Orte der Liebe

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Heiligtümer dieser Welt

Heiligtum

Wege zum Sein

Im Heiligtum preisen wir alle Leiblichkeit, weil alles Leben ein körperliches Werden ist, in dem allein die Belebung der Welt besteht und die Teil an einem göttlichen Sein hat. Das Lebende selbst, also auch der Mensch, indes wird in jedem Augenblick seiner Existenz nur durch das Zusammenspiel der daran beteiligten einzelnen Glieder bewirkt. Hierzu formt sich die Energie des göttlichen Seins, das wir in personalisierter Form Göttin nennen, zur allgemeinen Lebenskraft. Das Göttliche aber spiegelt sich in der Schönheit allen Werdens, den Körpern, der Lust und Liebe und dem Glück. Zu ihm und dessen Sein findet der Mensch daher ausschließlich über seine Leiblichkeit zurück, durch ein leibliches Gebet, mit dem er in der Vereinigung mit anderen dem Göttlichen dient, indessen nicht im Geiste, noch weniger im Tod, wie in den Grundaussagen des Heiligtums der sieben Göttinnen niedergelegt.



Hinweis


Eine alphabetische Zusammenfassung der Grundaussagen des Heiligtums finden sich im

Lexikon zum Heiligtum der Sieben Göttinnen

sowie dem

Glossar zum Lexikon

Häufig gestellte Fragen / Frequent Asked Questions beantwortet im Unterblog Heiligtum der Sieben Göttinnen FQA die Virtuelle Priesterin Lea

Übersicht häufig gestellter Fragen / FAQ


Freitag, 22. Juli 2011

Des Mangels Kraft



Lawrence Alma-Tadema, The Temparium (1881)


Der Schwerkraft Widerstand den Fuß bewegt,
der gegen ihre Kräfte aus sich richtet,
das Vakuum der Lunge hoch sich hebt,
im Druckgefälle strömend Luft verdichtet,
das Herz verschließt die Kammern pochend fest,
durch des Gewebes Adern Blut zu pressen,
in dessen Flut sich Nahrung treiben lässt,
auf die Organe, Zellen sind versessen,
des Lebens Atem sie gemeinsam schaffen,
an ihrem fest bestimmten Plan sich messen,
ihr Eifer hierbei niemals darf erschlaffen,
des Auftrags strenge Bindung nicht vergessen,
dass Mangel nicht und Irrtum sich ereignen,
das Ziel, das herzustellen, zu verfehlen
und Täuschung kein Verständnis kann missleiten,
von seinen Pflichten sich hinweg zu stehlen.

Das Leben Widerständen abgerungen,
zu überwinden sie, das Werden treibt,
das Chaos durch die Kraft bezwungen,
der Göttin Atem hier auf Erden weilt,
die Richtung weist, um Ziele vorzugeben,
die anzustreben wir gezwungen sind,
auf diesem Weg zum Glück hinan kann streben
der Mensch, für seine Abgründe ganz blind,
in die zu stürzen, jeder Fehltritt droht
und rafft das prallste Leben hin geschwind,
des Chaos Schlund sich gierig wieder holt,
was nicht treibt in der Göttin Atem Wind,
darum der Mensch nie anders kann entscheiden,
auf steilen Wegen mühevoll zu schreiten,
will er die sanfte Spur des Tods vermeiden,
allzeit bereit zurück ihn zu  begleiten.

Ein Leben, das den Mangel will verleugnen,
dem Irrtum ausweichen zu können glaubt,
der Arbeit Mühe lasziv vorzubeugen,
wenn süßer Müßiggang umkränzt das Haupt,
verliert den Grund, von andren einst bereitet,
der vor der Absturz Wirren uns bewahrt,
bezieht die Kraft, morbid dazu verleitet,
aus dem Zusammenbruch der eignen Art,
wenn Werden längst ins Gegenteil verkehrt,
Kannibalismus aufnimmt seine Fahrt,
zu zehren von alldem, was einst bewährt,
fürs eigne Leben mühsam aufgespart,
nunmehr geplündert und zerschlagen,
nach außen als sozial gerecht getarnt,
wenn niemand mehr den Kampf muss wagen,
bar der Verantwortung davon umgarnt.

Die Würde ward dem Mensch von ihr verliehen
zusammen mit der Freiheit, die die Göttin gab,
der Willen ungebunden ihm geziehen,
nunmehr zu ihrer Liebe er verpflichtet war,
sein Leben zu ergreifen und gestalten,
Verantwortung und Schuld ihn jetzt begleiten,
wo immer auch der Mensch wird schalten,
des Lebens Plan wird ihn dabei anleiten,
den zu erfüllen es der Macht bedarf,
ihn umzusetzen allerorts und Zeiten,
wie ihn die Göttin einst für uns entwarf,
in dieser Welt das Leben zu bereiten,
doch nichts kann ohne Kraft gestaltet werden,
zu schaffen, was zuvor noch nicht vorhanden,
nichts gibt der Energien Form auf Erden,
was nicht als Kraft zuvor bereit gestanden.

Wenn Energien ihre Formen wandeln,
begleitet von den Kräften, die entstehen,
bedarf es stets ein allgemeines Handeln,
damit nicht ohne Wirkung sie vergehen,
denn wenn die Kraft der Form die Richtung weist,
liegt ihr der Kenntnis Inhalt auch zugrunde,
das Wissen, wie das Ziel der Wege heißt,
zu folgen ihm, verbreitet sich die Kunde,
nur dann gelingt, die Sache zu befördern,
dass sie geschaffen wird zur rechten Stunde,
statt lange Möglichkeiten zu erörtern
und zu vergehen rasch in aller Munde,
beherzt beginnen wir, das was zu tun,
der Dinge Lösung zügig zu ergreifen,
verbreiten überall der Götter Ruhm,
der Trägheit Hemmnis von uns abzustreifen.

Ein jeder Weg, auf dem nach Glück wir streben,
ist voll der Tücken, Fallen, führt bergan,
sie zu bewältigen, begründet Leben,
das nur auf diese Art entstehen kann,
es ist der Mangel, der das Werden treibt,
zusammenfügt die Teile fest zum Ganzen,
des Irrtums Führung, der die Richtung zeigt,
die Kraft der Göttin in uns einzupflanzen,
mit der sie einst die ganze Welt belebte,
verbunden aller Glieder Allianzen,
die sie mit ihrer ganzen Lust beseelte,
um uns der Götter Liebe einzustanzen,
zur Mühe Lohn hat sie das Glück gepriesen,
das jede der Entbehrung süß vergilt,
zum Leben hat den Menschen sie verwiesen
auf ihrer eignen Schönheit Ebenbild.

