festlegt. Die Vorherschaft des Rechts befindet sich seit Jahrzehnten auf dem Rückzug, wie die Abschaffung ihrer Kernelemente wie das der Rechtssicherheit und dem Schutz von wirtschaftlichen Minderheitsrechten sowie die Sozialisierung aller Grundrechte, aber auch die Relativierung des Rechts durch eine soziale Gerechtigkeit zeigen. Demokratie wird allein noch von dem Grundsatz der Herrschaft über die Minderheit bestimmt, was unter der gleichzeitig sich immer mehr verbreitenden sozialistischen Gesellschaftslehre sich zur reinen Pöbelherrschaft entwickelt, in der sich die Mehrheit unter Ausnutzung von Wahlen zu Lasten der Minderheit bereichert – was sie sozialen Fortschritt heißen. Den Bereicherungsvorgang selbst tarnen sie im Rahmen der sozialistischen Herrschaftslehre als soziale Gerechtigkeit, wobei Gerechtigkeit anders als nach dem herkömmlichen Wortsinn nicht für Ausgleich der betroffenen und sich möglicherweise widersprechenden Interessen steht, sondern nur ein anderer Begriff für den Anspruch, Leistungen zu erhalten, darstellt. Sozial gerecht ist es, von anderen zur Verteilung zu nehmen, sozial ungerecht ist es, sich dem zu verweigern, für andere Abwägungen ist kein Raum. So steht Gerechtigkeit wie schließlich der ganze Mensch im Sinne einer Sozialpflichtigkeit, in der jeder, der arbeitet, selbstredend für andere zu leisten hat, und diejenigen, die die Leistungen beziehen, nur richtig wählen müssen. Die zu Wählenden aber bauen ihre Herrschaft samt aller Komplementärbereiche, wie die der öffentlichen Medien, hierauf auf. Die Bedeutung des Menschen definiert sich allein entweder danach, was er leisten kann (in diesem Bereich sind die Freiheitsrechte weitgehend abgebaut und ein allmächtiger Steuer- und Finanzstaat schwebt zunehmend über allem materiellen Recht, das vorhandene Recht versinkt in seiner Unanwendbarkeit, zementiert durch die staatliche Selbstjustiz in Fiskalangelegenheiten), oder wie er wählt, wofür ihm soziale Gerechtigkeit in Form von leistungsfreiem Einkommen und Verlagerung privater Risiken versprochen wird. Dieses System entwickelt sich zwingend zur reinen Ochlokratie, in der das Pöbelhafte (des sich selbst Bereicherns durch entsprechende Gesetzgebung) durch sozialistische Werte wie der nach ihr benannten Gerechtigkeit geschönt wird. Die Grundlagen eines jeden Lebens, den eigenen Mangel selbst zu überwinden und durch Erkennen des Irrtums die Richtung zu finden, sind aus dem Blickfeld dieses Gesellschaftssystems entschwunden. Dieses kann daher einstweilen in immer deutlicherer Form ochlokratisch nur entarten (die Rückkehr des Grundsatzes aller Despoten, wonach der Zweck die Mittel heile, feierte schon fröhliche Urstände), bevor es zerbricht.
Der Göttin Schutz vor Vergemeinschaftung
Menschen, die entwöhnt werden, den eigenen Mangel zu überwinden und den Irrtum zu erkennen und künftig zu vermeiden, sind ihrer Würde entkleidet. Systeme, die sich dies zum Ziel setzen oder auch nur dazu führen, sind nicht weniger würdelos. Dies gilt auch dann und eigentlich noch umso mehr, wenn solche Systeme den Einzelnen in der Weise vereinnahmen, dass er seinen Wert selbst erst durch die Eingliederung in das System erfährt. Dies war stets das Ziel aller Idealisierungen, wie sie uns seit Platon überliefert sind, der von Nietzsche zurecht als den ersten Sozialisten bezeichnet wurde. Dem kann und konnte der Mensch sich nur selbst mit all seinen Bedürfnissen entgegensetzen. Schon wenn er sich dem ersten Schritt der Idealisierung entzieht, den Maßstab in die Ideale zu verlagern, hat er einen festen Halt gefunden. Denn die Wahrheit selbst ruht stets allein in ihm. Ideen, die sich der Wahrheit, wie der Mensch sie selbst wahrnimmt, entziehen, verlieren damit jeden Bezug zu ihr und so zugleich jede beanspruchte Gültigkeit. Das eigene Leben ist unantastbar, nach seinem Glück zu streben, hat nichts auf der Welt zu weichen, zumal alles, was sich dem entgegensetzt, selbst nach eigenem Glück nur strebt. Jeder Einzelne - und nicht ein System-, trägt die Verantwortung für andere und ebenso dafür,gerecht zu entscheiden, niemand kann ihn von dieser Verantwortung entbinden. Die eigene Lust und Liebe sind der göttliche Lohn und nicht eines Systems, auch nicht von solchen, die man gewählt hat und die sich nun damit bedanken sollen. Alles, was man mit anderen abspricht zu bewirken, hat dem eigenen Leben zu dienen, selbst wenn es altruistisch wäre. Erst hier fängt die Gemeinschaft an, die die Individuen bilden, die allein Gemeinsames bewirken können. Eine Gemeinschaft kann ohne einen Einzelnen nichts bewirken, sie ist ein Nichts, bloße tote Information, solange kein Einzelner sie zum Werden erweckt und zusammen mit anderen Virtuelles bewirkt wird. Das sind auch die Lehren des Heiligtums und sie zu schützen, aufrecht zu erhalten und wiederzubeleben, kehren die Göttinnen zurück. Sie wollen den Menschen vor der Selbstversklavung retten, der sich in Abhängigkeiten von denen begibt, die ihn vergemeinschaften, wenn er aufhört, alles, was er sieht, nur durch sich selbst zu begreifen, und sich nicht mehr für den Nabel der Welt zu halten. Daher führen werden auch im Heiligtum alle Bedürfnisse auf den Menschen selbst zurückgeführt, auch seine Lust und Liebe und selbst das Glück. Dies alles wurde ihm alleine durch seine göttliche Existenz eröffnet, durch keiner Gemeinschaft und keinem System und keiner noch so klugen Lehre. Dies alles aber zu erfahren und im Herzen zu bewahren, dient es, in die Tempel einzukören und die Göttinnen dort zu lieben. Je mehr der Leib, das einzige Leben des Menschen, mit dem Göttlichen sich vereint, umso weniger Macht haben Ideen anderer, euch eures Lebens durch kollektive Vergemeinschaftung zu entfremden. gp
Samstag, 22. Januar 2011
Lehrgedicht: Der Göttin Lohn
![]() |
| William Adolphe Bougereau, The lost Pleiad, 1884 |
Mir träumte in all meinem Streben,
die Schönheit der Welt zu erlangen,
zu finden die Mitte im Leben,
der alle wir Menschen entstammen,
ein Ort der zur Grenze uns führet,
entbunden von menschlicher Last,
ein Punkt, nur den Göttern gebühret,
fern jeglicher irdischen Hast,
und öffnet dir göttliche Pracht,
die Seele zum Himmel lässt steigen,
die Gunst unsrer Göttin dir lacht
und bannt jedes irdische Leiden.
Ein einziges Mal wirst du sehen
den Himmel, sich öffnen vor dir,
vor Liebe und Glück ganz vergehen,
wenn Götter ergreifen dich hier,
das Schönste sie dir dann bereiten,
du schauest ihr ewiges Sein,
von nun an es wird dich begleiten
der Göttinnen herrlicher Schein,
der künftig erwärmt schon dein Denken,
Erinnerung über dich legt,
die Schritte euch wird sie hinlenken,
dass weiter zur Göttin ihr strebt.
