Donnerstag, 25. November 2010
Des Hedonismus schändliche Wandlung
Gezielter Verruf des Hedonismus
Hedonismus geht auf das Altgriechische ἡδονή hēdonē zurück, was Lust bedeutet, und eine weltanschauliche Einstellung meint, nach der die Lust und das Streben nach dem sie vermittelnden Glück das höchste Gut sei. Allgemeinsprachlich wird mit Hedonismus ein als übersteigert beurteiltes Streben nach Glück bezeichnet. Kulturgeschichtlich diente die Begriffsbildung dazu, das Glücksstreben im Gegensatz zu von anderen vorgegebenen fremd- oder drittnützigen Zwecken, wie etwa unter der Vorstellung eines Gemeinwohls, als übertrieben selbst- und eigennützig abzuwerten. Dabei ging es weniger um das eigentliche Streben nach einem inneren Glückserlebnis, sondern um die Mittel, die der nach seinem Glück strebende Einzelne für sich beansprucht, bzw. nicht bereit ist, sie aus seinem eigenen Vermögen anderen zur Verfügung zu stellen, also um eine Auseinandersetzung bei der Verteilung von Gütern und Werten. Gerade im Hinblick auf die modernen sozialistischen Umverteilungsvorstellungen findet der Begriff des Hedonismus auch heute noch häufig Anwendung bei der Begründung von Umverteilungsforderungen, um Gegenhaltungen der Belasteten abzuwehren. In diesem Sinne meint Hedonismus das Streben nach materiellen Gütern oder zumindest in Verbindung mit Verhaltensweisen, die Auswirkungen auf Entstehen und Verteilung materieller Güter haben bzw. haben können. Dahinter steht die Kollektivierung des Einzelnen im Hinblick auf sein die Gesellschaft begründendes Verhalten, zur bestimmten Zeit am bestimmten Ort das Bestimmte im Sinne des von ihm Verlangten zu tun. Das auf eigene Lusterfüllung von Natur dem Menschen vorgegebene Streben nach Glück soll durch Auswechslung der Glücksziele kollektiviert und damit anderen als den eigenen Lebenszwecken unterstellt werden. Die Diffamierung des eigennützigen Glücksstrebens als Hedonismus will dabei die moralische Schuld erzeugen, etwas in Augen einer übergeordneten Instanz Unethisches zu tun und die Verantwortung des Einzelnen für die Ausübung seiner Freiheit einem kollektiven Unwerturteil zu unterstellen, was tatsächlich stets nur das Urteil anderer ist, die damit ihr eigenes Glückstreben befördern. So verwandt entstammt der Begriff des Hedonismus dem Instrumentarium zur Beherrschung des Einzelnen, indem es dem Menschen sein natürliches Streben nach Glück zu entfremden versucht.
Hedonismus als Richtung der Kraft der Göttin
In seinem Ausgangspunkt knüpft der Begriff des Hedonismus an die natürliche Entscheidungsstruktur des Individuums im Sinne seines inneren Belohnungs- und Bestrafungssystems an, nach seinem Glück zu streben. Von der Anlage her sind die Inhalte dieses Strebens nicht festgelegt, was daher als Einfallstor für beliebige Interessen anderer dient, die versuchen, sich über die Verunglimpfung der eigenen Autonomie des betroffenen Einzelnen Zutritt zu verschaffen. Im Heiligtum indessen wird durch die Rückführung des Glücks und damit auch des Strebens nach ihm wie auch der Lust und Liebe auf eine Kraft die Göttin und deren die Welt belebende Durchdringung sichergestellt, dass der eigentliche Maßstab für die Ausrichtung (und auch des Glücksstrebens) das allgemeine Leben ist und bleibt. Es ist jeweils die Vorstellung von der Schönheit der Göttin, dem Glück der Göttin, der Lust der Göttin und der Liebe die Göttin, die den Einzelnen bei seinem Leben bestimmen. Das Allgemeine, das hier über die Bedürfnisse des Einzelnen hinausweist, ist das des allgemeinen Lebens, wie die Göttin ihrer Energie die Richtung gibt. Nur hierauf gründen sich die Verpflichtungen des Einzelnen den Anderen gegenüber, wie er sie in seiner seine Freiheit ausfüllenden Verantwortung, der in ihn siedelnden Vorstellung einer Gerechtigkeit als advocatus publicus und vor allem der Wahrheit, als die Richtung der Göttin, ihres Willens und ihrer Kraft, erlebt. Das, was der Hedonnismus bezeichnen möchte, ist somit nichts anderes als die Wahrnehmung des Göttlichen allen Lebens. Damit offenbaren sich auch die wirklichen Absichten einer abwertenden Verwendung dieses Begriffes als der Versuch, die Entscheidungen des Einzelnen und damit seine Autonomie durch Entscheidungen anderer zu ersetzen und dabei die Lebenskraft des Einzelnen anderen und fremden Zwecken zu unterstellen.
Die Schande des Sozialhedonismus
So gezielt die negative Besetzung des Begriffs des Hedonismus in Bezug auf den Einzelnen zu einem politischen Kampfargument zu seiner kollektiven Inpflichtnahme instrumentalisiert wird, feiert dieser Begriff als Abstraktum unter dem Namen der sozialen Gerechtigkeit und des Sozialstaats mit positiver Besetzung fröhliche Urständ und dies in seiner auf individueller Ebene abschätzigsten Form der reinen Beschränkung auf die Befriedigung materieller Bedürfnisse. Dies offenbart sich jedem sogleich, der nur das Gedankenexperiment unternimmt, die angeblich sozial Begünstigten selber als ein eigenes Wesen zu begreifen, wobei einem der hässliche Leib des Sozialhedonismus in der übelsten Form sogleich entgegenspringt. Die einer sozialen Gerechtigkeit entnommenen Anforderungen eines Sozialstaats befassen sich ausnahmslos mit der Steigerung des materiellen Wohlbefindens des betroffenen Sozialleibs zur diesbezüglichen Bedürfnisbefriedigung. Es gibt keine moderne Gesellschaftslehre, die ähnlich unbesorgt und hemmungslos die gegenwärtigen Bedürfnisse auf Kosten der Substanz und der Belastung der Einkünfte zukünftiger Generationen zu befriedigen versucht. Der ursprüngliche Ausgang solcher Forderungen, Menschen, ganz gleich aus welchen Gründen sie zur Befriedigung ihrer elementarsten Bedürfnisse auch immer unvermögend sind, durch Hilfe hierzu Vermögender in die Lage zu versetzen, dass ihre biologische Not behoben und sie dazu zurück finden, wieder für sich selbst zu sorgen, ist bereits meilenweit verlassen und diese natürliche Hilfegewährung längst zu einem Instrument sozialhedonistischer Umverteilung entartet, immer mehr für immer weniger Mitwirkung zu erhalten. Die Folgen belegen die schlimmsten Befürchtungen der Antihedonisten, nur mit dem Unterschied, dass sie aufgrund gesellschaftlicher, also mithin virtueller Maßnahmen verursacht werden und damit die Entartungen aller abstrakter Irrungen des Allgemeinen aufweisen. Der Sozialhedonismus findet seinen Grund allein in der Klientelpolitik der Sozialfunktionäre, die hierüber ihren politischen oder auch nur gesellschaftlichen Status begründen und zum eigenen Wohle (im Sinne ihres Strebens nach - individuellem und singulärem - Glück) aufrecht erhalten. Dies erklärt auch der monotone Vorwurf eben dieser Klientelpolitik, der gegen alle Maßnahmen erhoben wird, die nicht dem sozialhedonistisch zu verwöhnenden und eigener Sorge zu entwöhnenden Sozialleib ausschließlich dienen, wie auch jede politische Maßnahme nur noch unter dem Gesichtspunkt zu rechtfertigen ist, dem allgemeinen Sozialhedonismus zu dienen. Auch die Heftigkeit, mit der sich einer jeden Kritik an dieser Selbstbedienungspolitik zugunsten des Sozialleibs bis hin zu Strafanforderungen widersetzt wird, spricht die deutliche Sprache früherer Despoten. Der pure Sozialhedonismus hat schon von vielen Staaten totalen Besitz ergriffen, auch kulturell, justiziell (die Rechtsprechung war stets ihrem Herrn hörig) und vor allem religiös und weltanschaulich, und seine Auswirkungen auf die Freiheit des Einzelnen als Individuum und dessen Leben außerhalb des Sozialleibs werden gewaltig und vernichtend sein.