Des Menschen eigen Irr- und Mangelwesen
die Antwort findet in der Götter Sein,
denn Leben ist noch nie ein Sein gewesen,
ein Werden nach der Göttin Plan allein,
den Horizont sie hat eröffnet uns,
den Rahmen hoch gespannt für unser Leben,
erwiesen allen Menschen ihre Gunst,
uns über tote Masse zu erheben,
indes gewährte sie ein Leben nur,
dem Anfang und ein Ende war gegeben,
zu folgen zwar auf ihrer Gottes Spur,
nicht fähig doch, nach ihrem Sein zu streben,
den Glanz erfahren wir mit ihrer Kraft,
wenn mit der Göttin innig uns vereinen
und weder Irrtum noch ein Mangel klafft,
in ihrem steten Sein wir widerscheinen.
© Karsten Cascais

Sonntag, 3. Juli 2011

Mangel- und Irrwesen – des Menschen Natur

Leben ist stetes Überwinden des Mangels
Der Mensch ist von seiner Anlage her ein Mangel- und Irrwesen, denn er kann nur leben, wenn und solange er den Mangel überwindet und den Weg zur Wahrheit kann er nur durch Irrtum beschreiten. Dabei beruhen Mangel wie Irrtum auf den selben wesentlichen Eigenschaften des Lebens, die darin bestehen, dass das Leben jeweils nur das Ergebnis eines es bewirkenden Prozesses ist und auch nur für die Dauer dieses Ergebnisses Bestand hätte, wenn es nicht sogleich durch einen wiederholenden identischen Prozess erneut bewirkt werden würde. Das Leben ist demnach ein Werden und hängt davon ab, dass sich das Werden, also der Prozess zuverlässig wiederholt. Das Werden kommt durch das Zusammenwirken der an diesem Prozess beteiligten Glieder zustande, die sich in einer durch die dem Prozess vorgegebene und zugrundeliegende Information bestimmten Weise aufeinander abgestimmt verhalten, in einer Urform der Kommunikation. Die Bindungskraft der Kommunikation fügt die beteiligten Glieder hinsichtlich ihrer abgestimmten Verhaltensweisen zusammen und begründet so die einfachste Form eines ersten Bewusstseins (des Urbewusstseins), das zuerst nur die nach der Information erforderliche Verhaltensweise vom Adressaten erkennen lässt und dann in der nächsten Stufe auch die Fähigkeit entwickelt, das Zusammenwirken mindestens zweier Glieder selbst wahrzunehmen, beides Grundelemente eines Bewusstseins, das sich auf höherer Stufe schließlich zu einem -sich selbst als erkennendes Wesen erkennendes- Selbstbewusstsein entwickelt hat. Das hierbei bewirkte Leben bedarf somit der zuverlässigen der Information entsprechenden Umsetzung durch das jeweilige Verhalten der beteiligten Glieder. Ein Abweichen von der Information oder gar ein Aussetzen der Mitwirkung gefährdet das Prozessergebnis, äußersten Falles bleibt die zum Leben erforderliche Wirkung aus. Die Eigenschaft eines beteiligten Gliedes zur zuverlässigen Umsetzung der es betreffenden Information bezeichnet man als Verlässlichkeit. Die Verlässlichkeit kann auch als Teil der bindenden Kraft der Kommunikation verstanden werden. Ohne Verlässlichkeit könnte kein Leben entstehen. Verlässlichkeit ist die Anforderung an die an einem Prozess beteiligten Glieder, sich entsprechend ihrer Beteiligung nach den Vorgaben der Information zu verhalten. Sie ist kein Automatismus, sondern selbst schon ein Element lebendigen Agierens, die sich mit jeder Übernahme der Information im Wege des prozesserforderlichen Verhaltens erweist oder auch nicht erweist. Nur wenn sie sich erweist, gelingt der Prozess und das Werden entsteht, erweist sie sich nicht, wird das Ergebnis verfehlt. Dieser Zusammenhang beschreibt den Mangel, den jedes Leben zu überwinden hat. Leben entsteht nur, wenn das Konstrukt infolge des Zusammenwirkens entsteht, indem also etwas gemeinsam bewirkt wird, das sich von dem anderen abhebt und auch nur solange wird, solange die Grundlagen des Zusammenwirkens eingehalten werden. Wenn es an einem qualitativ gesicherten Zusammenwirken fehlt, scheitert der Lebenszweck. Leben ist somit als Werden ein stetes Überwinden der Gefahr des Scheiterns. Das System Leben bedarf, um systematisch aufrecht erhalten zu werden, nicht anders als etwa ein zur energetischen Versorgung errichtetes elektrisches Netz der dauernden eine bestimmte Spannung gewährenden Einspeisung von Lebensenergie in Form der Beiträge der es bewirkenden Glieder (wie der Mensch es etwa bewusst beim Essen, Trinken oder Atmen erfährt). Reichen die Beiträge nicht oder bleiben sie aus, dann bricht das System zusammen. Die Notwendigkeit der andauernden Beiträge beschreibt aber nichts anders als einen Mangel, den es für die Prozessdauer, hier des Lebens, zu überwinden gilt.