Du hast sie gesehen in Wirklichkeit,
die Welt einen Spalt zu ihr offen,
und hast es erkannt da für alle Zeit,
von nun an ein jeder kann hoffen,
mit ihr sich zu treffen zum Lieben,
in Lust sich mit ihr zu vereinen,
zu schwelgen in göttlichen Trieben
verschlungen an Leib und Gebeinen,
die Schönheit der Göttin erstrahlet
Gestalten und Formen ganz hell,
ein himmlisches Bild sie ausmalet
als unserer Lebenskraft Quell.
Es gilt, ihn zu finden den Punkt,
wo Göttliches stieß auf das Leben,
als Liebe und Lust wurden kund,
dir göttliche Kraft würden geben,
ein winziger Ort, wo dein Werden
verharrt auf der Stelle des Seins,
zu wandeln die irdischen Erden
zu Welten einst toten Gesteins,
wo Dimensionen sich fügen,
sich eint, was war ewig geschieden,
sich Menschen und Götter genügen,
in Glück sich zusammen zu schmieden.
Oh, Glück einem jeden soll blühen,
der findet den Ort, wo er schaut
die Göttin, vor Lust soll er glühen,
wenn dort ihren Platz hat bebaut,
wo hitzige Wonne verbunden
hat Götter mit menschlicher Gier,
der Göttin Begehren gefunden,
dass Liebe und Lust gelten ihr,
ein winziger Punkt nur, wo Streben
vom Sein in die endliche Welt
gelangt, um den Menschen zu geben,
was sonst nur die Göttin erhält.
© Karsten Cascais
© Karsten Cascais
Samstag, 15. Januar 2011
Der Göttin Korrektur von Treue und Verlässlichkeit
Aus der Predigt des Trägers des Wortes zum Ende der ersten heiligen Woche des Jahres
Ewige Versprechen sind eine Anmaßung von Göttlichkeit
Alle Zeit ist die Ewigkeit, der Mensch aber ist nicht für die Ewigkeit geschaffen, sondern er ist allein ein Werden innerhalb der Zeit. Ein Werden hat einen Anfang und ein Ende. Jeder Anfang muss beginnen, weswegen es Männer und Frauen gibt, damit in ihrem geschlechtlichen Zusammenkommen das Werden beginnen kann. Kein Werden dauert ewig, denn dann wäre es ein Sein und Göttern gleich. Vielmehr endet ein jedes Werden, wenn es aufhört zu werden, wenn die zum Werden erforderlichen Beiträge nicht mehr zustande kommen. Das Ende des Werdens nennen wir Tod, den Beginn aber Geburt. Dazwischen verdankt alles Werden dem Umstand, dass ein jedes Teil und ein Jeder die hierzu erforderlichen Beiträge leistet, in deren Zusammengreifen das Werden liegt. Dies gilt für die Natur, wie sie uns vorgegeben ist, und nicht weniger für die Menschen, wenn sie sich absprechen, Gemeinsames zu bewirken und so vor allem das Virtuelle des Gesellschaftlichen herzustellen. Der hier überall obwaltende Grundsatz ist die Verlässlichkeit und ihrer Sonderform der Treue, das Zusagte und Versprochene und mithin Erwartete auch zu tun. Das ist die Grundlage eines jeden Zusammenlebens und gilt für Alle und Jeden gleichermaßen, gleich ob im Privaten oder im Öffentlichen und gleich, an welcher Stelle man wirkt. Die Gebundenheit als die Pflicht, sich auch so zu verhalten, wie man die Erwartungen Anderer erweckt hat, ist der Kern der Verlässlichkeit. Denn man kann sich nicht bei jedem Akt des Zusammenwirkens erst absprechen, vielmehr begibt sich ein jeder Mensch in einen bestimmten Prozess, dem die zu seiner Realisierung erforderlichen Informationen zugrundeliegen, und schafft bei den anderen Mitwirkenden die Erwartung, dass er die ihn betreffende Information auch umsetzen werde. Im Vertrauen auf die Verlässlichkeit der daran Beteiligten gelingt der Prozess. Allem Mitwirken und Zusammenwirken liegt somit ein Versprechen zugrunde, sei es ausdrücklich oder sei es auch nur konkludent, das Versprochene und mithin aus der Sicht des Anderen Erwartete auch zu tun. Das Versprochene wirkt in der Zeit, im Jetzt wird hierdurch die Erwartung erweckt, die sich in die Zukunft erstreckt und dort auf die Verwirklichung wartet. Die Spanne zwischen dem jetzt Versprochenen und dem künftig zu Verwirklichenden ist ein Teil der Zeit, aber niemals alle Zeit, da diese nicht für den Menschen geschaffen ist. Daher gibt es auch keine ewigen Versprechen und ebenso wenig gibt es ewige Pflichten für den Menschen. Ewige Versprechen sind eine Anmaßung von Göttlichkeit, weswegen der Mensch von jeder Ewigkeit entbunden ist. Versprechen können nur Wirkung für eine Zeitspanne entfalten, niemals für die volle Zeit und auch nicht für mehr Zeit, als ein Mensch überhaupt bewirken kann. Das aber ist weit weniger als sein Leben als das Ergebnis seines eigenen Werdens.
Niemand kann sich für sein ganzes Leben verpflichten
Der Kern eines jeden Leben ist die Wahrnehmung des eigenen Werdens und seine Bedürfnisse sind die, die das eigene Werden zu erfüllen erfordert. Den Kern spiegelt das Bewusstsein, das mithin die Quelle des Lebens eines jeden Einzelnen ist, ohne das Bewusstsein wäre sich der Mensch seines Lebens nicht bewusst. Mittels des Bewusstsein erkennt der Mensch auch die Kraft der Göttin, wenn sie Leben werden lässt und auch die Notwendigkeit, sich ihren Gesetzen zu unterwerfen, die von Allem und Jedem, was am Werden beteiligt ist, die Verlässlichkeit verlangt, das von ihm zum Werden erwartete Verhalten auch zu erbringen. Allem Erwarteten aber und somit allem Be- und Mitwirken des Einzelnen vorausgesetzt sind das eigene Leben und die hierzu erforderlichen Prozesse. Damit kann der Zeitraum, hinsichtlich dessen der Mensch sich durch seine Versprechen verpflichtet, nicht deckungsgleich mit dem Zeitraum seines Lebens sein. So wie ein Mensch sich nicht für die Ewigkeit verpflichten kann, kann er es auch nicht für sein ganzes Leben tun. Auch der Zeitraum seines eigenen Lebens hängt von der Dauer ab, währenddessen die an seinem Zustandekommen beteiligten Teile sich entsprechend der zugrunde liegenden Information verhalten, ohne dass er eine Gewähr für eine andere Dauer als die Tatsächliche erhielte. Alles Werden hängt allein davon ab, wie lange es die es Bewirkenden währen lassen. Andere Grundsätze gibt es nicht. Auch im Bereich der virtuellen Dinge verhält es sich nicht anders. Wäre es anders, dann würde der eine Mensch zum Sklaven des anderen werden, denn dann gäbe es Gründe, die seinem Werden entgegenstünden und die hinzunehmen er verpflichtet wäre. Kein Mensch aber kann verpflichtet sein, sein eigenes Leben und Werden zugunsten eines anderen hinzugeben, es sei denn, er täte es freiwillig. Vor dem eigenen Leben und seinem Werden aber endet jede Pflicht, wenn deren Erfüllung das Werden beenden würde. Denn ein jedes Leben entsteht durch das Wirken der Kraft der Göttin, mit der sie die Welt belebt und auch beseelt hat. Und für sein eigenes Leben und dessen Werden steht stets die Göttin selbst.