Nur des Einzelnen Glück kann göttlich und damit allgemein sein
Im Sozialhedonismus findet sich die typische Entartung dessen, was im Einzelnen Sinn für dessen Leben macht (den ihm das Glück bedeutet), sobald es abstrahiert und virtuell verallgemeinert wird. Ebenso wenig wie man das Brot, das jeder Einzelne nur essen kann, und das Wasser oder sei es auch der Wein, den jeder Einzelne nur trinken kann, verallgemeinern kann (es würden alle am allgemeinen Brot verhungern und am abstrakten Wein verdursten), kann nicht das Glück verallgemeinert werden, ohne dass das Gegenteil dessen, was im Einzelnen zugrunde liegt, zu bewirken. Das Glück, das die Lust anzeigt, hat nur Sinn, nach ihm zu streben und treibt den Bewusstseinspegel eines jeden Einzelnen in die Richtung seines Pols. Streben kann einmal nur ein Einzelner für sich oder aber indem er sich mit anderen abspricht, etwas Gemeinsames virtuell zu bewirken. Zum anderen bedeutet Streben, sich in Richtung des allgemeinen Lebens, wie es die Göttin wies, zu bewegen und nicht auf Beute, die einem im Namen der sozialen Gerechtigkeit zugespielt wird, zu harren. Deswegen muss Sozialhedonismus stets in das Gegenteil jedes individuellen Hedonismus im Sinne eines Strebens nach dem Glück und dem Erlebnis von Lust und Liebe umschlagen. Mit einer symbolischen Rückkehr der Göttinnen soll das Allgemeine und Abstrakte wieder seinen Platz im bloß Begrifflichen einnehmen und das Auge eines jeden Einzelnen sich wieder auf die wirklichen Grundlagen und Bedingungen seines Lebens richten, so wie sie von ihnen einst geschaffen wurden, als sie die Erde befruchteten und belebten. Auf das Höchste, was ein Mensch je finden kann, trifft er nur in sich in seinem Innersten, das ist der Spiegel seines Bewusstseins, in dem er alles Göttliches seines Lebens erfährt. Dieses Erlebnis verallgemeinert er im Heiligtum bei einer Verallgemeinerung von Lust und Liebe, denn dies ist nichts anderes als der Atem des Lebens und damit eines Göttlichen. Sein Blick hierauf gerichtet eröffnet ihm allein das Glück, das die Göttin in ihrer Schönheit ihm offenbart. Er kann dies nur in göttlicher Vereinigung verallgemeinern, ihm niemals aber in der virtuellen Welt Realität geben. Alle Versuche, dies zu tun, enden im Gegenteil. Nur das Glücksstreben des Einzelnen kann man fördern, dies aber geschieht im Heiligtum mit seinen Gebeten und Gottesdiensten. gp
Dienstag, 23. November 2010
Des Menschen göttliche Vereinigung
Vom Wesen der Vereinigung
Die Vorstellung einer Vereinigung ist für das Heiligtum der Sieben Göttinnen von zentraler Bedeutung und steht im Mittelpunkt seines Gottesdienstes. Begrifflich versteht man darunter den Eintritt des Einen in das Andere, wodurch das Eintretende mit dem Anderen ein einheitliches Gemeinsames oder auch Ganzes bildet, dessen Teil nunmehr jeder ist. Als Gegenteil der Vereinigung kann einmal die Teilung betrachtet werden, wodurch aus einem Ganzen wieder mehre Einzelne entstehen, das Ganze mithin in seine Teile zerfällt. Als Gegenteil der Vereinigung im Sinne eines Hinzutritts zu einem Ganzen kann aber auch die Abgabe verstanden werden, bei der von einem Ganzen, ohne das es in Glieder zerfällt (es somit sein Wesen behält) etwas ab- oder auch weitergegeben wird, aus dem ein Neues (mit einem eigenen entsprechenden Wesen) entsteht. Begrifflich und im Allgemeinen lassen sich die Grundformen von Vereinigung und Teilung beliebig durchführen, nicht jedoch die Abgabe, da damit auch jeweils eine qualitative Aussage verbunden ist. In der Realität stößt auch die wirkliche Vereinigung auf Schwierigkeiten und erfolgt daher grundsätzlich nur im virtuellen Bereich der Gesellschaft, wo der Bestand eines Ganzen jeweils nur infolge der getroffenen Absprachen oder bestehenden Übungen fingiert wird und somit, je nach Willen der Beteiligten jederzeit in seine Einzelteile zerfallen kann. Genau genommen träfe dies auch für die biologischen Verhältnisse zu, da auch dort die einzelnen Teile, wie die sich teilenden und differenzierenden Zellen, nur durch ein ihrer vorliegenden Information folgendem Verhalten ein Werden bewirken, das somit ausschließlich von der Dauer und Art dieses Bewirkens abhängt. Wir wenden aber den Begriff des Virtuellen nur auf solche Verhältnisse an, deren Zustandekommen und Bestand vom Willen der daran Beteiligten abhängen, mithin ein Bewusstsein voraussetzen, während den biologischen Verhältnissen ein solcher Wille der Beteiligten nicht zu Eigen ist. Hier findet sich ein Willen allein im allgemeinen Leben als dessen Kraft, die als die Kraft der Göttin umschrieben wirdt. Hinzutritt, dass sowohl das Bewusstsein als auch der ihm angehörende Wille der Menschen das Ergebnis des biologischen Bewirkens ist und der Mensch dies nur durch die Fiktion eines ihn begründenden Seins verstehen kann – das wirkliche Sein seines Lebens ist indessen das Sein eines Göttlichen, dessen Ausdruck die genannte Kraft einer Göttin ist. Das Leben ist für den Mensch daher wie ein Sein und deswegen entnimmt er ihm die einzige reale Vereinigung, die ihm möglich ist. Diese erfolgt auf allen Ebenen des biologischen Werdens bis zum Menschen selbst, dem sein Bewusstsein die höchste mögliche biologische Identität verschafft. Er, der Mensch, ist das Produkt fortwährender realer Vereinigung, die sich somit als das tragende Prinzip des Lebens erweist. Hieraus folgt ebenso, dass die reale Vereinigung als Vorgang, der ein Neues schafft, das mehr als seine Teile ist und dessen Bestand auch nicht vom Willen der daran Beteiligten abhängt, nur Ausfluss der Kraft allen Lebens sein kann, mit der einst eine Göttin in der Vorstellung der Menschen die Welt belebte. Der Drang sich zu vereinen, ist nichts anderes als die Liebe als dasjenige, das Fremdes zusammenfügt. Es ist wie eine Liebe einer Göttin, die alles Lebende auf diese Weise verbindet, der Mensch erlebt dies wegen seines Bewusstseins als eigene oder andere die Menschen verbindende Liebe.
Die geschlechtliche Vereinigung
Der Mensch wiederum erfährt die Vereinigung selbst unmittelbar, wenn er seine ihm biologische obliegende Audgabe erfüllt, nicht nur sein Leben sondern auch das allgemeine Leben seiner Art zu erhalten. Denn hier nur geschieht das Wunder der Abgabe, etwas vollkommen Neues zu schaffen, das zuvor nicht da war, indem der Mensch durch die Vereinigung von Mann und Frau Neues belebt und sie dabei von ihrem Leben abgeben, ohne dies selbst zu schmälern. Der Mensch steht nun in der Kette der allgemeinen Belebung, die ihm die göttliche Lebenskraft vermittelt. Dies geschieht in der einzigen dem Menschen möglichen vollkommenen biologischen Vereinigung von Mann und Frau im Geschlechtsakt, bei dem er im Orgasmus die Kraft als göttliche Eigenschaft erlebt. Dieses Grunderlebnis der Vereinigung bestimmt nunmehr weite Bereiche seines Lebens und eröffnet ihm den Weg, hierüber zum Göttlichen zurückzufinden. Denn alles bewusstes Leben ist nichts anderes als ein Streben nach Vereinigung mit dem, was zum Schauen in ihn durch das allgemeine Leben, bildhaft auch als Kraft der Göttin zu umschreiben, gelegt wurde. Das ist das Streben nach dem Glück, als ein Blick auf das - göttliches - Sein, seine Lust und Liebe, die er erfährt, wenn ihn die Kraft der Göttin ausrichtet und treibt, der Rausch des Orgasmus, der ihn allen Mangels und Irrtums der Welt für wenige Augenblick enthebt. Der Mensch sucht in seinem Leben ständig nach Vereinigung, den Drang danach verspürt er als Liebe und wo er sie glaubt zu finden, fühlt er sich auf dem Weg der Göttin zu seinem Glück. Dies gilt auch für den weiten Bereich der virtuellen Vereinigung in der Gesellschaft, selbst in der großen Menge. Denn wenn das Gefühl der Vereinigung in jedem Einzelnen entsteht, erleben die Menschen einen Abglanz von dem, was die Kraft der Göttin ist, die die Welt belebt.