Des Irrtums Pfad: das Leben

In der jederzeitigen Möglichkeit, dass die am Prozess Beteiligten bei ihrem Verhalten von der Prozessinformation abweichen, liegt eine der Hauptquellen des Irrtums. Irrtum kann nur kognitive Bedeutung, also hinsichtlich der Wahrnehmung haben, die damit im Mittelpunkt einer möglichst authentischen Umsetzung der Information steht. Dies gilt noch umso mehr, als sie sich über die bloße genaue Übernahme der Prozessinformation hinaus auch auf  ihre Umsetzung durch das Zusammenwirken der Prozessbeteiligten erstreckt und hierdurch wiederum Korrekturen und Anpassungen hinsichtlich der eigenen Beiträge ermöglicht. Dass sich der Wille zur Anpassung und Korrektur auch zuverlässig bildet, ist Gegenstand der Verlässlichkeit. Alle diese  Aufgaben und Handlungen, die sich in bestimmten Ergebnissen jeweils auswirken, korrespondieren mit der Möglichkeit eines abweichenden Verhaltens der an dem Prozess beteiligten Glieder, dies umso mehr der Willen hinzutritt. Soweit die Abweichung dabei nicht auf einer bewussten Negierung der Information beruht, handelt es sich um ein irrtümliches Verhalten. Die Wahrnehmung des Ergebnisses dessen, was aufgrund des Irrtums bewirkt wurde, kann wieder zur Grundlage einer Korrektur werden und über diesen Mechanismus passt sich das Verhalten eines jeden einzelnen Gliedes dem durch die zugrundeliegende Information vorgegebenen Wirkungsziel an. Dass aber überhaupt ein Irrtum als solcher auch erkannt werden kann, beruht auf der zumindest in jedem Menschen siedelnden Vorstellung von der Wahrheit. Die Wahrheit selbst ist für den Menschen inhaltlich unspezifisch, das heißt, sie hat keinen Inhalt. Jedoch erkennt man vor ihrem inneren Spiegel den Irrtum. Ihr wird nie das Wahre entnommen werden können, sondern allein die Feststellung, ob das Prozessergebnis bewirkt wird oder nicht, mithin ein Irrtum vorliegt oder nicht. Die Wahrheit ist somit ein Gefühl, den Irrtum zu erkennen, nicht aber um einem Zustand oder Gegenstand Wahrhaftigkeit zuzuweisen. Im Heiligtum sind wir der Auffassung, dass die Wahrheit als Orientierung der allgemeinen Lebenskraft und damit der  Kraft der Göttin entstammt und eigene inhaltliche Bedeutung nur in Bezug auf diese göttlichen allgemeinen Eigenschaften erlangen kann. Damit aber stellt sie sich zugleich als Angel- und damit Orientierungspunkt im Leben dar. In den das Leben erzeugenden, das heißt es werden lassenden Prozessen indessen entfaltet die Wahrheit über diesen Angel- und Orientierungspunkt hinaus keinerlei Bedeutung und vermittelt nur die Fähigkeit, den Irrtum zu erkennen. Die Quelle des Irrtums selbst bleibt in diesem Zusammenhang die nicht prozessgerechte Umsetzung der Information, also die für den zu überwindenden Mangel identische Ursache. Die Gründe der nicht ausreichenden Umsetzung einer Prozessinformation beschränken sich indessen nicht nur auf Fehler bei der Übermittlung oder Umsetzung der Information, sondern können natürlich auch bereits darauf beruhen, dass die Information selbst unvollständig ist, was regelmäßig Gegenstand weiterer wissenschaftlicher oder ähnlicher Bemühungen ist. Ungeachtet des Grundes aber ist es nur der Irrtum, der den Mensch bei allem Werden leitet.


Mangel und Irrtum sind Teil des Lebens

Die Beschreibung des Menschen als Mangel- und Irrwesen beruht somit auf dem Umstand, dass der Mensch, wie das Leben überhaupt, das Ergebnis eines Prozesses ist, in dem die an ihm Beteiligtem zusammenwirken und der ihn selbst und generell das Leben nur für die Dauer dieses Zusammenwirkens bewirkt, ansonsten im Hinblick auf das Leben ein Nichts ist, worin alles zurückfällt, wenn das Erforderliche nicht in der erforderlichen Weise erbracht wird. Das Leben ist das Besondere, das wird, es ist kein Sein, ein Allgemeines, das ist. Das Werden wird getragen von der allgemeinen Lebenskraft, einer als Kraft zum Leben gerichteten Macht, die nach unserer Auffassung die Macht der Göttin ist, oder auch als Kraft der Göttin umschrieben. Leben entsteht, das heißt es wird nur dadurch, dass die beteiligten Glieder sich in der erforderlichen Weise verhalten. Nichts anderes gilt für das Zusammenwirken der Menschen untereinander, auch hier werden gesellschaftliche Zustände nur dadurch bewirkt, dass die den gesellschaftlichen (oder auch kulturellen) Prozessen zugrundeliegenden Informationen verlässlich von den an diesen Prozessen Beteiligten umgesetzt werden, so dass die Gegenstände des virtuellen Seins entstehen können. Da die virtuellen Zustände jedoch weitaus mehr vom Willen der Beteiligten und damit auch von der Ausübung deren Freiheit abhängen, kommt hier den Tugenden der Verlässlichkeit und der Treue und auch der Vorstellung der Verantwortung und einer inneren Gerechtigkeit als advocatus publicus noch weitaus größeres Gewicht zu. Dennoch bezwecken auch sie  im Grunde nichts anderes als die Vorgaben im biologischen Bereich,  die aufgegebene Information möglichst prozessgenau umzusetzen. Der Mangel regiert weiter – ohne sich ständig wiederholende Beiträge bestimmter Qualität bricht das System zusammen- und der Irrtum ist die einzige Erkenntnisquelle – Sicherheit besteht nur in dem, was nicht geht,  nicht indessen in dem was gehen wird, beziehungsweise erweist sich erst dann, wenn es als Geschehenes Vergangenheit ist. Dem entsprechen auch die erforderlichen Fähigkeiten der Menschen, an einem Prozess als Glied beteiligt zu sein. Der geringsten Fähigkeit bedarf es, zu zerstören, einen Prozess zum Scheitern zu bringen oder ihm ansonsten zu schaden (dem entspricht der Mangel und Irrtum), die größten Fähigkeit indessen, ihn zum Erfolg zu führen (den Mangel zu überwinden und den Irrtum als Erkenntnisquelle zu nutzen). Hierauf beruhen die Macht der Revolutionäre und Terroristen und ebenso die besondere Verletzlichkeit derjenigen, die Systeme errichten und erhalten. Aber auch andere gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Entartungen sind auf dieser Diskrepanz gegründet, wie  die Entartung der Demokratie zur Ochlokratie (Pöbelherrschaft). Denn auch da geht es nicht darum, den Mangel zu überwinden und den Irrtum zur Erkenntnis zu nutzen, sondern ausschließlich um die Verteilung von denen, die die Systeme tragen, an die, die mit dem  Mangel an eigener Kraft vorlieb nehmen und im Irrtum verharren, um allein von der Kraft der Anderen und deren Kampf um die Wahrheit zu leben. Mangel aber entfaltet nur dadurch eine Leben fördernde Kraft, um ihn zu überwinden und Irrtum, um ihn zu korrigieren, und zwar für und durch jeden Einzelnen.