Die Korrektur der Verlässlichkeit
Damit erweist sich das Dilemma des Lebens: es beruht auf der Verlässlichkeit, das zu seinem Werden Erforderliche zu tun, und gibt zugleich Grund, seine so erforderlichen Beteiligungen einzustellen, wenn sie dem eigenen Leben in seinem Kern widersprechen. Dieses Dilemma spiegelt die Mangelhaftigkeit jeden Lebens und auch des Menschen als Mangel- und Irrwesen, der nur durch andauernde Überwindung des Mangels leben und durch Irrtum allein erkennen kann. Dieser Widerspruch und diese Unvollständigkeit sind nicht zu beheben, sie können nur gemildert werden. Sie zu mildern, liegt bereits in der Kraft des Göttlichen, die allein das allgemeine Leben vollständig macht, das einzelne Leben aber nur, soweit es seiner zum allgemeinen Leben bedarf. Sie unterwirft den Einzelnen nicht anderen Anforderungen, denn das Allgemeine Leben der Welt besteht aus nichts anderem als dem Leben Einzelner, aber es zeigt den Plan und damit den Willen der Göttin, allein die Welt zu beleben. Dieser ist vollkommen, nicht vollkommen aber ist der Mensch, zudem dieser als freies Wesen geschaffen wurde, das schon allein, damit er die Göttin lieben kann. In seiner Freiheit liegt auch der Schlüssel zur Überwindung des genannten Dilemmas zwischen Pflicht zur Verlässlichkeit und Schutz des eigenen Lebens. Denn die Freiheit besteht nur durch die mit ihr zugleich auferlegte Verantwortung, die Bedürfnisse der von den eigenen Entscheidungen betroffenen Anderen zu bedenken. Eine Lösung dieses Widerspruchs ist daher nur in Absprache mit anderen in einem Verfahren der Scheidung möglich, bei der das Vertrauen der anderen für ihre Erwartungen abgewogen wird mit den Notwendigkeiten des eigenen Lebens und bei dem es in einem so objektivierten Verfahren zu einer Entbindung von durch Versprechen eingegangenen Verpflichtungen auch kommen kann. Dieser Grundsatz gilt umso selbstverständlicher, je länger die Zeiträume sind, für die zugesagt wurde, sich in entsprechender Weise zu verhalten. Ähnliches gilt auch dann, je unsicherer und unübersichtlicher die für die Zusage bestimmenden Lebensverhältnisse erkennbar waren. Das Wichtige aber ist der Grundsatz der Verlässlichkeit als Grundlage und Regel und die Möglichkeit der Entbindung hiervon als Ausnahme und Besonderheit, gewissermaßen als Korrektur des einzelnen Lebens im Hinblick auf das allgemeine Leben.
Wahrheit bestimmt die Verlässlichkeit
Seit langer Zeit haben sich in allen höher zivilisierten Gesellschaften Formen entwickelt, um Menschen von ihren vor allem langfristig eingegangenen persönlichen oder auch sonstigen Verpflichtungen zu entbinden. Dies mag als Kündigung, Auflösung, Scheidung oder Aufhebung geschehen, stets in formalisierten Verfahren, die es ermöglichen auch das Vertrauen der auf die Einhaltung der Versprechungen Angewiesenen zu berücksichtigen. Es handelt sich dabei nicht um irgendwelche sinnvolle Rechtsfiguren, sondern um den Ausdruck des elementarsten Grundsatzes des Lebens und des Zusammenlebens: wie kann das allgemeingültige Lebensprinzip der Verlässlichkeit korrigiert werden, dass es sich nicht zur Bedrohung des Lebens des zur Verlässlichkeit Verpflichteten entwickelt. Im Heiligtum bürgt die Göttin zu einem für die hohe Pflicht von Treue und Verlässlichkeit, auch im zivilen Leben, und lässt alles Gegenläufige, so vor allem die Korrektur, als Ausnahme erscheinen. Zum anderen schützt sie auch das Leben eines jeden Einzelnen, dem sie vor allem die Wahrheit, die ihm die Richtung weist, in seine Seele gepflanzt hat. Die Wahrheit aber ist auch Teil jeder Pflicht, jeden Versprechens und auch jeder Liebe. Niemand kann daher einem Versprechen eine Pflicht entnehmen, dem von vornherein anzusehen ist, dass es nicht zu halten ist. Dies gilt für ewige und ebenso für lebenslängliche Versprechungen, denn der Mensch kann, wie gesagt, ebenso wenig über die Ewigkeit wie auch über sein ganzes Leben verfügen. Sich auf besondere Zeitabschnitte beziehende Versprechungen werden hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit sich wandelnden Anforderungen unterliegen, die auch ihre Beendigung beinhalten können. Versprechungen, die von vorneherein besonders kurzlebigen Umständen unterliegen, tragen hinsichtlich ihrer mittel- und langfristigen Durchsetzbarkeit zusätzlich Unwägbarkeiten in sich. Dies gilt sogar für ein so hohes Gut wie die Liebe, da diese nichts anders als die ewige Liebe der Göttin spiegelt. Dennoch wendet sie sich oft unbeabsichtigt anderen und neuen Personen zu. Niemand aber kann sich zur Liebe verpflichten, denn das wesentliche Merkmal der Liebe ist ihre Freiwilligkeit. Jedoch können sich Menschen, vor allem dann, wenn sie Gemeinsames bewirken wollen, wie etwa eine Familie zu begründen, dazu verpflichten, sich mit allem, was ihnen möglich ist, um Liebe zu bemühen. Dies ist dann zugleich eine Pflicht, die sie ihre gemeinsam gezeugten und geborenen Kindern ebenfalls gegenüber schulden, wie auch, ihnen einen hierdurch geprägten Lebensraum zu schaffen. Die Anforderungen, sich von solchen Pflichten entbinden zu dürfen, können keinesfalls geringer als diejenigen sein, um sich aus langfristig eingegangenen kommerziellen Verträgen zu lösen. Denn bei allem vergesst nie: allein absolut ist die Liebe zur Göttin, aber jede andere Liebe und auch alle sich hierauf beziehenden Versprechen spiegeln sie. Es bedarf sehr viel, dass euch die Göttin davon entbinden wird. Jede Trennung aber, sei es durch Kündigung, Scheidung oder auf anderen Wegen, bedarf stets der Mitwirkung des oder der anderen Betroffenen, denen gegenüber Pflichten bestehen, unter Einhaltung der hierzu entwickelten Formen, auf die sich alle geeinigt haben. Jene Formen einzuhalten, gibt euch die Götter auf, denn nur dann erlauben sie, Treue und Verlässlichkeit eures eigenen Lebens wegen zu korrigieren. Diese Korrektur im Einzelnen vollzieht nichts anderes, was im Allgemeinen Leben geschieht, wenn zum Leben nicht Geeignetes nicht oder nicht mehr werden kann. Dies mag euch zugleich als Hinweis gelten, wie hoch die Schwellen sind, vor den Augen der Göttin von seinen Versprechen entbunden zu werden. gp
Freitag, 7. Januar 2011
Liebesfest
![]() |
| Dante Gabriel Rossetti, Venus Verticordia (Studie) (1863) |
Heute wurde es verkündet,
jeden hat es heut entzündet,
den der Göttin Ruf ereilt,
künftig sie jetzt bei ihm weilt,
wenn in ihrer großen Liebe
ihre Lust auch bei ihm bliebe,
miteinander eng vereint,
kein Begehren ihm verneint,
alles das die Lust bereitet,
zum Orgasmus ihn geleitet,
ist der Göttin langer Weg,
führt auf ihrem goldnen Steg
direkt zu dem Himmel hoch,
wo das Glück die Kraft bezog,
überall sein Licht hin strahlt,
Streben wonnevoll bezahlt,
göttlich leuchtet jeder Leib
wie geschaffen er sich zeigt,
andere an sich zu binden,
brennend Leidenschaft zu finden,
in der heißen Seelenglut
lodert unsrer Göttin Brut
hoch zu einem reinen Sein,
Nektar perlend treibt der Wein
jedes Sehnen zur Erfüllung,
jede Schönheit zur Enthüllung,
wer im Rausch dies nur berühret,
ist zu ihrem Leib verführet,
den die Göttin offenbart,
blitzend, funkelnd das bewahrt,
das die Welt mit ihr beseelte,
Menschen an die Lust gewöhnte,
die entbrannte, als das Leben
ihm zum Werden wurd' gegeben,
aus dem alles erst entstand,
Körper an einander band,
Seelen sich zusammenfügen,
ihrem Werben zu genügen,
wenn der Göttin Liebesgier
wandelt sich zur Lebens Zier,
alles Werden so gebärend,
toten Stein zu wachsen lehrend,
bringt sie aller Welt das Heil,
jeder Mensch hat daran teil,
der in Wonne und Entzücken
weiß die andren zu beglücken,
selbst die Götter zu berücken.