Die Entblößung vor der Vereinigung
Vereinigung hat stets unmittelbar körperliche Bedeutung, weil hierfür die leibliche Anwesenheit unverzichtbar ist. Das gilt nicht nur für den Geschlechtsakt, sondern auch für jedes Zusammentreffen, bei denen ein Jeder sich auch körperlich einbringt, selbst bei Großveranstaltungen wie im Sport oder in der Kultur. Mit jedem körperlichen Einbringen, mit dem zugleich der Leib einem über sich selbst hinausweisenden Zweck unterstellt wird, liegt auch eine Deprivatisierung, bei der jeder Beteiligte sich allein wegen der Vereinigung entblößt, wie es tatsächlich beim Geschlechtsakt geschieht, nicht anders virtuell, also im Gesellschaftlichen, hinsichtlich der eigenen Persönlichkeit. Gerechtfertigt wird die Entblößung allein durch die nachfolgende Vereinigung, bleibt diese indessen aus, verbreiten sich Enttäuschung, Schalheit und manchmal auch Scham. Dies erklärt die weitverbreitete Schalheit nach dem Akt mangels lösender Vereinigung. Keinen anderen Grund hat die Schalheit, die typischerweise etwa sexuelle Darstellungen der Pornografie hinterlassen. Das erotische Interesse wird zuerst in der Annahme einer anstehenden Vereinigung geweckt, von der aber naturgemäß der Betrachter ausgeschlossen ist. Daher überkommt ihn die Schalheit spätestens, wenn die Agierenden in ihrer realen Vereinigung entschwinden. Das ist auch der Grund, warum dramaturgisch sexuelle Handlungen die Spannung steigern, diese aber mit dem eigentlichen vollzogenen Geschlechtsakt in sich zusammenbricht, nicht anders warum grundsätzlich das Spiel in der Öffentlichkeit mit der bloßen sexuellen Attraktion weitaus mehr bewirkt, als würde man die eigentliche Kopulation dort darstellen. Allein das Erlebnis der Vereinigung, in der die Beteiligten sich gegenseitig einbringen und worin sie aufgehen, rechtfertigt die gezeigte Blöße, auch die körperliche wie Depravitisierung überhaupt.
Der Wiedereintritt in die göttliche Energie
Die Vereinigung indessen, die der Mensch erlebt, wenn er etwa beim Geschlechtsakt unmittelbar auf die Kraft der Göttin trifft, zeigt ihm auch den Weg zur göttlichen Energie. Diesen Weg beschreiten wir im Heiligtum, wenn im Sakralakt gemeinsam die Göttin suchen, nur mit dem Ziel, sich mit ihr zu vereinen. Die Vereinigung ist nichts anderes, als in der gefundenen Gemeinsamkeit wieder Teil der göttlichen Kraft zu werden, der alles Leben entstammt. Sie einigt das bewusst gewordene Leben jedes Einzelnen mit dem allgemeinen Leben, das die Welt belebt und sich in allem Lebenden spiegelt. Das Streben nach Vereinigung beherrscht das ganze Leben und reicht weit über die Sexualität hinaus, wenn dies auch dem Menschen gemeinhin als Muster dient. Hierin liegt jede Form der belebten Natur begründet, den Einzelnen in seinem Innersten zu berühren und ihn für die Schönheit empfänglich macht, mit der bildlich gesprochen Göttin alle Leiber lockt. Es ist das Göttliche, was die Menschen bindet, weswegen Treue und Verlässlichkeit als Eigenschaften der Götter gelten. Hierin liegt die Kraft des Lebens begründet. Sie im Gottesdienst an den Orten und zu den Zeiten der Göttin in vollkommener Reinheit und frei von allen irdischen Bezügen zu erleben, stärkt den Einzelnen ebenso für sein ziviles Leben und bedeutet ihm den Sinn des Lebens, den das Glück ihm bewusst macht und alle Beteiligten bilden zusammen eine heilige Familie, die allein in der Liebe zur Göttin getragen wird. Alles beruht somit auf der Vereinigung, das Zusammenwirken der das Leben biologisch bewirkenden Teile ebenso wie das bewusste Streben des Menschen nach dem Glück. In der Einigkeit mit einem Göttlichen aber erfüllt sich das Leben eines jeden Einzelnen. Darum betet man im Heiligtum mit Leib und Seele, denn anders verfehlt man die Götter. Denn sie sind ein real Allgemeines und nicht eine bloße Idee. Dieses Allgemeine findet sich aber nur in Bezug auf die göttliche Kraft, im Übrigen gibt es Allgemeines nur im Begrifflichen und Virtuellen. gp
Donnerstag, 18. November 2010
Das Geschenk der Vaterschaft
Grundlage der Familie
Unter Vaterschaft verstehen wir das Wissen von der Beteiligung eines bestimmten Mannes an der Erzeugung eines bestimmten Kindes, biologisch durch Zeugung auch genetisch bestimmt. Aus diesem Zusammenhang wird ähnlich wie zwischen Mutter und Kind ein personales Verhältnis zwischen Vater und seinem Kind abgeleitet. Das personale Verhältnis ist regelmäßig emotional durch Zuneigung und Liebe bestimmt, woraus sich auch die Verantwortung des Vaters für die Versorgung, Sicherheit und Erziehung herleitet, eine Verantwortung die sich in fortgeschrittenen Gesellschaften auch zu Rechtspflichten verdichtetet hat. Durch den Hinzutritt der Vaterschaft zur Mutterschaft und der gleichzeitigen besonderen Personalisierung auch des Verhältnisses von Vater und Mutter zueinander wurde die Familie im modernen Sinne begründet, die sich aus einer dauerhaften auch geschlechtlich ausschließlichen Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann und ihren ebenfalls ausschließlich gemeinsam gezeugten Kindern definiert. Abweichungen entstanden schon sehr früh durch Einbeziehung in den familiären Kontext von mehreren Frauen sowie auch die Aufnahme von nicht gemeinsam gezeugten Kindern und deren Behandlung wie eigene. In dieser Form nahm die Familie als eine Grundeinheit für sich auf höherer Sozialisierungsebene bildende Gesellschaften teil.