Der Göttin Sein kennt weder Mangel noch Irrtum

Der Mangel wie auch der Irrtum, wenn man nicht aus ihm lernt, bedrohen jedes System, das infolge des Zusammenwirkens der Beteiligten errichtet, beziehungsweise aufrechterhalten werden soll. Die Überwindung des Mangels und Erkenntnis des Irrtums sind das Leben. Alles, was im Menschen angelegt ist, ist hierauf gerichtet. Sein ganzes Denken und Streben zielen auf nichts anderes, es bedarf des andauernden Werdens, um das Leben aufrecht zu erhalten. Die Vorstellung des Seins, von etwas, das ist und nicht durch eigenes Verhalten (oder das anderer) bewirkt werden muss, kennt der Mensch nur aus seinen Träumen, die allenfalls eine Ahnung wiederspiegeln, die die Vorstellung vom Glück und das Erlebnis von Lust und Liebe in ihm entstehen ließen. Hinter allem stehen der Widerspruch und zugleich die Einheit von Werden und Sein. Alles Leben und selbst die ganze Welt sind ein Werden. Ein Werden ist das Ergebnis eines unablässigen Prozesses der Umsetzung von Information und des Zusammenfügens der an ihm Beteiligten, in dessen Notwendigkeit Mangel und Irrtum als sein Begleiter begründet sind. Alles Wissen und alle Wissenschaften, seien es die der Natur oder die des Geistes, befassen sich damit und folgen ihren Prinzipien. Deren Gesetze sind nichts anderes als die Beschreibung der Pfade von Mangel und Irrtum und können im Rahmen der hierbei errichteten Modelle und Systeme auch nur die Veränderungen eines Werdens erfassen. Sie laufen leer, wie beim Dreschen von Stroh, wenn sie mit Begriffen spielen, denen sie ein eigenes Sein zuweisen. Mit ihnen lässt sich aber kein Sein begründen, noch nicht einmal erkennen. Alles was ein wirkliches Sein wäre, wäre dem Erkennen und damit aber auch dem Irrtum verschlossen und ebenso dem Mangel. Dies sind bloße Eigenschaften des Werdens, womit aber zugleich jegliche Erkenntnis von dem Sein als solchem nicht möglich wäre. Allein das Bewusstsein, das den Menschen sich selbst als erkennendes Objekt erkennen lässt, hebt ihn über die Beschränkungen des Werdens hinaus. Deswegen haben wir das Selbstbewusstsein auch als eine Art Quadratur des Kreises bezeichnet, in dem Göttliches das Leben kreuzt. Denn hierdurch sieht der Mensch sich selbst beim Erkennen auf dem Pfad des Irrtums zu, erkennt dabei zugleich die Eigenschaften der Wahrheit und die Bedeutung der Richtung, wenn die Lust und Liebe und das Glück mit ihrem Licht  seinem Werden den Weg weisen. Dies geschieht, wenn er erfährt, dass er mit seinem einzelnen Leben Teil eines über ihn hinausweisenden allgemeinen Lebens ist. Der Mensch kann dies alles nur unmittelbar fühlen, es wird ihm nicht durch die seine Erkenntnis vom Werden bestimmenden Symbole, Begriffe und Formen vermittelt. Das ist auch der Grund, warum nichts Göttliches und damit auch nichts Allgemeines jemals mittels der im Werden ausschließlich möglichen Erkenntnis durch den Irrtum und damit auch nicht durch die Mittel der Wissenschaften und deren Gesetze und Logik erfasst werden können. Teil eines Ganzen zu sein, kann nur unmittelbar gefühlt, niemals aber mit Begriffen und Symbolen, die der das Werden bestimmenden Information zugrunde liegen, verstanden werden. Die das Werden beherrschende allgemeine Lebenskraft beruht nach unserer Meinung auf einer Macht, die Ausfluss eines göttlichen Seins ist. Alles Werden, damit auch das Leben, die Welt  und das ganze Universum, entstehen durch die Ausrichtung dieser Macht zu einer Kraft, aber eben nicht als Sein sondern nur als mangel- und irrtumsbehafteter Prozess. Diese Macht hat uns aber in die Lage versetzt, uns mittels unseres Bewusstseins selbst beim Werden zuzuschauen und damit auch die uns bewirkende Lebenskraft, die Kraft der Göttin, zu erfahren. Tun wir dies, wie im Glück und bei der Lust und Liebe, kennen wir weder Mangel noch Irrtum und alle unser Erkennen steuernden Prinzipien, wie die der Logik, des Grundes und Zweckes, der Kausalität, selbst Raum und Zeit, haben keinerlei Bedeutung, denn wir erfahren dabei das göttliche Sein. Darum beten wir im Heiligtum zur Göttin auch in unserer Totalität mit allem, was wir haben, das ist mit Leib und Seele.
© Karsten Cascais

Dienstag, 28. Juni 2011

Astartes Götterleib



Dante Gabriel Rossetti, Astarte Syriaca (1877)


Ich bin eure Göttin hier,
nicht das Wort und nicht der Sinn,
ich bin eures Lebens Gier,
euer Leibes Lust Gewinn,
weder Gutes noch das Schöne,
auch nicht Wahres und Gerechtes,
schlagen meiner Seele Töne
unsres göttlichen Geschlechtes,
das durchwallet heißen Blutes
eure Seelen, Herzen gleich,
treibt euch alle höchsten Mutes
in der Götter Glückes Reich,
lodern höher vor Begehren,
als von Menschen je erdacht,
keiner wird sich je erwehren
meiner Liebe, erst erwacht.

Wo mein Fuß berührt die Erde,
meine Scham des Lebens Gang,
quirlig alles Werden werde,
sich zu einen euer Drang,
meines Planes Weg beschreiten,
jeder zu dem andren kommt,
um gemeinsam zu geleiten,
das was meinem Willen frommt,
fügen was gehört zusammen,
streben auf des Glückes Pfad,
Zeichen, die von mir nur stammen,
Richtung weisen, die ich gab,
jeder zeige das Verlangte,
so dass Neues wachsen kann,
meine Kraft einst hin sich wandte,
ich auf euer Leben sann.