Freitag, 31. Dezember 2010
Der Menschen Liebe kommt vom Leib
Aus der Predigt der Trägers des Wortes zum Jahreswechsel
Liebe Schwestern und Brüder, Freundinnen und Freunde!
Der Menschen Liebe kommt vom Leib, die der Göttin aus dem Himmel.
Liebe ist Auge zu Auge, Hand in Hand und Körper an Körper
Wenn die letzte heilige Woche eines Jahres an die erste heilige
Woche des neuen Jahres grenzt, haben wir Grund uns des Wichtigsten zu besinnen,
das uns die Göttin schenkte, das ist die Liebe.
Denn die Liebe schlägt nicht nur die Brücke zwischen den Menschen, nein sie
vereinigt sie zu einem einzigen Körper, dem der Göttin. Denn die Göttin ist die
Liebe und alles was wir von ihr spüren, in uns fühlen, ist sie zugleich. Was
wäre das Leben ohne Liebe? Trostlos und sinnlos, wir könnten uns nur
verfluchen, dass wir uns unseres Lebens bewusst sind. Doch das Bewusstsein ist
uns nicht umsonst geschenkt worden, es kam zusammen mit der Liebe als der Atem
der Götter und hierdurch auch das Glück und
ebenso die Lust am
Leben, das stets ein Werden ist.
Dass die Liebe den Menschen zum Menschen macht, ist nicht unsere Weisheit, ihr
findet sie in vielen Religionen und Weltanschauungen unter den verschiedensten
Namen, nicht selten bereits zu anderen Zecken instrumentalisiert. Doch die
Liebe ist ausschließlich um der Liebe willen da, so wie Gott allein um Gottes
willen und die Göttin allein um der Göttin willen da sind und nichts anderes
für jedes Göttliche gilt. Denn die Liebe ist das Göttliche.
Das Göttliche selbst ist kein Werden, ist ein Sein und
alles, was göttlich ist, hat teil an diesem Sein, so auch die Liebe. Allein das
ist das Allgemeine.
Wir Menschen aber werden zwar durch das Allgemeine der Göttin, mit dem sie die
Welt belebte, auch geschaffen, bleiben aber stets ein Werden, so dass wir zwar
infolge unseres Bewusstseins das Allgemeine und somit auch die Liebe erkennen
können, sogar in ihrer göttlichen Form der allgemeinen
Liebe, erleben aber können sie wir nur im Werden. Alles Werden des
Menschen aber ist leiblich,
auch die Liebe, die wir erleben. Alles andere sind Begriffe, Worte, Ideen, Formen,
die ein jeder mit seinen Vorstellungen füllen kann, ohne sie indessen zur
Wirklichkeit zu machen. Das Einzige, was ihr vermögt, ist, so zu tun, als sei
das Eine oder Andere dieser Abstrakta wirklich, wie ihr eure Gesellschaften entstehen
lasst. Aber das sind Fiktionen, die mit der Änderung Eures Willens ebenso
wieder entschwinden wie alles Virtuelle.
So ist auch die Liebe, die nichts mit dem Leib mehr zu tun hat, nur eine
Metapher, ein Symbol für
etwas, worauf man sich verständigt hat. Seht hinein in das Leben. Wo gibt es
Liebe, die nicht mit dem Körper zu tun hat? Ihr findet die Welt und auch die
Bücher voll von großen Worten, die ihren Namen tragen. Wenn aber Menschen
wirklich lieben und geliebt werden, dann sind es Menschen, die mit ihren Händen
und ihren Taten anderen die Liebe spüren lassen, auch wenn sie ihnen helfen,
sie pflegen oder sie gar reinigen, weil sie dessen selbst nicht mehr fähig
sind. Liebe gibt es nur Auge zu Auge, Hand in Hand, Körper an Körper, alles
anderes, wenn nicht ohnehin zu anderen Zwecken instrumentalisiert, ist allein
die Information,
wie man lieben könnte.
Der Göttin reine Liebe erfährt allein der Leib
Wenn ihr allein um der Liebe willen zur Liebe kommt, wenn ihr
das Allgemeine und für alle Menschen Gültige in der Liebe sucht, dann findet
ihr es nur in der Liebe der Göttin. Im Werden eures täglichen Lebens,
wendet ihr keine andere Liebe anderen zu, aber dort geschieht es auch um der
Anderen willen, weil sie deren bedürfen oder aber auch nur, um eine Liebe zu
erwidern. Auch das ist die Liebe der Göttin und deswegen durchwob sie die Welt
mit ihr. Die Reine Liebe aber erfahrt ihr nur mit der Göttin, wenn ihr euch mit
ihr vereint. In der Vereinigung mit
dem Göttlichen ist es das Glück und auch die Lust, die euch die Gegenwart der
Göttin als die allgemeine Liebe spüren lassen. Das leibliche Gebet,
in dem ihr in der Vereinigung mit anderen Menschen nur um des Gebets willen
euch an die Göttin wendet, ist nicht der einzige Weg, zu dieser Vereinigung,
aber es ist der Weg, den euch die Natur vorgezeichnet hat. Sie hat eure Körper
und Seelen bereits mit Gaben ausgestattet, euch auch der Göttin in reiner Liebe
zu nähern. Ihr seid nur das, was ihr habt, eure Sinne und eure Gefühle, eure
Gedanken und alles Leben, nichts habt ihr mehr, aber auch nicht weniger. Nur
mit dem, was ihr habt, könnt ihr die Göttin lieben. Deswegen liebt ihr
gemeinsam eure Göttin leiblich, um sie in der Vereinigung zu erleben. Dies
geschieht zum Beispiel in einer geschlechtlichen Vereinigung, allein um die göttliche Lust und Liebe zu
erleben, das heißt sie Teil eures Werdens sein zu lassen. Auch kann es anders
sein, aber stets geht die Liebe ausschließlich durch euren Körper. Jedoch ist
es die Göttin, die euch an ihrem Allgemeinen teilhaben lasst für den Zeitpunkt
der Rausches, des höchsten von euch erfahrenen Glücks, das aber stets nur ein Abglanz
desjenigen ist, wonach ihr strebt. Deswegen verliert in diesem Augenblick alles
Fragen seinen Sinn, entschwinden die Gründe aus eurem Denken und Zeit und Raum
sind ohne Bedeutung. Denn, wenn du die Göttin spürst, dann ist das eine jede
Antwort und ein jeder Grund und alle Zeit und jeder Ort des Universums. Ihr
alle seid in diesem Augenblick in allgemeiner Liebe zu einer heiligen
Familie vereint. Sich dieses Erlebnisses aber einmal bewusst wird es selbst
zum Grund, der dich in Raum und Zeit wird nach ihm streben lassen wird, ihn
wieder zu erfahren. Das ist der Göttin Allmacht und auch Allliebe, die einen
jeden von uns zu ihrem Allgeliebten macht.