Vaterschaft ohne Kenntnis und Beteiligung am Werden
Die Vaterschaft, obgleich kausal bestimmt, stellt aber anders als die Mutterschaft keine die Beziehung zu den Kindern biologisch definierende Tatsache dar. Während die Schwangerschaft und die Geburt eine unauflösliche biologische Verbundenheit von Mutter und Kind belegen, wie auch zumindest die ganz frühen Jahren des Heranwachsens, etwa bestätigt durch die Ernährung mittels eigener Brust, fehlen solche biologisch wahrnehmbaren Zusammenhänge zwischen dem Vater und seinem Kinde. Seine biologisch kausale Beteiligung ist mehr oder minder auf eine bloße Verursachung durch einen kausalen Akt, dessen höchste Emotionalität wie im Orgasmus indessen keinen Zusammenhang mit dem Kind allein begründet. Am Werden des Kindes bis zu dessen Geburt ist der Vater nicht beteiligt, normalerweise biologisch auch nicht an der ersten Zeit danach, wo das Kleinkind noch nicht allein überlebensfähig ist. Während das Wissen um die Mutterschaft und deren Bedeutung gleichsam seit der Bewusstwerdung des Menschen – wobei er sich auch seines Selbstbewusstseins gewiss wurde - bekannt war (und was wahrscheinlich weit in die tierische Vergangenheit des Menschen zurückreicht), dürfte die Kenntnis von der biologischen Vaterschaft erst neuerer Natur, vermutlich nicht viel älter als 10000 Jahre, und in den kulturellen Auswirkungen wahrscheinlich noch weniger l lang bekannt sein. Das heißt, dass die Männer über Jahrzehnttausende zusammen mit den Frauen und Kindern in Horden und Gruppen gelebt haben, ohne Kenntnis davon gehabt zu haben, dass ihre –wie die biologische Determinierung nahelegt- starke geschlechtliche Attraktion und deren Erlebnis im Zusammenhang mit der Vermehrung steht. Diese wurde vielmehr der als göttlich verehrten natürlichen Lebenskraft, woran die Frauen mit ihrem Schoß teilhatten, zugerechnet, weswegen während dieser ganzen Zeit die frühen Ansätze gesellschaftlicher Strukturen matriarchal, bzw. matrilinear waren. Dies galt auch noch für die ersten Jahrtausende nach der infolge der Durchsetzung der Landwirtschaft beginnenden Sesshaftwerdung (seit 12.000 bis 6.000 Jahren) und der sich seither bildenden Gesellschaften auch in größeren Siedlungen. Die weiblichen Göttinnen, die wir am Beginn der Schwelle der Verschriftlichung vorfinden, reichen alle in diese Zeit zurück, wo sie unangefochten eine matriarchale frühe Kultur bestimmten.
Atavistische Gemütsstruktur
In dieser Zeit bestimmte sich der Gruppenzusammenhalt nach der Identifikation mit dem Herkommen der Geburten durch bestimmte Frauen. Die Kinder wuchsen als Kinder dieser Gruppe auf, wie auch die Mütter sich um alle Kinder kümmerten, die Männer, zumeist in ihrer Eigenschaft als Brüder der Mütter, sorgten ebenfalls für die Gruppe, ohne personale Sonderbeziehungen zu einer bestimmten Frau oder bestimmten Kinder. Das Erlebnis der Sexualität stand der Wahrnehmung nach noch in keinem Zusammenhang mit Zeugung und Geburt. Die Geburten erfolgten vielmehr nach Überzeugung der Menschen infolge einer allgemeinen Seelenwanderung oder einer durch unmittelbares göttliches Wirken stattfindenden Befruchtung oder Einnistung in den weiblichen Schoß. Sexuelle Beziehungen waren auch nicht auf die Gruppe beschränkt, im Gegenteil zog die sexuelle Attraktion gerade typischerweise – was sich im Rahmen der genetischen Entwicklung als besonders vorteilhaft erwies- die Geschlechtspartner jeweils zu anderen Gruppen hin. Jeder blieb oder kehrte wie selbstverständlich grundsätzlich zu seiner Gruppe zurück, in der er lebte und wo er auch soziale Verantwortung trug. In diesen von den Anfängen an gerechnet viele Zehntausende von Jahren andauernden Lebensformen hat sich im wesentlichen auch unsere heute noch maßgebende individuelle emotionale Struktur entwickelt, die in weiten Bereichen nicht mit den heutigen kulturell durch Ethik, Moral, Sitte und Gesetz vorgegebenen Verhältnissen übereinstimmt. Sexualität und Vermehrung werden auch heute überwiegend nicht aufgrund ihrer evolutionären Verbundenheit wahrgenommen, was gerade in moderner Zeit wieder zu einer dramatischen Umwertung von sexuellen Beziehungen außerhalb diese Konnexes, wie bei gleichgeschlechtlichen Partner oder in der Einstufung der Ausschließlichkeit der geschlechtlichen Beziehungen wieder geführt hat. Auch trotz aller formalen Beteuerungen beruhen enge familiäre Beziehungen nicht auf der biologischen Vermehrung und Abstammung unmittelbar sondern auf gruppenspezifischen Zusammenhängen. So führt die Eingliederung von Kindern als Pflege- oder Adoptivkindern grundsätzlich nicht zu besonderen emotionalen Schwierigkeiten, wie auch eine Erweiterung der Familie um andere der Gruppe zuzurechnenden Personen immer ohne weiteres möglich gewesen ist. Die sich zum Teil zumindest hinsichtlich ihrer Bestandsdauer auflösenden Kleinfamilien werden durch neue Strukturen ersetzt, die zwar den Dogmen der Kleinfamilie widersprechen, aber allesamt mit dem atavistischen Gruppenkonzept, dem unser emotionales Kostüm entstammt, übereinstimmen.
Entdeckung der Vaterschaft
Die Vaterschaft, die heute noch als selbstverständlich biologisch bedingt in der patriarchalisierten Kleinfamilie vorausgesetzt wird, ist ein rein kulturelles Konstrukt und als solche erst entstanden, nachdem die Männer ihre biologisch notwendige Mitwirkung beim Gebärprozess erkannt hatten. Dies geschah mit großer Wahrscheinlichkeit erst infolge des durch die allgemeine Verbreitung der Schrift ausgelösten Erkenntnisschubs, also vor etwa 3000 oder auch 4000 Jahren. In einem einige Zeit andauernden Übergangsprozess wurde die Beteiligung des Mannes auf das bloße Öffnen des weiblichen Schoßes zum Eintritt wandernder Seelen oder auch göttlicher Kraft beschränkt, bis den Männern auch ihre körperliche Beteiligung an der Entstehung des auszutragenden und zu gebärenden Kinde klar wurde. Mit dieser Erkenntnis war zugleich eine entscheidende Verschiebung in der zwischen Mann und Frau bestehenden Gewichtung und davon abgeleiteten Bedeutung verbunden, denn damit verlor die Frau ihre aus ihrer besonderen Verbindung mit den Göttern, die noch Göttinnen waren, und ihrer Kraft abgeleitete mythische besondere Stellung. Ihre Gebärmacht ging verlustig und wurde vollständig von der männlichen Zeugungsmacht ersetzt und womit die Patriarchalisierung mit ihren baldigen Entartung zur Phallokratie eingeleitet wurde. Denn mangels Gebärmacht waren die Frauen der Zeugungsmacht der Männer vollends ausgeliefert, es kam noch nicht einmal auf die Mitwirkung der Frauen an, man konnte sie sich einfach nehmen. Diese Erkenntnis begründete den eigentlichen Sündenfall. Die Frauen wurden entrechtet, die Göttinnen verloren ihre Macht an männliche Götter und der Phallus als ein gegen den Himmel ragendes Symbol beherrschte seither die Menschen. Ethik, Moral, Sitte, Gesetz und göttliche Gebote beschäftigen sich seit dieser Zeit ganz überwiegend mit der Absicherung der männlichen Zeugungsmacht und dem Ausschluss des weiblichen Schoßes von anderen möglichen Vätern als Erzeuger ihrer Kinder. Denn die Gewissheit, Vater zu sein, konnte nur durch dieses drastische Ausschlussverfahren weitgehend gesichert werden.
Verlust von Zeugungs- und Gebärmacht
Heute aber beginnt der Mann in den modernen westlichen Gesellschaften seine Zeugungsmacht zu verlieren, die Frauen können trotz sexuellen Begehrens (und sich daraus ergebenden Abhängigkeiten) über den Zeitpunkt einer Befruchtung zuverlässig selbst bestimmen. Sie vermögen aber dennnoch nicht ihre vor 3000 Jahren ihnen abhanden gekommene Gebärmacht wieder zurückzugewinnen, mit Hilfe derer sie allein über den Zugang zu ihrem Schoß Beweis für die Vaterschaft führten. Denn nunmehr kann jede biologische Vaterschaft genetisch nachgewiesen werden. Die sich hierauf beziehenden modernen Kulturkämpfe äußern sich in den Auseinandersetzungen über die Abtreibung einerseits (als Freiheit der Frau, unabhängig vom biologischen Vater über die Fortführung ihrer Schwangerschaft zu bestimmen) und andererseits über die genetische Vaterschaftsbestimmung (als Freiheit des Mannes, einseitig seine biologische Vaterschaft unabhängig von den Angaben der gebärenden Frau genetisch feststellen zu lassen). Die Menschen stehen einerseits wieder dort, wo die Männer vor über dreitausend Jahren begonnen haben, die Frauen zu entrechten und zu entwürdigen, zum anderen in der Gegenwart, wo die Frauen dies alles abwerfen, nunmehr aber die Männer über eine Kenntnis von ihrer eigenen biologischen Vaterschaft verfügen können, ohne den Schoß der Frauen zu patriarchalisieren.