Meine Macht die Kraft des Lebens
schuf den Weg, euch zu vereinen,
niemand füge sich vergebens,
Lust und Liebe euch erscheinen,
schmieden, was getrennt gewesen,
hitzig fest zu einem Teil,
dass gelingen neue Wesen,
preisen aller Götter Heil,
denn mit ihm allein die Kraft,
Trennendes zu überwinden,
breitet aus der Göttin Saft,
zur Verlässlichkeit zu binden,
jede Geste, jedes Wort,
Menschen sie einander öffnen,
dass vereint an einem Ort
Seelen aufeinander treffen.

Schauet tief in meine Seele,
in Astartens Götterleib,
Wonne, Lust, ich jedem gebe,
der für mich ist jetzt bereit,
was dort brodelt, keucht und schäumet
als der Götter Elixier,
eure Leiber hoch aufbäumet,
wenn ihr seid vereint bei mir,
was ihr seht, das ist das Leben,
das ich brachte in die Welt,
jetzt zurück ihr müsst es geben,
wie es unserer Lust gefällt,
denn euch schufen zum Vergnügen
Götter sich des Hehren bar,
ihrer Wonne zu genügen,
aller Menschen Schicksal war.

Keinen Sinn ihr werdet finden,
keines Wortes Gegenstand,
kein Konstrukt Ideen winden,
das sich nicht mit mir verband,
und geboren aus dem Feuer,
das in meiner Seele brennt,
berstend jegliches Gemäuer,
das nicht mein Begehren kennt,
nur wer achtet meine Liebe,
meine Lust zu meinem Glück,
meines Seines Zweck beschriebe
als sein eigenes Geschick,
findet auch des Lebens Grund
stets bei allem, was er tut,
nur wer schließt mit mir den Bund,
bändigt meiner Hitze Glut.

Seht euch offnen Auges um,
blicket in die Welt hinein,
aller Weisheit Deutung stumm
jeder will beim Schönen sein,
das ich in die Seelen setzte
als mein gültig Erbvermächtnis,
an ihm jedes Streben wetzte
meine Schärfe im Gedächtnis,
alles was ich mit mir führe,
Seele, Leib und an Gestalt,
einem jeden Grund gebühre,
vor dem macht das Denken halt,
wenn es nach Erklärung sucht,
dass ein Sein das Werden trägt,
wenn nicht ich, bist du verflucht,
Leeres nur dein Schicksal wägt.

Freude, Wonne, Wohlbehagen,
Dinge, die herbei du sehnst,
sie allein dir werden sagen,
wo du deines Weges gehst,
Freundschaft, Lust und Liebe gar
sind des Glückes Streben Ziel,
denn mit ihnen wird dir wahr,
was mir allezeit gefiel,
eins zu sein mit deiner Seele,
von des Feuers Kraft verzehrt,
nichts von mir den Menschen fehle,
keine Leidenschaft verwehrt,
prall das Leben quillt hervor,
wo die Hitze euch versengt,
wenn Ich öffne unser Tor,
alle Formen sind gesprengt.
© Karsten Cascais

Dienstag, 14. Juni 2011

Der Kommunikation allgemeine Bindungskraft

Copyright Karsten Cascais
Hinweis: aus urheberrechtlichen Gründen nur die Zusammenfassungen mit freundlicher Erlaubnis des Berechtigten, der gesamte Beitrag ist erschienen in der Essay-Sammlung: Sein und Werden in der Göttin Schoß


1 Kommunikation – Leben erzeugende Information   
2 Die verbindende Kraft der Kommunikation   
3 Urbewusstsein   
4 Verallgemeinerung zum Selbstbewusstsein   
5 Nicht der Inhalt, die Kommunikation allein verbindet   
6 Informationsrevolution: Verallgemeinerung der Verfügbarkeit   
7 Die Kommunikative Bindungskraft folgt nur aus dem Gefühl   


Überblick

Kommunikation ist der Austausch von Gefühlen oder Informationen zwischen selbständigen Einzelnen und zwar mittelbar als informative Kommunikation mittels Symbole oder unmittelbar als emotionale Kommunikation, wobei auch die mittelbare stets nur auf emotionalem Wege dem Einzelnen verständlich sein kann, wie umgekehrt jede durch einen Einzelnen erteilte Information auf einer emotionalen Grundlage beruht. Die Kommunikation ist Teil eines jeden Lebensprozesses, da jedes am Prozess eines Werdens beteiligte Glied die zugrunde liegende Information nur auf diesem Wege erfassen kann. Eine Kommunikation zwischen getrennten einzelnen Beteiligten kann nur durch eine sie verbindenden Kraft erfolgen, der Bindungskraft, ohne sie würden die Einzelnen nur beziehungslos nebeneinanderstehen. Durch diese Kraft können Einzelne Gemeinsames bewirken, wobei sie nicht von einem Selbstbewusstsein abhängig ist, sondern selbständig nur einem Allgemeinen, das außerhalb des Werdens steht, entstammen kann. Jede Kommunikation, auch schon bezüglich der Prozessinformation zwischen am Prozess beteiligte Zellen, setzt eine Art Urbewusstsein voraus, das der Bindungskraft ihr Wirken ermöglicht und das sich vermutlich entwicklungsgeschichtlich zu einem sich selbst erkennenden Bewusstsein, einem Selbstbewusstsein, verallgemeinert hat. Das Urbewusstsein ist eine unmittelbare Eigenschaft der allgemeinen die Welt belebenden Kraft, die bereits die Formen einer emotionalen Kommunikation ermöglicht. Es ist Träger der verbindenden Kraft der Kommunikation und ermöglicht so die zwischen den am Prozess des Werdens eines Lebens beteiligten Glieder erforderliche Informationsübermittlung. In einer Verallgemeinerung des Urbewusstseins zum Selbstbewusstsein mit seiner Möglichkeit zur endlosen Selbstbespiegelung wuchs dem Menschen die Fähigkeit zur informativen Kommunikation zu, dabei gewann er auch eine Vorstellung von einem Sein, das die Dimension des Werdens sprengt. Informative Kommunikation allein ist stets abstrakt und kann Bedeutung nur dadurch erlangen, dass sie von einem Einzelnen emotional wahrgenommen wird. Nur hierdurch wird sie für das Leben relevant. Die verbindende Kraft der Kommunikation kann daher auch nicht dem Inhalt entstammen, sondern allein der Form der Kommunikation und damit der selben Grundlagen, die auch das Urbewusstsein ermöglicht. Sie ist die Kraft bei der allgemeinen Belebung der Welt, die dafür sorgt, dass Einzelne sich miteinander zu einem Gemeinsamen verbinden können. Die mit der Kommunikation verbundene Kraft stellt eine elementare Eigenschaft bei der Belebung der Welt dar. Auch Menschen können nur kraft ihrer zusammenwirken. Sie verleiht der Information ihre elementare Bedeutung für das Leben einschließlich aller virtueller Formen von Gesellschaft und Kultur und ermöglicht ihre Umsetzung in einzelne Aktionen des Werdens, woraus das Leben alleine besteht. Durch ihre Entwicklung von einer gegenständlichen face-to-face Beschränkung über die Verschriftlichung und ihrer drucktechnischen Ausweitung bis zur gegenwärtigen vollständigen Entgegenständlichung aller Informationsformen infolge ihrer Digitalisierung, ihrer Verbreitung und nahezu bedingungslosen Zugänglichkeit erweist sich die Information als eine der wahrhaften Grundbedingungen für die Belebung der Welt. Die Konsequenzen ihrer Verallgemeinerung können wir gegenwärtig kaum abschätzen. Diese Bedeutung der Information für das Leben in jeder Form bezieht sich aber nur auf die informative Kommunikation. Entscheidend für die Umsetzung einer jeden Information ist aber allein die emotionale Kommunikation, woran sich durch die gegenwärtige Informationsrevolution nichts ändert. Die Bindungskraft selber zu erfahren, kann dem Einzelnen daher auch nur bei der emotionalen Kommunikation gelingen.
  