Die Liebe ist Richtung
In der Liebe sind alle Wesen der Göttin verbunden, nicht nur die
Menschen. Die Liebe hält die Welt, wie sie von der Göttin einst belebt wurde,
in sich zusammen. Die Kraft,
die jedem Werden zugrunde liegt und stets entsprechend der vorgegebenen
Information das Eine sich zum Anderen fügen lässt und damit die Verlässlichkeit
und schließlich auch die Treue
begründet, das alles ist das Werk des Willens der Göttin. Den die Liebe wirkt
erst in der durch sie bewirkten Entfreiung.
Wir können ihren Willen nur als Richtung des in die Welt gekommenen göttlichen
Seins begreifen. Denn die Göttin ist selbst kein Werden, wie wir es mit unserem
Willen bestimmen, sondern für uns Menschen ist sie einfach da, wie sie ist,
außer aller Zeit und Raum und aller Notwendigkeit, ohne jeden Mangel und
Irrtum. Mit der Liebe lässt sie uns ihre Vollkommenheit spüren und
immer, wenn wir der Liebe in unserem Leben folgen, dann nähern wir uns ihrer
Vollkommenheit an und die Lust und Freude, das Behagen und letztlich selbst das
Glück sind nichts anderes als unsere Wahrnehmung des göttlichen Seins, das sie
uns scheinen lässt. Wenn wir lieben, können wir sicher sein, ihrem Weg zu
folgen. Jedoch erlaubt die Göttin uns dies nicht um jeden Preis. Keine Grenzen
kennt die Liebe, die wir allein der Göttin schulden, weswegen im Heiligtum
keine Bindung außer der zu ihr zählt. Im zivilen Leben
indes sind auch die Verlässlichkeit und die Treue Seiten der göttlichen Liebe
und nur, wer vor den Augen der Göttin offen geschieden und
von seinen Versprechungen entbunden wurde, kann sich der Richtung
sicher sein, wenn er neue Wege frei von alten Bindungen beschreitet. Wäre es
anders, wie sollte dann aus den Beiträgen der Einzelnen jemals sich ein
gewordenes Ganzes einstellen?
Die allgemeine Liebe zur Göttin schafft
Treue und Verlässlichkeit
Wenn sich im leiblichen Gebet die Menschen zum mystischen Leib der Göttin
vereinen, dann bindet allein schon diese Gemeinsamkeit in ihrer zusammen
erlebten allgemeinen Liebe alle zu einer Gemeinschaft, denn was Gemeinsameres
soll es dann noch geben! Diese Gemeinsamkeit nehmen die Menschen mit in ihr
ziviles Leben und manche Last, die jemand heute wegen seiner Gebundenheit
aufgrund gegebener Versprechen empfindet, schwindet angesichts der erlebten
göttlichen Gemeinsamkeit ins Nichts. Denn jetzt wisst ihr einerseits um die
erlebte allgemeine göttliche Liebe,
andererseits um deren Fortsetzung im zivilen Leben, wenn ihr durch
Verlässlichkeit und Treue der Göttin dient, nichts anderes als die Folge der
allgemeinen Liebe. Dieses Dienen aber wird eure Liebe, wenn ihr in den Tempel
zurückkehrt, umso mehr noch beflügeln. So werden auch Verlässlichkeit und Treue
als Entfreiung doch zum Teil der Liebe und der damit verbundenen Freuden und
Versprechen werden nicht mehr aus den Zufälligkeiten bloßer Begierden
leichtfertig gebrochen. Erst die unbeschränkte und grenzenlose Liebe, die ihr
der Göttin im Heiligtum zeigt, schafft das nachhaltig tragfähige Fundament
eurer Liebe im zivilen Leben, worauf vielerlei Leben gründen kann. Denn der
Wunsch der Göttin ist es, dass ihr euch um ihrer willen liebt. gp
Sonntag, 26. Dezember 2010
Himmlische Vereinigung
![]() |
| Jean Francois Armand Felix Bertrand (1829-1894), Fortuna |
Es ist der Himmel, der sich öffnet,
wenn in dir wir uns vereinen,
die Lust die Liebe aus dir schöpfet,
unsre Seelen zu bescheinen,
mit Glück die Glieder sie durchfluten,
lüstern dampft das Blut im Leib,
versengen mit des Feuers Gluten,
jeden, der ist nicht bereit,
die Göttin in sich aufzunehmen,
eins mit ihr allein zu sein,
um zu beleben alle Schemen
aus der Götter Welten Hain.
Im höchsten Glück wir bei ihr liegen
fest verschlungen und verbunden,
an Leib und Gliedern wir uns biegen,
sind zum Ganzen wir gewunden,
gemeinsam da verbrennen wir,
tief aus uns die Flammen schlagen
voran treibt uns die heiße Gier,
wenn die Schritte wir jetzt wagen,
zu stürzen in den Himmel uns,
Meere schaumig uns umfangen,
wenn aufgenommen in der Gunst
aller Götter wir gelangen.
Geheimnisse entkleiden sich
ihrer lang gehegten Hüllen,
der Wahrheit nun wird zugänglich,
unsre Träume zu erfüllen,
dass Menschen sind mit Göttern eins
und die Götter uns begehren,
dass wir sind Teil des Götter Seins,
wenn wir preisend sie verehren,
des Lebens Sinn er vor uns steht,
die Natur hat längst verkündet,
der Göttin Liebe zu uns weht
reine Lust, in uns begründet.