Vaterschaft im Reich der Göttin
Die seit der Zeit der Patriarchalisierung entwickelte Vorstellung von der Vaterschaft war ein kultureller Vorgang. Dem tatsächlichen biologischen Werden eines Kindes im Leib der Mutter und an ihrer Brust wurde ein Verhalten des Vaters auf kultureller Grundlage hinzugestellt, wonach gleichzeitig die gesellschaftliche Form, die das Kind ausfüllt, bzw. mehr noch ausfüllen wird, durch ein zwischen den Beteiligten abgesprochenes Verhalten geschaffen wird. Hierdurch gelangt der Vater in eine der biologischen Stellung der Mutter vergleichbare Position, auch für das Wohl und Werden des Kindes sorgen zu können und zu müssen. Patriarchal dienten diese Rechte und Pflichten der Zurückdrängung der natürlich begründeten Rechte der Mutter, heute aber ergänzen die väterlichen Befugnisse und Verpflichtungen die der Mutter, so dass Vaterschaft als gesellschaftliches Ergebnis und Mutterschaft als biologisches Faktum sich zur Elternschaft ergänzen. Vaterschaft ist heute bereinigt von den patriarchalen Anmaßungen und Mutterschaft ebenso befreit hiervon, die eine Seite abgewertet, die andere aufgewertet, geblieben ist die Gemeinsamkeit der Weitergabe des allgemeinen Lebens als gemeinsame biologische wie kulturelle Aufgabe. Die sowohl das biologische Leben wie das gesellschaftliche virtuelle Leben bestimmende Verlässlichkeit hat hier weiterhin ihren Platz, wie auch die Treue der Menschen, die einander gegebenen Versprechungen einzuhalten. Die Vorstellung von einer Rückkehr der Göttinnen will diese wieder in ihre alte Rechte setzen und damit auch die Vorherrschaft der Menschen hierzu, wie die der Männer über die Frauen, beenden und ebenso verhindern, dass es zu anderen oder neuen Vorherrschaften kommt. Denn in allen Menschen steckt die Kraft der Göttin als allgemeine Lebenskraft gleichermaßen und ihrer Bewusstwerdung dient die Verehrung es Göttlichen im Heiligtum. Die Kraft der Göttin aber fügt Mann und Frau auch in ihrer Sexualität zusammen, denn in der Sexualität wirkt ihre Kraft unmittelbar infolge der Belebung der Welt. Leben beruht aber immer auf der Verlässlichkeit der es begründenden Teile, weswegen die Menschen sie damit auch ihrem Leben und damit den Göttern schulden. Die Vaterschaft ist das kulturelle Pendent zur Mutterschaft und beides zusammen dienen dem Fortbestand des allgemeinen Lebens nach dem Willen der Göttin, wie sie ihn seinerzeit in die Welt brachte, als sie diese befruchtete und belebte. Denn mit dem Leben begann alles und alles Leben kann nur bestehen, wenn die ihm zugrunde liegende Information zuverlässig zu einem Werden umgesetzt wird. Dies gilt ausnahmslos für alle Lebensverhältnisse, seien sie biologischer oder kultureller Natur. gp
Der Verlust der Göttlichkeit
Herbert Draper, The Gates of Dawn, 1900
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Wenn
die Schönheit Auge und Gehör betört,
die Schönheit Auge und Gehör betört,
das Gute Geist und Herz zum Himmel hebt,
die Wahrheit stets ein jedes Sein beschwört,
und jeder nach Gerechtigkeit nur strebt,
gemeines Wohl der Menschen Sinne lenkt,
die Liebe keinen in der Welt vergisst
und niemand mehr an seinen Vorteil denkt,
selbst seinen Eigennutz auch nicht vermisst,
dann, wisse, seid ihr alle längst am Ende,
des Lebens Kraft, der Lust und Liebe bar,
vollzogen wurde schon des Werdens Wende
zum Tode, wo noch nie ein Wachsen war.
Den Tod einst löste aus der Starrheit Bande
des Werdens Müh getrieben von der Kraft,
zu überwinden, was euch im Gewande
der Trägheit trügerische Ruhe schafft,
denn euren Willen steuert nur Entbehrung,
sie zu beheben, stets nach Glück ihr strebt,
allein im Schaffen gründet sich Bewährung
für jeden, der nach den Gesetzen lebt,
die Götter unsre Welt befruchtend schrieben,
mit Lust und Freude wird nur der belohnt,
der selbst von seinem Wollen ist getrieben,
dass Irrtum und den Mangel er entthront.
Erlösen wird euch nie das Allgemeine,
erfüllen keine einzige Idee,
befördern kann die Seele nur das Deine,
das sorgt allein sich um ihr Wohl und Weh,
wenn es dich drängt, zu anderen zu gehen,
es in dir sprudelt, dort der Wille keimt,
gemeinsam wirst du sie zusammen sehen,
wenn unsrer Göttin Liebe euch vereint,
was immer euch an Leib und Seel‘ verbindet,
geschieht, weil sie es vorgesehen hat,
in eurem Glück da liegt es längst begründet,
zu lieben alle an der Götter statt.
Doch diese Liebe findest du im Tempel
mit andren bei der Göttin ganz allein,
sie drückt euch auf den Leib des Males Stempel,
denn nur das Göttliche ist allgemein,
ihr selbst jedoch bleibt immer irdisch,
habt Leib und Leben und nicht mehr,
der Göttin seid ihr darum würdig,
weil einst sie liebte euch so sehr,
das Göttliche indes sie nicht euch schenkte,
zu werden sie erlaubt euch nur auf Zeit,
und wer mit bloß Abstraktem sie bedrängte,
verlor im Leben alle Göttlichkeit.