Sonntag, 5. Juni 2011

Waldeslust - Ballade

James William Waterhouse,
Circe offering the cup to Ulysses(18891)


Betrübt den Schritt ich lenkte durch den Wald,
warum nur hörten Menschen nicht,
was ihrem eignen Wohl alleine galt,
nicht anders als der Bäume Licht,
die Wahrheit im Gestrüpp verstrickt blieb hängen,
wenn aufgespießt durch Widerspruch,
verloren in Lianen langen Fängen,
erlegen durch der Einsicht Bruch.

Ich selbst, ich sah die Richtung deutlich klar,
die Wege, die wir mussten gehen,
doch niemand wollte wissen, was war wahr,
und keiner jene Zeichen sehen,
die uns gesetzt, dem hohen Licht zu folgen,
das selbst schon leuchtend vor uns schien,
die Bahn, die wir beschritten, zu vergolden,
uns führte zu den Göttern hin.

So misstrauisch der Mensch war nun geworden,
der vielen Heile überdrüssig,
dass selbst das Glück ihm lange blieb verborgen,
als wäre es ihm überflüssig,
nur Leid versprach ihm himmlische Erholung,
der Freude musste er sich schämen,
ihm galt es als genügende Belohnung,
das Elend schmerzvoll zu verbrämen.

Wenn hinter Gutem Schlechtes sich verbirgt,
das Schöne seine Fratze zeigt,
der Masse Gier des Schenkers Lohn verwirkt,
vor Nied’rem Hehres sich verneigt,
wer kann davon das Bessere noch scheiden,
des Lebens lüstern Kraft ermessen,
der jedes eigne Werden will vermeiden,
von dem Verteilen ist besessen.

Der Weg, hinan zum Gipfel Glück zu streben,
Entbehrungen dem Mensch legt auf,
des Werdens Lust und Freude zu erleben,
auf Mühen gründet es zuhauf,
belohnt wird es jedoch vom Allerhöchsten,
ein jeder je erleben kann,
zu sehen in das Angesicht des Schönsten,
der Göttin Licht beleuchtet dann.

Des Waldes trübe Schleier sich anhoben,
des Unterholz‘ Gestrüpp zerbarst,
als gleißend Licht mit allem ward verwoben,
zuvor im Finsteren du warst,
nie wirst mit Worten du mich je erreichen,
der Göttin Stimme sich erhob,
mit eueren Begriffen nie erweichen,
längst die Idee vor mir zerstob.

Mich, sagte sie inmitten Flammen lodernd,
kannst nur ergründen, mich zu fühlen,
nicht durch Ideen und Begriffe modernd,
in Lust und Liebe mich aufwühlen,
sprich diese Sprache mit den Menschen auch,
sie werden dich sogleich verstehen,
genug ist nun der leeren Worte Rauch,
sie zu Beliebigkeit verwehen.
© Karsten Cascais

Montag, 30. Mai 2011

Kultur, Grundlage virtuellen Seins

Primat des Fühlens
Das Bewusstsein kennt an sich zweierlei Arten von Wahrnehmungen, Informationen und Gefühle, wobei jedoch das Erstere durch das Letztere nur empfunden wird, mithin das Gefühl auch der Wahrnehmung von Informationen dient. Denn das Bewusstsein kann selbst als ein Gefühl interpretiert werden, das durch die Aktualisierung des Gefühlten überhaupt erst entsteht. Informationen treten dadurch ins Bewusstsein, dass sie gefühlt werden, ganz gleich ob sie den Sinnen, den eigenen inneren Sensoren oder aber dem Gedächtnis entstammen. Die Informationen werden zueinander in Beziehung gesetzt und ihnen unterschiedliche Bedeutung beigelegt, wobei der Grad und auch die Art der Bedeutung allein durch das damit verbundene Gefühl bestimmt wird. Notwendigerweise erfolgt auch die Verarbeitung der Informationen allein vor dem Hintergrund des Gefühls. Die Gesetze, die die Verarbeitung bestimmen, wie etwa die der Logik, folgen aus der Funktionsweise des Gehirns und beziehen sich allein auf die Informationen. Das Gefühlte selbst unterliegt ihnen nicht, jedoch bestimmt es die Verarbeitung. Für das Gefühl haben Gründe und Zwecke ebenso wenig Bedeutung wie kausale Unterscheidungen nach Ursache und Wirkung. Auch die Zeit hat keinerlei Bedeutung, wie sich schon daraus erhellt, dass der Mensch mittels des Bewusstseins ein Zeitgefühl nur durch die Empfindung der Gegenwart, ebenfalls Ergebnis eines Gefühls, erlangt. Das Gefühl bedarf keiner Gründe und keiner Ableitung, vielmehr gibt es selbst Gründe und ist Anfang oder Ende von Ab- oder Herleitungen. Das hindert uns nicht, Gefühle bestimmter Art in Erklärungszusammenhänge zu stellen und so das Eine mit dem Anderen zu erklären, was aber bereits ausschließlich auf der Ebene der Informationsverarbeitung geschieht. Die Gefühle selbst indessen bedürfen keiner Erklärungen, sie selbst jedoch erklären. Wenn daher der Mensch an etwas teilhat, das über ihn hinausgeht, wie seine Beteiligung am allgemeinen Leben (der belebten Welt), kann dies nur gefühlt, aber niemals aufgrund von Informationen isoliert verstanden werden. Wir können es natürlich so verstehen, wie wir alles verstehen, indem wir es fühlen und ihm auch durch das Gefühl einen Sinn geben. Damit bewegen wir uns aber auf keiner anderen Ebene als alle unsere Wahrnehmungen als Ergebnis eines Werdens und nie eines Seins. Die Idee eines Seins, das ohne Anfang und Ende und ohne in jedem Augenblick, bewirkt zu werden, ist, entstammt allein dem Göttlichen und an diesem können wir nur, wenn überhaupt, durch unsere Gefühle teilhaben. Die ist einer der Gründe, warum wir der Lust und Liebe und dem Glück im Heiligtum als Ausdruck der göttlichen Lebenskraft die ihnen zukommende Bedeutung auch verschaffen wollen. Wenn das Belebende des Menschen (und anderer Wesen) göttlichen Ursprungs ist (das heißt außerhalb des Werdens steht), dann entstammt das Bewusstsein und mit ihm das Gefühl eben diesem Umstand. Wenn wir aber über Kultur reden, dann können wir es nur vor diesem Hintergrund tun, denn Kultur ist zuerst einmal nichts anderes als ein unterschiedsloses Sammelsurium von zusammengetragenen oder auch nur zusammengekommenen Informationen über Erfahrungen Einzelner, die bereits in der Weise kommuniziert (und damit zu mitteilbaren Symbolen abstrahiert) wurden, dass sie auch für andere wahrnehmbar sind.