Dienstag, 21. Dezember 2010
Allein der Leib der Göttin entgrenzt die Nächstenliebe
Soziale Grundstimulans
Das Gebot der Nächstenliebe, den Nächsten so wie sich selbst zu lieben, steht im Mittelpunkt des Christentums und wurde nach dem Markusevangelium von Jesus selbst als das nach dem der Gottesliebe wichtigste Gebot bezeichnet. In der christlich-jüdischen Tradition geht es zurück auf eine entsprechende alttestamentarische Forderung Jahwes in der Tora, die sich aber unmissverständlich nur auf die Angehörigen des eigenen Volkes bezieht. Die Ausweitung sogar auf Feinde gilt als eigentliche Leistung des Christentums. Aber auch in anderen Religionen und Kulturkreisen finden sich entsprechende Forderungen. Tatsächlich liegt der Vorstellung der Nächstenliebe eine Grundvoraussetzung für jedes Zusammenleben zugrunde, wonach ein jeder bei seinen Entscheidungen auch die Belange der Anderen so mit berücksichtigen sollte, als seien sie die Seinen. Hieraus resultiert die Verantwortung des Einzelnen, ohne die Freiheit nicht möglich wäre, und ebenso das Gefühl für Gerechtigkeit im Sinne eines advocatus publicus. Denn ein Zusammenleben gibt es nur, wenn schon in den eigenen Verhaltensweisen das erwartete Verhalten anderer seinen Niederschlag findet. Nachdem der Mensch seinen Willen frei zu fassen in der Lage ist, bedarf er einer entsprechenden inneren Stimulans, bei seinen Entscheidungen auch die das Verhalten Anderer bestimmenden Bedürfnisse selber zu berücksichtigen. Denn ein jeder Mensch strebt bei seinen Entscheidungen nach seinem Glück, worüber ein jeder auch von jedem weiß, so dass das Glück anderer auch einen selbst betrifft. Es spricht sehr viel dafür, dass die genannte Stimulans bereits in der Hardware, zumindest in der Firmware der menschlichen Konstitution begründet ist und die Grundlage für soziale Strukturen bildet. Im Heiligtum sehen wir dies als eine Folge der verbindenden Kraft der Göttin an, mittels derer zum Leben gerichteten Energie die Welt belebt wurde. Bereits bei den unbewussten biologischen Abläufen wirken die beteiligten einzelnen Glieder, wie zum Beispiel sich differenzierende Zellen, zusammen, was nur dadurch möglich ist, dass das Eine dabei auch das Andere berücksichtigt. Das soziale Stimulans erweist sich daher als Teil des Werdens, als was ein einzelnes Leben zu begreifen ist. Dies stellt sich wiederum als eine Eigenschaft des allgemeinen Lebens dar, als dessen Teil der Mensch sich infolge des Bewusstseins seiner Selbst erkennt. In seiner Zugehörigkeit zu dem allgemeinen Leben als Teil der göttlichen Kraft sieht das Heiligtum die sozialen Verpflichtungen des Menschen begründet.
Mit Ausweitung des Kreises der Nächsten verflüchtigt sich das Gebot
Auch die Liebe ist von keiner anderen Qualität, wenn auch anderer Intensität, denn sie beruht darauf, dass der Einzelne sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse unmittelbar mit denen bestimmter Anderer identifiziert, die darüber zu den Seinen werden. Das ist die Liebe, die nach dem Gebot zur Nächstenliebe Beispiel für das Verhalten den Belangen anderer gegenüber gibt, die Liebe zu sich und den Seinen gilt als Maßstab bei den eigenen Entscheidungen (bei der Bildung des Willens) für die Einbeziehung der Belange des Nächsten. Gemeint ist damit zuerst einmal der Nächste, das heißt derjenige, dem man gegenständlich gegenübersteht, der Begriff des Nächsten weitet sich dann jedoch auf alle aus, mit denen man zusammenwirkt, um Gemeinsames zu bewirken, schließlich auch auf diejenigen, mit denen man in solcher Weise verbunden ist, dass Gemeinsamkeiten dieser Art begründet werden können. Liebe, Verantwortung, Gerechtigkeit bleiben aber immer auf jeden Einzelnen bezogene Gefühle und haben nur als solche Realität. Diese verlieren sie in der abstrakten Verallgemeinerung und erleiden dabei das Schicksal aller Verallgemeinerung, indem sie ihrer nur im Einzelnen gültigen Bedeutung verlustig gehen. Als Abstraktes haben sie allein die Bedeutung, die man ihnen zuvor beilegt, diese kann beliebig sein, vor allem auch einseitigen Zwecken einzelner Anderer dienen. Daher verliert sich die Pflicht zur Nächstenliebe mit der Verallgemeinerung des Kreises, der als Nächster noch in Betracht kommt.
Allein das allgemeine Leben verbindet die einzelnen Leben
Eine weitere Einschränkung erfährt das Gebot durch die Rückbeziehung auf die sich selbst gegenüber mögliche Liebe. Dies kann einerseits nur im übertragenden Sinn gemeint sein, denn Liebe ist an sich nur in Richtung von sich auf etwas Anderes möglich. Andererseits weist dies aber zugleich auf den ebenfalls nur metaphorischen Charakter des Bildes der Liebe zu sich selbst, denn gemeint ist nicht die Liebe, sondern der natürliche Bezug des eigenen Strebens nach Glück zu eigenen Zwecken. Das Gebot zur Nächstenliebe beinhaltet daher genau besehen die Forderung, im Rahmen des eigenen Strebens nach Glück auch Ziele der Nächsten mit aufzunehmen, was bedeutet, dass der strebende Einzelne das Streben anderer nach ihrem Glück auch zum Inhalt seines Glückstrebens machen soll, denn das Streben nach Glück selbst ist zwar unveränderbar vorgegeben, indessen nicht das Ziel als Inhalt des Strebens. Das ist der Kernpunkt jeder Sozialisierung und dieser führt unmittelbar zu dem eigentlichen Grund der vorgegebenen sozialen Stimulans: es ist das allgemeine Leben, mit dem die Göttin die gesamte Welt belebt und dessen Teil auch das Leben eines jeden Einzelnen ist und das das Einzige ist, was der Einzelne selbst erleben und erfahren kann und das gleichwohl über ihn hinausweist, dessen Teil er zwar ist, ohne mit ihm identisch zu sein. In der Verallgemeinerung der Lust und Liebe finden alle Menschen zum einheitlichen Kern des Lebens, der nichts anderes als der Atem oder auch die Seele der Götter ist. Damit steht aber zugleich fest, dass jede Forderung nach Nächstenliebe sich am eigenen Streben nach Glück nur messen kann und auch muss, oder metaphorisch formuliert, du musst den anderen nicht mehr lieben als dich selbst, du musst dich nicht anderen aufopfern, erst wenn dein Leben, dein Streben nach Glück, Raum für das Streben anderer gibt, bist du nach dem Gebot verpflichtet. Das ist auch der Kern der Lehre des Heiligtums, jeder Einzelne lebt sein Leben und bringt dieses als solches in die Welt ein, jeder ist der Nabel der Welt, denn in ihm ist das Göttliche selbst zu Hause, jeder ist für sich und sein Glück selbst verantwortlich und der Göttin gegenüber allein verpflichtet, mit anderen sein Glück zu teilen. Nicht verlangen die Götter, selbst zu leiden, um das Streben anderer nach Glück zu befördern. Vor allem aber gibt das Gebot zur Nächstenliebe keinem anderen ein Recht, die Liebe auch fordern zu können. Das Bild der Liebe zeigt deutlich, lieben kann man nur freiwillig, eine Pflicht zur Liebe ist ihr Ende. Pflichten im gesellschaftlichen Bereich, die dem Einen einen Anspruch gegen den Anderen geben, wie dieser sich zu verhalten habe, begründet nur das Recht. Dieses aber ist eine in einem festen Verfahren gebildete Übereinkunft aller Beteiligter, das eigenen Regeln und Voraussetzungen unterliegt und von deren Einhaltung seine Verbindlichkeit abhängt. Das Gebot zur Nächstenliebe berechtigt daher niemanden anders als die Göttin.