© Karsten Cascais
© Karsten Cascais
Freitag, 12. November 2010
Gleichgeschlechtliche Lust und Liebe
Der Göttin Lust und Liebe sind weder männlich noch weiblich
Als Homosexualität gilt die Lust und Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen, was sich auf das einzelne sexuelle Erlebnis ebenso wie auf eine anhaltende Gemeinschaft zweier sexuell verbundener Personen beziehen kann. Obgleich dies nicht die Richtung ist, mit der die Göttin die Lust und Liebe in die Welt brachte, um diese zu befruchten und zu beleben, stammt auch diese Liebe von ihr. Zwar sind die religiösen Aussagen des Heiligtums eng mit den natürlichen Lebensverhältnissen verbunden, da sie ihren Ausgangspunkt von der Bewusstwerdung des Menschen nehmen und somit als Erstes die biologischen Bedingungen des allgemeinen Lebens und seines Werdens spiegeln, worin sie das göttliche Wirken in der Belebung der Welt sehen. Diese Belebung der Welt durch die Lust und Liebe der Göttin steht in einem unauflösbaren Zusammenhang mit der Fortpflanzung und der hiermit verbundenen Erfahrungen der beteiligten Einzelnen, wie etwa im Orgasmus. Die Sexualität ist als Ausdruck des Werdens, als das sich das Leben darstellt, notwendigerweise als bipolarer Vorgang angelegt, da jedes Werden einen Anfang hat und somit nur durch das Hinzutreten des Einen zum Anderen initiiert werden kann. Soweit im Heiligtum bei der Verehrung der Göttin etwa im Sakralakt und bei der Galaktisierung zu ihrer Lust und Liebe gefunden werden soll, knüpft man entsprechend diesen biologischen Grundkonditionierungen an geschlechtlichen Handlungen unterschiedlich geschlechtlicher Personen an. Denn die Welt wurde mit wenigen Ausnahmen (bei denen das Hinzutreten des Einen zum Anderen nur modifiziert erfolgt) gerade nicht mittels der Einführung der Parthenogenese (Jungfernzeugung) belebt, sondern durch ihre Durchdringung mit der Kraft der Göttin als ihre auf das Leben gerichtete göttliche Energie in Form von Lust und Liebe, die die unterschiedlichen Geschlechter sich verbinden lassen. Die Lust und Liebe der Göttin selbst jedoch sind als auf das Leben zentrierte Kraft, die von ihrer göttlichen Energie gespeist wird, gegenüber einer bipolaren Unterscheidung zwischen männlich und weiblich indifferent. Ihre Energie entstammt dem göttlichen Sein, das anders als das in jedem Augenblick bewirkte Leben selbst kein Werden ist. Eine Unterscheidung zwischen weiblich und männlich hat dort keinen Sinn und entstammt allein einer kindlichen Übertragung der eigenen bekannten Lebensverhältnisse auf alles andere, was nur sein kann. Dass dem göttlichen Sein die nur dem Werden immanente Unterscheidung zwischen den Geschlechtern zu eigen wäre, wäre nicht weniger naheliegend, wie jede andere denkbare Eigenschaft der Menschen auf die Götter zu übertragen, ein sinnloser Akt. Deswegen begreift man im Heiligtum auch Gott als etwas, das ebenso Göttin ist, und die Göttin als jemand, der ebenso Gott ist, und halten es nicht anders mit der Unterscheidung von Ein- und Mehrzahl. Das bedeutet aber, dass das, womit die Göttin die Welt belebt hat und das sie dem Menschen als einen Teil von ihr als ihre Lust und Liebe und auch als das von ihm anzustrebende Glück zeigt, weder männlich noch weiblich ist. Männer wie Frauen können an dieser göttlichen Kraft wie etwa im Orgasmus auch als Eigenes teilhaben, wobei ihrem unterschiedlichen Geschlecht keinerlei Bedeutung zukommt, denn es ist der Göttin Lust und Liebe, die sie dabei erleben. Steckt aber im Menschen das Göttliche unabhängig vom Geschlecht, dann kann dieses auch nicht ausschließliche Bedingung für das Erleben dieses Göttlichen sein.
Im Gottesdienst preisen wir die Schöpferin, nicht das von ihr Geschaffene
Die bipolare geschlechtliche Unterscheidung entfaltet erst mit dem nächsten Schritt ihre Bedeutung, wenn etwa in Biologie und Evolution diese Eigenschaft, an der göttlichen Lust und Liebe teilzuhaben, zur Konditionierung des Menschen zum Zwecke der Erhaltung der Art verwandt wird. Es war die Liebe einer Göttin, die die Natur mit dem Bestreben der Erhaltung der Art verband, es war aber nicht die Erhaltung der Art, die diese Lust und Liebe schuf. Bei der Verehrung der Göttin im Heiligtum geht es aber gerade nicht um die Erhaltung der Art, nicht um das Empfangen und Zeugen von Kindern und somit nicht um die Weitergabe des Lebens, sondern – durchaus unter gezielter Nutzung dieser genannten biologischen Konditionierung- um die Zurückführung zur reinen göttlichen Lust und Liebe und dem Licht, das den Menschen zum Glück hin leuchtet, alles jenseits der Natur. Sinn des Gottesdienstes ist es gerade, zu dem Göttlichen unmittelbar vorzustoßen, das heißt außerhalb der irdischen evolutionären Instrumentalisierung der Lust und Liebe zur Erhaltung der Art und des allgemeinen Lebens. Denn ansonsten wäre es kaum verständlich, dass angesichts der Pflicht der Göttin gegenüber die Treue zum versprochenen Partner ihre Verbindlichkeit verliert. Die Göttin hat mit ihrer Kraft die Lust und Liebe in die Welt gebracht und damit die Welt mit dem Leben allgemein belebt. Wenn wir aber die Göttin ehren und gar preisen, dann wenden wir uns wieder unmittelbar ihr als Schöpferin zu und nicht dem, was sie schuf, ihrer eigenen Lust und Liebe und nicht nur der Art und Weise, wie diese in der Welt wirkt. Dieses Wirken nehmen wir durchaus zum Einstieg, suchen aber die Göttin in ihrer reinen Lust und Liebe.
Auch die homosexuelle Lust und Liebe kommt von der Göttin
Von diesem unmittelbaren Erlebnis der Göttlichkeit, wie in der Lust und Liebe der Göttin, die auch die Welt belebt, können daher Menschen nicht ausgeschlossen werden, die ansonsten, wie im zivilen Leben außerhalb der räumlichen Einrichtungen des Heiligtums und der Zeiten der Göttin, ihre Sexualität anders leben, als in der biologischen Determinierung zur Erhaltung der Art festgelegt ist. Die Lust und Liebe, die sie gleichgeschlechtlich erfahren, ist unbeschadet möglicher Gründe dafür keine andere als die, mit der die Göttin die Welt befruchtet und belebt hat. Im Gottesdienst des Heiligtums geht es um die Gewinnung der reinen Energie der göttlichen Lust und Liebe, ganz gleich in welchen Formen ihrer Erscheinung, soweit dabei die göttlichen Regeln nur gewahrt sind. Diese beziehen sich aber auf den Schutz der Schwachen und noch nicht Selbstständigen sowie auf die Freiheit und Würde, alles göttliche Eigenschaften eines jeden Menschen. Es dient sogar gerade das Schicksal homosexuell liebender Menschen zum Beweis der allgemeinen Gültigkeit der sich in der Lust und Liebe der Göttin zeigenden Kraft und Energie, denn allgemein bedeutet auch von der biologischen Determinierung losgelöst zu sein. Denn wäre das Erste nicht die unipolare (und nicht bipolare) göttliche Energie, sondern die bipolare (durch die Natur konditionierte) Zweigeschlechtlichkeit, dann wäre es wenig verständlich, dass sich ganz offensichtlich gleichgeschlechtliche sexuelle und partnerschaftliche Beziehungen der Intensität von Lust und Liebe nach in ihrem emotionalen Erlebnis von heterosexuellen Entsprechungen nicht unterscheiden. Alles entstammt derselben Kraft der Göttin und kann daher auch nicht anders sein. Denn die Göttin meint jede Lust und Liebe.
Grenzen sexueller Gleichheit
Die Missachtung der göttlichen Herkunft aller Lust und Liebe hat daher bei der häufigen Verfolgung gleichgeschlechtlicher Liebe auch stets die Göttinnen beleidigt. Dies gilt aber nur, soweit es, wie bei der religiösen Verehrung im Heiligtum, um die reine Lust und Liebe der Göttin geht, kann indessen nicht darauf übertragen werden, was die göttliche Energie bei der Belebung der Welt bewirkt, nämlich das allgemeine Leben, als dessen Teil sich eine Jede und ein Jeder erweisen, wenn sie Leben auf andere übertragen, also beim Zeugen und Empfangen. Mangels Vergleichbarem kann es keine Gleichheit geben, denn, wie nach dem Willen der Göttin in der Natur festgelegt, bedarf es hierzu der unterschiedlichen Geschlechtlichkeit von Frau und Mann. Überall woran an dieser nur angeknüpft werden kann, wirkt die Lust und Liebe der Göttin unabänderlich bipolar. Hierin liegt auch keine Zurücksetzung gleichgeschlechtlich Liebender, vielmehr besteht darin gerade das Besondere ihrer Liebe. Denn auch wenn sie ebenso eine Form der Natur wäre, etwa weil diese sich der gleichgeschlechtlichen Lust und Liebe zur Steuerung des allgemeinen Lebens (im Hinblick auf die Population auf der Erde oder in Teilen von ihr) bedienen würde, soll der Ausschluss der Bipolarität und damit auch der individuellen Vermehrung gerade hierdurch bewirkt werden. Eure Kinder sind stets das Ergebnis, das die Göttin geschlechtlich unterschiedlich bewirkt. gp
Donnerstag, 11. November 2010
Der Allgöttin Allgeliebte
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| Arthur Hacker, The Cloud, 1902 |
Des Himmels Heiligtum erreichen wir
durch unsrer Göttin Liebe,
auf ihrem Wege führt sie uns zu ihr,
dass jeder treu ihr bliebe,
wenn öffnet sie den Menschen weit ihr Reich,
dass alle dort sie preisen,
in Lust und Liebe Gott der Göttin gleich,
um keinen abzuweisen.