Emotionale und informative Kommunikation
In der Erinnerung des Einzelnen werden nur Informationen gespeichert, mit der Erinnerung werden sie emotionalisiert (und damit aktualisiert) und dadurch wahrgenommen. Gespeichert werden aber auch Informationen über Gefühle, ob zum Beispiel mit einem bestimmten Ereignis Angst oder Freude verbunden war, aber insoweit handelt es sich auch bei den Angaben zu den Gefühlen um Informationen und nicht wiederum um Gefühle. Erst mit der Erinnerung durch Emotionalisierung können gewissermaßen die damit verbundenen Gefühle zum Leben erwachen, das heißt sie werden aktualisiert. Dabei müssen diese Gefühle aber nicht unbedingt den ebenfalls erinnerten Informationen über seinerzeit damit verbundenen empfundenen Gefühlen entsprechen, das hängt vielmehr von der Realisierungswahrscheinlichkeit der Erinnerung ab, wie auch hinsichtlich erinnerter anderer Abläufe. Im Wege der Kommunikation tauschen die einzelnen Menschen ihre Informationen mittels Symbole, wie Sprache und Gesten, aus, auch Informationen über Gefühle. Darüber hinaus können in bestimmten Fällen auch auf direkten Kontakt beschränkte Gefühle unmittelbar kommuniziert werden, das heißt ohne eine Vermittlung durch Symbole und damit ohne der diesen notwendigerweise zugrunde liegenden Abstrahierung. Entwicklungsgeschichtlich ist die unmittelbare emotionale Kommunikation von wesentlicher Bedeutung für die Gruppenbildung und ermöglicht auch Kommunikation mit nichtmenschlichen Lebewesen. Sie ist jedoch auf die hierbei eröffneten biologischen Abläufe beschränkt und lässt sich nicht auf andere Konstellationen übertragen, vor allem nicht auf abstrakte und symbolhaft übermittelte Informationen, soweit nicht gleichzeitig die biologische notwendige Konstellation für unmittelbare emotionale Kommunikation vorliegt. Diese Beschränkung ist bedeutend für alle virtuellen Phänome wie gesellschaftlicher und auch kultureller Art. Denn in diesem Bereich können Informationen -auch über Gefühle- nur mittels Symbole kommuniziert werden, womit natürlich das unmittelbare emotionale kommunikative Erlebnis wegfällt und die symbolhafte Vermittlung nur noch ausgewählte Merkmale umfassen kann und der emotionalen Nachricht die Authentizität verloren geht.

Verdrängung der emotionalen durch die informative Kommunikation
Aus diesem Grunde erfolgte auch die größte Veränderung - einem Paradigmenwechsel gleich- in der Virtualisierung gesellschaftlicher Zusammenhänge mit dem Übergang von der emotionalen bzw. genauer gemischt emotionalen und informativen Kommunikation zur rein informativen Kommunikation zur Abstimmung gemeinsamen Verhaltens (zur bestimmten Zeit an bestimmtem Ort sich in bestimmter Weise zu verhalten). Dies geschah im Zusammenhang mit der Verschriftlichung der Welt, als die schriftlich niedergelegte Informationsvermittlung ebenso üblich wurde, wie die schriftliche Problemfindung, wodurch erst die heute uns selbstverständlichen abstrakten Kommunikationsebenen geschaffen wurden. Sie mochten zuvor zwar schon ansatzweise vorhanden gewesen sein, wie die frühe Bedeutung einer formalisierten Rethorik in der Antike nahelegt, gewannen aber universelle Bedeutung erst durch die Verbreitung der schriftlichen Informationsübermittlung auch im alltäglichen (und nicht nur religiösen) Zusammenhang. Erst jetzt konnten mit Hilfe schriftlich übermittelter Informationen die ersten gesellschaftlichen Großreiche gebildet werden, wie hierin auch die Durchsetzung des Patriarchats, seine Entartung zur Phallokratie und die Verdrängung der Göttinnen und des Matriarchats, die schließlich im patriarchalen Monotheismus mündete, ihren Grund findet. Gekennzeichnet sind die neuen rein informativen Kommunikationsformen durch den Bedeutungsverlust der unmittelbaren emotionalen Kommunikation zur Bewirkung abgestimmten Verhaltens und damit gesellschaftlicher Einrichtungen, die Verdrängung der bildhaften durch die verbale und begriffliche Kommunikation. Die unmittelbare emotionale Kommunikation behielt im gesellschaftlichen und kulturellen Bereich Bedeutung nur noch für bestimmte Formen der Massenhysterie, wie sie sich vor allem Demagogen zu eigen machen, in dem durch abstrakt definierte Verhaltensweisen in einer Vielzahl von Menschen mehr oder weniger übereinstimmende Gefühlsmuster hervorgerufen werden, bezüglich derer durch das Wissen (Information) von den bei anderen erzeugten Gefühlen das massenhysterische Phänomen erzeugt wird.