Die Impotenz, die Liebe zu vergewaltigen
Hierin besteht auch der wesentliche Unterschied zu den profanisierten Heilslehren, wie sie unter dem Namen des Sozialismus verbreitet werden. Denn diese beruhen einmal auf der Anmaßung oder auch Wahnidee, die Allmacht der Götter ersetzen zu können, zum anderen darauf, dass sie die Liebe zur Pflicht erhoben. Beides sind gleichermaßen Absurditäten einer sich nur in Gewalt äußernden Impotenz. Könnte man sie nicht stoppen und würden sie sich zur allgemeinen Lehre durchsetzen, stünden die Menschen am Abgrund. Denn zugleich, wie sie selbst die Götter und ihre Kraft ersetzen, bringen sie alles Bewirken der Menschen zum Erlahmen. Ohne Bewirken stirbt aber jede Gesellschaft. Dies zu erkennen, bedarf es nichts anderes als einer nüchternen Analyse bestehender Verhältnisse. Der zunehmenden Freiheit leistungsfreien Einkommens, steht eine zunehmende Verpflichtung der dieses Einkommen erwirtschaftenden Menschen gegenüber, wie könnte es auch anders sein. Und aus diesem Konflikt heraus wird die genannte Heilslehre auch ihr Ende finden. Ihre heute noch gefeierten selbsternannten Glanzpunkte sozialer Gerechtigkeit werden einst als Beispiele ochlokratischen gesellschaftlichen Missbrauchs gegeißelt werden, bei denen auf dem Rücken des Werdens ein die Menschen zur Untätigkeit verführendes Sein vergaukelt wird. Jedes Gauklerstück aber findet stets sein entlarvendes Ende. Denn niemand hat ein Recht, das ein anderer ihn liebt und auch nicht, dass er für ihn sorgt, selbst dann nicht, wenn man es mit Solidarität verbrämt. Es gibt keine Moral und keine Ethik, die jemanden zur Forderung berechtigt, dass ein Anderer ihn aus seiner Verantwortung für sich selbst entlassen möge. Denn jeder Mensch ist für sich allein und abschließend verantwortlich, den Mangel zu beheben und den Irrtum zu vermeiden. Allein die Götter können von den Menschen Solidarität fordern. Diese erfüllen sie gemeinsam, wenn sie sich vereinen, um sie zu verehren. Diese Gemeinsamkeit schafft den Zusammenhalt, der auch in das zivile Leben hineinwirkt. Das aber ist die Liebe und zwar die Liebe der Göttin, die in allen brennt. Ihr entstammt die Sorge für die Kinder, die Seinen und auch den Nächsten dann, wenn dieser ihrer bedarf, weil er sich selbst nicht helfen kann. Die Natur hat den Menschen so konditioniert, dass er für die Seinen sorgt. Damit sorgt er für sich selbst, denn nichts anderes bedeutet die Bezeichnung der Seinen, diese aber endet außerhalb der Familie und der Freunde. Erweitert wird dies um das Erlebnis der Verallgemeinerung von Lust und Liebe bei der göttlichen Vereinigung. Alles andere ist metaphorisch und entstammt dem Abstrakten mit seinem Tor zur begrifflichen Beliebigkeit. Vereinbaren können die Menschen indes weit mehr, wie sie sich auch zu weit mehr bereit erklären können und per Gesetz können sie auch diesbezügliche Pflichten begründen. Jedoch gibt es kein Gesetz, wenn es nicht selbst zu Unrecht werden will, das jemanden wirksam dazu verpflichten könnte, die Grundlage seines eigenen Lebens in Frage zu stellen, und ebenso wenig, andere zu den Seinen zu machen – denn dies verlangt Liebe und Freundschaft, die sich jeder Pflicht, auch wenn sie gesetzlich begründet wäre, entziehen. gp
Das Gebot der Nächstenliebe, den Nächsten so wie sich selbst zu lieben, steht im Mittelpunkt des Christentums und wurde nach dem Markusevangelium von Jesus selbst als das nach dem der Gottesliebe wichtigste Gebot bezeichnet. In der christlich-jüdischen Tradition geht es zurück auf eine entsprechende alttestamentarische Forderung Jahwes in der Tora, die sich aber unmissverständlich nur auf die Angehörigen des eigenen Volkes bezieht. Die Ausweitung sogar auf Feinde gilt als eigentliche Leistung des Christentums. Aber auch in anderen Religionen und Kulturkreisen finden sich entsprechende Forderungen. Tatsächlich liegt der Vorstellung der Nächstenliebe eine Grundvoraussetzung für jedes Zusammenleben zugrunde, wonach ein jeder bei seinen Entscheidungen auch die Belange der Anderen so mit berücksichtigen sollte, als seien sie die Seinen. Hieraus resultiert die Verantwortung des Einzelnen, ohne die Freiheit nicht möglich wäre, und ebenso das Gefühl für Gerechtigkeit im Sinne eines advocatus publicus. Denn ein Zusammenleben gibt es nur, wenn schon in den eigenen Verhaltensweisen das erwartete Verhalten anderer seinen Niederschlag findet. Nachdem der Mensch seinen Willen frei zu fassen in der Lage ist, bedarf er einer entsprechenden inneren Stimulans, bei seinen Entscheidungen auch die das Verhalten Anderer bestimmenden Bedürfnisse selber zu berücksichtigen. Denn ein jeder Mensch strebt bei seinen Entscheidungen nach seinem Glück, worüber ein jeder auch von jedem weiß, so dass das Glück anderer auch einen selbst betrifft. Es spricht sehr viel dafür, dass die genannte Stimulans bereits in der Hardware, zumindest in der Firmware der menschlichen Konstitution begründet ist und die Grundlage für soziale Strukturen bildet. Im Heiligtum sehen wir dies als eine Folge der verbindenden Kraft der Göttin an, mittels derer zum Leben gerichteten Energie die Welt belebt wurde. Bereits bei den unbewussten biologischen Abläufen wirken die beteiligten einzelnen Glieder, wie zum Beispiel sich differenzierende Zellen, zusammen, was nur dadurch möglich ist, dass das Eine dabei auch das Andere berücksichtigt. Das soziale Stimulans erweist sich daher als Teil des Werdens, als was ein einzelnes Leben zu begreifen ist. Dies stellt sich wiederum als eine Eigenschaft des allgemeinen Lebens dar, als dessen Teil der Mensch sich infolge des Bewusstseins seiner Selbst erkennt. In seiner Zugehörigkeit zu dem allgemeinen Leben als Teil der göttlichen Kraft sieht das Heiligtum die sozialen Verpflichtungen des Menschen begründet.
Mit Ausweitung des Kreises der Nächsten verflüchtigt sich das Gebot
Auch die Liebe ist von keiner anderen Qualität, wenn auch anderer Intensität, denn sie beruht darauf, dass der Einzelne sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse unmittelbar mit denen bestimmter Anderer identifiziert, die darüber zu den Seinen werden. Das ist die Liebe, die nach dem Gebot zur Nächstenliebe Beispiel für das Verhalten den Belangen anderer gegenüber gibt, die Liebe zu sich und den Seinen gilt als Maßstab bei den eigenen Entscheidungen (bei der Bildung des Willens) für die Einbeziehung der Belange des Nächsten. Gemeint ist damit zuerst einmal der Nächste, das heißt derjenige, dem man gegenständlich gegenübersteht, der Begriff des Nächsten weitet sich dann jedoch auf alle aus, mit denen man zusammenwirkt, um Gemeinsames zu bewirken, schließlich auch auf diejenigen, mit denen man in solcher Weise verbunden ist, dass Gemeinsamkeiten dieser Art begründet werden können. Liebe, Verantwortung, Gerechtigkeit bleiben aber immer auf jeden Einzelnen bezogene Gefühle und haben nur als solche Realität. Diese verlieren sie in der abstrakten Verallgemeinerung und erleiden dabei das Schicksal aller Verallgemeinerung, indem sie ihrer nur im Einzelnen gültigen Bedeutung verlustig gehen. Als Abstraktes haben sie allein die Bedeutung, die man ihnen zuvor beilegt, diese kann beliebig sein, vor allem auch einseitigen Zwecken einzelner Anderer dienen. Daher verliert sich die Pflicht zur Nächstenliebe mit der Verallgemeinerung des Kreises, der als Nächster noch in Betracht kommt.