Der Göttin Leib auch Gottes Körper ist,
nichts unterscheidet beide,
ob’s viele sind, du ganz alleine bist,
nichts gibt es, was euch scheide,
ein einzig Feuer heiß in allen brennt
und lodert weit nach oben,
es weder Männer noch die Frauen trennt,
verschmolzen sind, verwoben.
Als Liebe und die Lust die Welt beseelten,
der Göttin Odem kam,
kein Leben zu erwecken sie verfehlten
und seinen Lauf es nahm,
sich teilte, viele Formen und Gestalten,
in Farben und Gesang,
um mannigfaltig alles zu erhalten,
die Göttin einst ersann.
Und doch so vielfältig des Lebens Werden
auch immer nur geschah,
nichts jemals konnte wachsen hier auf Erden,
das nicht der Göttin war,
so dass ein jeder mochte nur anstreben,
mit ihr vereint zu sein,
zu finden sie in jedes Menschen Leben,
wo schlägt ihr Herz allein.
So bunt die Welt, so viel der Menschen Schicksal,
ein Jedes geht auf sie zurück,
ganz gleich wohin ein Mensch geschickt war
in Liebe, Lust, im Glück,
nur das trägt ihn, was einst das Leben schuf,
worauf seither es gründet,
sich breitet aus der Göttin zum Behuf,
dass ihre Kraft es zündet.
© Karsten Cascais
Dienstag, 9. November 2010
Phallokratie, der Sündenfall
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| Phallos, Dionysios Tempel, Delos, Griechenland |
©
"Column
with Phallus at the Stoivadeion - Island of Delos, Greece" by The original
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| Altgriechisches Phallussymbol, vermutl. Delos |
Übersteigerte Verehrung des erigierten männlichen Glieds
Phallokratie bedeutet Herrschaft (κράτος – kratós) des Phallus, als latinisierte Form aus dem Griechischen für φαλλός – phallós hergeleitet, womit der erigierte Penis gemeint ist, normalerweise seiner Vorhaut entkleidet dargestellt. Der Begriff wird auf gesellschaftliche Verhältnisse angewandt, unter denen eine kultische Hervorkehrung des erigierten Penis als besonderer Ausdruck männlicher Vorherrschaft verstanden wird. Quellen religiöser Verehrung des Phallus finden sich in vielen Kulturen, bedeutsam für die abendländische Kultur war aber besonders die im antiken Griechenland, hier vor allem die für Athen und seinem engeren Kulturkreis überlieferte übersteigerte Darstellung des Phallus als Zeichen männlicher Überlegenheit, die die spätantike und abendländische Kultur entscheidend geprägt hat. In weit mehr als 15.000 ganz oder teilweisen bildlichen Darstellungen auf Keramik, die als umfassendste Quelle bildlicher Reproduktion für diese Zeit gilt, werden in überwältigend großer Zahl männliche Wesen mit erigierten Penissen in allen Situationen wiedergegeben. Den Berichten nach soll um das 5. und 4. vorchristliche Jahrhundert die Stadt Athen mit Phallusdarstellungen, wie bei dem weitverbreiten Gott Hermes, übersät gewesen sein. Als während des für Athen sehr verlustreichen peloponnesischen Kriegs 415 v.Chr. die Männer gegen den Widerstand der um das Leben ihrer Söhne besorgten Frauen entschieden, den Krieg durch einen Angriff auf Syrakus in Sizilien auch noch auszuweiten, schlugen die Frauen während der nachfolgenden Nacht zum Protest tausenden figürlichen Darstellungen die Phalli ab, keine Hermesstatue soll verschont geblieben sein, alle Glieder lagen dort in Trümmern. Darstellungen des erigierten männlichen Glieds finden sich allenthalben auch in anderen antiken griechischen Stätten. Selbst die aus der Antike zumeist in spätantiken Kopien erhaltenen Personenstatuen folgen fast ausnahmslos einem männlichen Schönheitsideal, wie auch die höchste Lust sich allein auf Knaben (vor den äußeren Anzeichen der Geschlechtsreife) bezog und Sportwettkämpfe, von denen Frauen selbst als Zuschauer ausgeschlossen waren, in erster Linie der Zurschaustellung nackter Körper von geschlechtsreifen Jünglingen dienten. Die übersteigerte öffentliche Verehrung des Phallus fand ihre Entsprechung in der Bedeutung, der man gleichzeitig den Mythen und Sagen um die Besiegung der Amazonen, dem legendären weiblichen Kriegervolk, beilegte, mit deren Gefährlichkeit man auch die Entrechtung der Frauen und ihre Beschränkung auf den häuslichen Bereich begründete. Der Halbgott Achilles hatte in der Entscheidungsschlacht die Königin der Amazonen Penthesilea getötet, jedoch zuvor noch ihr in die Augen gesehen und war trotz ihres ihr von ihm zugefügten Todes ihrer Macht erlegen und hatte sich in sie verliebt. Was gab es einen besseren Beweis für die Gefährlichkeit der Frauen.
Phallokratie als Verdrängung des heiligen Schoßes
Die phallokratischen Züge griechischer Antike dürften aber nur eine Folge der in die neuere Zeit überkommenen Begleitumstände der Patriarchalisierung der Gesellschaft sein, nachdem die weithin verehrten weiblichen Göttinnen infolge der Entdeckung der Vaterschaft entzaubert waren. Über viele Jahrtausende war der weibliche Schoß als göttlich verehrt worden, weil in ihm die Seelen, um wiedergeboren zu werden, eintraten und wo die göttliche Lebenskraft unmittelbar wirkte. Die seit der jüngeren Altsteinzeit (also seit etwa 40.000 Jahren) überall in Europa gefundenen Statuetten nackter weiblicher Körper mit überbetonten Sexualmerkmalen legen hierüber Zeugnis ab. Die Zentrierung auf den weiblichen Schoß, wie er noch zu Beginn der ersten konsistenten schriftlichen Aufzeichnungen vor knapp 3000 Jahren nachweisbar ist, spiegelte sich auch in der gesellschaftlichen Organisation wieder, die vorwiegend matriarchal, bzw. matrilinear war, indem sich die Gruppen in ihrer Zugehörigkeit nach den Müttern bildeten, wie auch Rechtsübergänge, vor allem solche mythischer Natur (wie die von den Göttern abgeleitete Herrschaftsmacht), allein der weiblichen Linie folgten. Die Macht der Frauen wurde zudem ab der Entdeckung der Landwirtschaft (ab dem 10., in Europa etwa ab 6. vorchristlichen Jahrtausend) durch die Sesshaftwerdung und der Bildung größerer Gemeinschaften gestützt. Etwa ab dem 1. vorchristlichen Jahrtausend begann sich im Wege der Verschriftlichung die Schrift als allgemeiner in sich geschlossener Informationsträger zu verbreiten, wenn auch ganz frühe Quellen auf das 3., möglicherweise sogar auf das 6. vorchristliche Jahrtausend zurückweisen. Die in unsere Zeit überlieferten großen Schriftwerke entstammen alle aus der ersten Hälfte des 1. vorchristlichen Jahrtausend (wie die Aufzeichnungen von Hesiod, Homer, die Bibel, aber auch die Aufzeichnung anderer Werke, die selber wiederum auf weitere Vorzeit zurückgehen , wie das Gilgamesch Epos). Durch die schriftliche Informationsübertragung wurden räumliche und zeitliche Grenzen der mündlichen Weitergabe gesprengt und die Bedeutung des Wortes und damit der Begriffe rückte in den Mittelpunkt. Gerade die nunmehr begrenzte Anwendung von Begriffen ermöglichte auch Abstraktionen bisher unbekannten Ausmaßes und erweiterte schließlich entschieden die Erkenntnismöglichkeiten. Es waren zudem die Männer nicht wie die Frauen unmittelbar mit ihrem Körper in den Kreislauf der Natur und der Göttinnen eingebunden, die zu Trägern der neuen Schriftlichkeiten wurden. Sie verherrlichten das Wort und geboten, sich kein Bild mehr vom Göttlichen zu machen, waren die Bilder doch lange Zeit gerade weibliche Domäne. Eine der ersten Früchte der gewonnenen Erkenntnisvorteile