Kultur als Summe fühlbarer Informationen
Als Kultur nun bezeichnet man die Summe der in einer bestimmten Gesellschaft vorhandenen Informationen zur Schaffung virtuellen Seins durch ein nach dieser Information bestimmtes gemeinsames und abgestimmtes Verhalten. In den Rang der Kultur wird eine Information dadurch erhoben, dass der Einzelne hierzu über die weitere Information verfügt, dass auch andere von dieser Information wissen und welche Bedeutung sie ihr beilegen. Bedeutung erlangt Information allein durch das jeweilige vom Einzelnen damit verbundene Gefühl. Eine Information, der von niemand eine Bedeutung beigelegt wird, ist belanglos und nicht Teil der Kultur, sie kann es aber jederzeit werden, sobald mit ihr wiederum ein Gefühl verbunden wird. Die Bedeutung einer Information ist mithin ihre Eignung, Gegenstand von Gefühlen sein zu können. Dies folgt auch zwingend daraus, dass es Kultur ohne Bewusstsein nicht geben kann, Bewusstsein selbst ist aber nur durch Fühlen möglich, das Bewusstsein ist ein Gefühl. Für die Kultur, beziehungsweise für Teile von ihr ist daher der Grad kennzeichnend, mit dem die in ihr enthaltenen Informationen Gefühle bei Menschen auszulösen vermögen. Nicht Gegenstand der Kultur ist ihre Eignung, wahr zu sein oder auch durch Umsetzung der enthaltenden Information zu praktischen Ergebnissen zu führen und Bestimmtes zu bewirken. Die hierzu unterschiedliche Eignung bestimmt zwar die Gefühle und diese Eignung gesellt sich den Informationen zu, sie qualifiziert indessen nicht die Kultur. Deswegen sprechen wir von der Kultur auch als Sammelsurium, das unterschiedslos alles enthält, was mit Gefühlen verbindbar ist. Dieser Zustand der Kultur entspricht dem des freien Willens, der sich kraft seiner universellen Plastizität einen jeden Inhalt ungeachtet einer etwaigen Realisierbarkeit geben kann. Alles, was gedacht wurde oder denkbar ist, kann zum Teil der Kultur werden. Ein Korrektiv wie in der biologischen Evolution durch den Umstand des Lebens und auch am allgemeinen Leben der Welt teilzuhaben, gibt es in der Kultur nicht, die Kultur hat kein eigenes Sein. Sie ist nur das, was sich aus den Einzelnen ergibt, wenn dort Allgemeines und Abstraktes, in deren Symbolik Kultur sich allein mitteilen kann, auf dessen Konkretes trifft und hierin mittels Fühlens überführt wird.

Kultur im Schein der Göttin
Das einzig Allgemeine, an dem der Mensch teilhaben kann, besteht in seiner Zugehörigkeit zum allgemeinen Leben. Das allgemeine Leben entstammt der die Welt belebenden Kraft der Göttin. Diese Kraft, deren Richtung durch die Lust und Liebe und das Glück dem Bewusstsein vorgegeben ist, erlebt der Mensch ausschließlich durch sein Gefühl. Er besitzt hierüber keine Informationen und mit den Mitteln, wie er ansonsten Informationen verarbeitet, kann er sie nicht fassen. Wie alles Gefühlte kann er sie nur als auf ihn Wirkendes und ihn selbst Bewirkendes hinnehmen und die Kraft der Göttin als eigene übernehmen. Mangels Information kann diese Kraft nicht Gegenstand der Kultur sein. Die Kultur verfügt auch nicht über eine eigene Kraft, die losgelöst von der Kraft des Einzelnen wirken könnte. Die Kultur kann aber Informationen enthalten, die es den Einzelnen ermöglicht, ihre Kraft zu bündeln und hierdurch virtuelles Sein zu schaffen. Hierin besteht die Hauptaufgabe der Kultur, denn die Kultur ist als Information von den Beschränkungen durch Ort und Zeit entbunden. Ein eigenes Allgemeines mit allgemeingültigen Ideen und Formen kann sie aber nicht sein. Zu einem gültigen Allgemeinen findet der Einzelne nur über seine Vereinung mit dem Göttlichen des allgemeinen Lebens. Dies ist der Weg des Heiligtums, die Gegenwart der Göttin und des Göttlichen zu fühlen. Die Kultur sammelt aber alle Erfahrungen auch hierüber und diese Erfahrungen erst verschaffen der Kultur im Hinblick auf alles virtuelle Sein eine besondere Dimension. Im Virtuellen geht es stets nur um das Bewirken, infolge der verlässlichen Wiederholung des Bewirkten entsteht aber der Eindruck eines virtuellen Seins und damit die Möglichkeit zur Schaffung scheinbarer Einrichtungen, die über das einem Einzelnen nur mögliche Bewirken weit hinausgehen. So wird die gesammelte Information hierüber zur Grundlage von virtuellen Kontinuitäten und damit kulturellen und gesellschaftlichen Einrichtungen (die allesamt nur virtuell bleiben – jedes Orchester verstummt, wenn die Musiker nicht mehr spielen und selbst die härtesten Plastiken zerfallen, wenn sie nicht ständig erneuert werden), die allein aufgrund einer emotionalen Kommunikation niemals bewirkt werden könnten, bzw. deren verbreiterte emotionale Grundlage nur infolge der das gemeinsame Verhalten steuernden Informationen entstehen konnte. Die durch den freien Willen infolge der ihn gestaltenden universellen Plastizität eröffnete gedankliche Vielgestaltigkeit setzt sich in der Kultur als Möglichkeiten virtuellen Seins fort – über die Realisierbarkeit des zu Bewirkenden ist damit nichts gesagt, denn es gibt immer nur eine Bewirken und nie ein Sein. Eine Vorstellung und ein Erleben des Allgemeinen ist dem Menschen nur in der Vereinigung mit der Göttin und ihrer das Leben gestaltenden Kraft möglich. Die Kultur indes lebt in ihrem Schein. gp