Allein das allgemeine Leben verbindet die einzelnen Leben
Eine weitere Einschränkung erfährt das Gebot durch die Rückbeziehung auf die sich selbst gegenüber mögliche Liebe. Dies kann einerseits nur im übertragenden Sinn gemeint sein, denn Liebe ist an sich nur in Richtung von sich auf etwas Anderes möglich. Andererseits weist dies aber zugleich auf den ebenfalls nur metaphorischen Charakter des Bildes der Liebe zu sich selbst, denn gemeint ist nicht die Liebe, sondern der natürliche Bezug des eigenen Strebens nach Glück zu eigenen Zwecken. Das Gebot zur Nächstenliebe beinhaltet daher genau besehen die Forderung, im Rahmen des eigenen Strebens nach Glück auch Ziele der Nächsten mit aufzunehmen, was bedeutet, dass der strebende Einzelne das Streben anderer nach ihrem Glück auch zum Inhalt seines Glückstrebens machen soll, denn das Streben nach Glück selbst ist zwar unveränderbar vorgegeben, indessen nicht das Ziel als Inhalt des Strebens. Das ist der Kernpunkt jeder Sozialisierung und dieser führt unmittelbar zu dem eigentlichen Grund der vorgegebenen sozialen Stimulans: es ist das allgemeine Leben, mit dem die Göttin die gesamte Welt belebt und dessen Teil auch das Leben eines jeden Einzelnen ist und das das Einzige ist, was der Einzelne selbst erleben und erfahren kann und das gleichwohl über ihn hinausweist, dessen Teil er zwar ist, ohne mit ihm identisch zu sein. In der Verallgemeinerung der Lust und Liebe finden alle Menschen zum einheitlichen Kern des Lebens, der nichts anderes als der Atem oder auch die Seele der Götter ist. Damit steht aber zugleich fest, dass jede Forderung nach Nächstenliebe sich am eigenen Streben nach Glück nur messen kann und auch muss, oder metaphorisch formuliert, du musst den anderen nicht mehr lieben als dich selbst, du musst dich nicht anderen aufopfern, erst wenn dein Leben, dein Streben nach Glück, Raum für das Streben anderer gibt, bist du nach dem Gebot verpflichtet. Das ist auch der Kern der Lehre des Heiligtums, jeder Einzelne lebt sein Leben und bringt dieses als solches in die Welt ein, jeder ist der Nabel der Welt, denn in ihm ist das Göttliche selbst zu Hause, jeder ist für sich und sein Glück selbst verantwortlich und der Göttin gegenüber allein verpflichtet, mit anderen sein Glück zu teilen. Nicht verlangen die Götter, selbst zu leiden, um das Streben anderer nach Glück zu befördern. Vor allem aber gibt das Gebot zur Nächstenliebe keinem anderen ein Recht, die Liebe auch fordern zu können. Das Bild der Liebe zeigt deutlich, lieben kann man nur freiwillig, eine Pflicht zur Liebe ist ihr Ende. Pflichten im gesellschaftlichen Bereich, die dem Einen einen Anspruch gegen den Anderen geben, wie dieser sich zu verhalten habe, begründet nur das Recht. Dieses aber ist eine in einem festen Verfahren gebildete Übereinkunft aller Beteiligter, das eigenen Regeln und Voraussetzungen unterliegt und von deren Einhaltung seine Verbindlichkeit abhängt. Das Gebot zur Nächstenliebe berechtigt daher niemanden anders als die Göttin.
Die Impotenz, die Liebe zu vergewaltigen
Hierin besteht auch der wesentliche Unterschied zu den profanisierten Heilslehren, wie sie unter dem Namen des Sozialismus verbreitet werden. Denn diese beruhen einmal auf der Anmaßung oder auch Wahnidee, die Allmacht der Götter ersetzen zu können, zum anderen darauf, dass sie die Liebe zur Pflicht erhoben. Beides sind gleichermaßen Absurditäten einer sich nur in Gewalt äußernden Impotenz. Könnte man sie nicht stoppen und würden sie sich zur allgemeinen Lehre durchsetzen, stünden die Menschen am Abgrund. Denn zugleich, wie sie selbst die Götter und ihre Kraft ersetzen, bringen sie alles Bewirken der Menschen zum Erlahmen. Ohne Bewirken stirbt aber jede Gesellschaft. Dies zu erkennen, bedarf es nichts anderes als einer nüchternen Analyse bestehender Verhältnisse. Der zunehmenden Freiheit leistungsfreien Einkommens, steht eine zunehmende Verpflichtung der dieses Einkommen erwirtschaftenden Menschen gegenüber, wie könnte es auch anders sein. Und aus diesem Konflikt heraus wird die genannte Heilslehre auch ihr Ende finden. Ihre heute noch gefeierten selbsternannten Glanzpunkte sozialer Gerechtigkeit werden einst als Beispiele ochlokratischen gesellschaftlichen Missbrauchs gegeißelt werden, bei denen auf dem Rücken des Werdens ein die Menschen zur Untätigkeit verführendes Sein vergaukelt wird. Jedes Gauklerstück aber findet stets sein entlarvendes Ende. Denn niemand hat ein Recht, das ein anderer ihn liebt und auch nicht, dass er für ihn sorgt, selbst dann nicht, wenn man es mit Solidarität verbrämt. Es gibt keine Moral und keine Ethik, die jemanden zur Forderung berechtigt, dass ein Anderer ihn aus seiner Verantwortung für sich selbst entlassen möge. Denn jeder Mensch ist für sich allein und abschließend verantwortlich, den Mangel zu beheben und den Irrtum zu vermeiden. Allein die Götter können von den Menschen Solidarität fordern. Diese erfüllen sie gemeinsam, wenn sie sich vereinen, um sie zu verehren. Diese Gemeinsamkeit schafft den Zusammenhalt, der auch in das zivile Leben hineinwirkt. Das aber ist die Liebe und zwar die Liebe der Göttin, die in allen brennt. Ihr entstammt die Sorge für die Kinder, die Seinen und auch den Nächsten dann, wenn dieser ihrer bedarf, weil er sich selbst nicht helfen kann. Die Natur hat den Menschen so konditioniert, dass er für die Seinen sorgt. Damit sorgt er für sich selbst, denn nichts anderes bedeutet die Bezeichnung der Seinen, diese aber endet außerhalb der Familie und der Freunde. Erweitert wird dies um das Erlebnis der Verallgemeinerung von Lust und Liebe bei der göttlichen Vereinigung. Alles andere ist metaphorisch und entstammt dem Abstrakten mit seinem Tor zur begrifflichen Beliebigkeit. Vereinbaren können die Menschen indes weit mehr, wie sie sich auch zu weit mehr bereit erklären können und per Gesetz können sie auch diesbezügliche Pflichten begründen. Jedoch gibt es kein Gesetz, wenn es nicht selbst zu Unrecht werden will, das jemanden wirksam dazu verpflichten könnte, die Grundlage seines eigenen Lebens in Frage zu stellen, und ebenso wenig, andere zu den Seinen zu machen – denn dies verlangt Liebe und Freundschaft, die sich jeder Pflicht, auch wenn sie gesetzlich begründet wäre, entziehen. gp
Abonnieren
Posts (Atom)