dürfte die Entdeckung der biologischen Vaterschaft gewesen sein, die die ganze bisherige Weltordnung auf den Kopf stellte, der eigentliche Sündenfall, denn nunmehr vertrieben die Männer die Göttinnen aus dem Paradies und mit ihnen den Primat des Weiblichen. Der Phallus, das kraftvoll strotzende erigierte Glied, wurde zum Symbol der von den Männern zu erringenden Vorherrschaft. So wird in verschiedenen schriftlichen Quellen berichtet, dass in den Tempeln vorderasiatischer Göttinnen meterhohe Phalli-Skulpturen aus Stein als Zeichen eines neuen Fruchtbarkeits- und Lebenskults aufgestellt wurden. Die Phalli zu besteigen galt als religiöser Dienst, wie man auch junge Frauen zwang, sich zur Entjungferung in den Tempeln auf dort in natürlicher Größe aufgestellte steinerne Phalli zu setzen. Die Phallisierung der Welt wurde zu einem Befreiungsschlag der Männer, die dabei aber weiterhin der Körperlichkeit eng verbunden blieben. Nur ersetzten sie den heiligen Schoß durch den heiligen Phallus, dem nun bei der Zeugung neuen Lebens alle Bedeutung beigelegt wurde. Über Jahrtausende war man offenbar einem Irrglauben aufgesessen. Denn zur Zeugung kam es auf die Mitwirkung der Frauen überhaupt nicht an, man konnte sie sich einfach nehmen, kaufen oder auch vergewaltigen. Man musste nur dafür Sorge tragen, dass die Phalli anderer Männer nicht ihren Schoß befruchteten. Hiermit beschäftigen sich seitdem weite Bereich von Sitte und Moral, Ethik und Gesetz, manchmal gar ausschließlich. Die Frauen wurden zur männlichen Sache, die man wegschloss, sich verhängen ließ, dass kein anderer sie begehre, und deren Rechte und Würde man ausschließlich darauf beschränkte, den männlichen Bedürfnissen bei der Vermehrung zu dienen. Dieses Bild überkam noch in die Moderne. Die griechische Phallokratie gibt, weil besonders gründlich dokumentiert und zudem im ganzen Mittelmeerraum verbreitet, nur ein Beispiel, mit welcher Vehemenz sich die Symbole nach der Machtergreifung des Patriarchats wandelten.
Idealisierung der Phallokratie zum patriarchalen Eingottglauben
Das war aber erst die erste Stufe der Patriarchaliserung, die zur gegenständlichen Phallokratie mit ihrer der mythischen Überhöhung dienenden Verherrlichung des männlichen Genitals führte. Die infolge der Verschriftlichung der Information gewandelten Erkenntnismöglichkeiten brachten Philosophie und frühe Wissenschaften in ganz Griechenland zur Blüte, die sich auch im gesamten Mittelmeerraum auswirkte. Dies war nahezu ausschließlich eine männliche Angelegenheit, bei der man allenfalls vereinzelt auch Frauen teilnehmen ließ, wie einige griechische Hetären, wenn auch mehr zum Zeitvertreib. Es entstanden dabei die großen idealistischen Systeme, vor allem durch Platon, die nunmehr auch der Natur selber ihre Natürlichkeit nahmen und alles dort zum Schein erklärten, denn das Wahre, Unwandelbare und Seiende konnte danach nur im Abstrakten der Ideen liegen. Damit war im Rückblick jeglichem Herrschaftsanspruch des Weiblichen die Grundlage entzogen, denn ihre Verehrung als göttlich bezog diese Qualität gerade aus der weiblichen materiellen und irdischen Einbindung durch Empfängnis und Geburt, was man seit dem Siegeszug des Idealismus aber gerade als null und nichtig ansah. Der Idealismus reichte der Phallokratie die philosophische Begründung nach, die im Abstrakten der Ideen lag, wovon Frauen selbstredend schon allein wegen ihrer Erdverbundenheit ausgeschlossen waren (man denke nur an ihre Menstruation). Der Idealismus wurde zur Religion des Patriarchats und begründete seine Macht für mehr als zwei Jahrtausende. Die Körperlichkeit des Phallus als Symbol männlicher Kraft und Macht und dem Unterworfensein der Frauen entschwand mit der Idealisierung zwar, auf den Leib kam es nicht mehr an. Die im Phallus symbolisierte Allmacht aber blieb und wurde nun der Idee patriarchaler Männlichkeit zugeschrieben. Für die Göttinnen war kein Platz, der gewaltige altgriechische Gott Eros mutierte zum niedlichen Cupido, und Aphrodite, weitaus älter als Zeus, zwang man in der knidischen Darstellung des Bildhauers Praxiteles sich vollends zu entkleiden und ihren Körper allen lüsternen Blicken freizugeben, was indessen ihrer Schönheit nicht schadete. Die Idee der Götter konnte nur in einem Gott, nach dem Sturz der Göttinnen zudem nur in einem männlichen enden. Diese Idee des patriarchalen Eingotts war lange schon vor Christus Geburt geboren. Doch einer der wirkungsvollsten Nachfolger Platons und seiner Akademie war Paulus, der daraus das Christentum schmiedete. Nunmehr fand die leibliche Phallokratie ihre geistige (das heißt abstrakte) Überhöhung, die männliche Allmacht wurde zur Allmacht eines männlichen Eingotts, die Belebung der Natur wurde durch die geistige Durchdringung aller Ideen ersetzt und eine göttliche Befruchtung fand nur noch ein einziges Mal zur Erlösung der Welt statt, als der Heilige Geist Marias Schoß zur Aufnahme von Gottes Sohn öffnete. Damit verlor alles, was in den Leibern der Menschen steckte und alles, was in der Natur geschah, an Bedeutung. Mit der knapp acht Jahrhunderte nach Platon erfolgenden Entsexualisierung des Christentums, wie durch den Heiligen Ambrosius und den Heiligen Augustinus im vierten und fünften nachchristlichen Jahrhundert, vor allem mit der genialen Einführung der Erbsünde, mit der die Menschen die sexuelle Lust und Liebe verbanden, wandelte sich die nunmehrige ideelle Phallokratie gemessen an ihrem Ausgangspunkt der prallen Darstellung des zeugungsbereiten erigierten männlichen Gliedes zwar in ihr Gegenteil -ein durchaus geläufiges Schicksal von Ideen, die sie ihrer Abstraktheit zu verdanken haben-, entwickelte sich aber zu einem ebenso perfekten wie nachhaltigen Instrumentarium zur Beherrschung der Menschen.
Wiedervereinigung von heiligem Schoß und heiligem Phallus
Dass die Phallokratie und damit der Thron des Patriarchats nunmehr ins Wanken geraten sind und sogar die Göttinnen ihre Rückkehr angekündigt haben, liegt nicht nur daran, dass mit dreihundert Jahren Verspätung die Aufklärung auch die Frauen erreicht hat, sondern auch an den immer abstrakter werdenden Methoden, sich die Erde untertan zu machen. Nachdem die Wahrheit niemals im Abstrakten, sondern immer nur in jedem einzelnen Menschen liegt, wird das Unternehmen in Bezug auf die Erde ständig riskanter. Mehr noch führen zunehmend abstrakt und wissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse zurück zu der vor dreitausend Jahren so vernachlässigten systematischen Kraft des Lebens, das die Kraft der Göttin ist. Ideologisch muss, was tatsächlich zu ändern nie gelungen war, die Kraft wieder zurück in den Leib geholt und dort mit dem Geist vereinigt werden. Wie kann dies sinnbildlicher geschehen, als wenn der einst für heilig gehaltene Schoß und der noch heute vielfach weiterhin geheiligte Phallus sich in einer Weise vereinigen, dass sich die Lust und Liebe aller daran Beteiligter verallgemeinern. Die natürlichen Grundlagen allen Lebens können auch von keiner Phallokratie, sei sie leiblich oder ideell, dauerhaft in Frage gestellt werden. Gegen den Stachel der Göttin lässt sich nicht löcken. gp
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