Orte der Liebe

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Heiligtümer dieser Welt

Heiligtum

Wege zum Sein

Im Heiligtum preisen wir alle Leiblichkeit, weil alles Leben ein körperliches Werden ist, in dem allein die Belebung der Welt besteht und die Teil an einem göttlichen Sein hat. Das Lebende selbst, also auch der Mensch, indes wird in jedem Augenblick seiner Existenz nur durch das Zusammenspiel der daran beteiligten einzelnen Glieder bewirkt. Hierzu formt sich die Energie des göttlichen Seins, das wir in personalisierter Form Göttin nennen, zur allgemeinen Lebenskraft. Das Göttliche aber spiegelt sich in der Schönheit allen Werdens, den Körpern, der Lust und Liebe und dem Glück. Zu ihm und dessen Sein findet der Mensch daher ausschließlich über seine Leiblichkeit zurück, durch ein leibliches Gebet, mit dem er in der Vereinigung mit anderen dem Göttlichen dient, indessen nicht im Geiste, noch weniger im Tod, wie in den Grundaussagen des Heiligtums der sieben Göttinnen niedergelegt.



Hinweis


Eine alphabetische Zusammenfassung der Grundaussagen des Heiligtums finden sich im

Lexikon zum Heiligtum der Sieben Göttinnen

sowie dem

Glossar zum Lexikon

Häufig gestellte Fragen / Frequent Asked Questions beantwortet im Unterblog Heiligtum der Sieben Göttinnen FQA die Virtuelle Priesterin Lea

Übersicht häufig gestellter Fragen / FAQ


Freitag, 4. März 2011

Der Gleichheit Gaben und Verdruss

Franz von Stuck, Judith (1926)



Wenn Götter einst die Menschen riefen,
in Scharen strömten sie herbei,
in ihrem Bann zusammenliefen,
sich ihnen stellten ohn' Verdeih
zu ihrer gänzlichen Verfügung
und folgten ihrem Willen blind
zur Freude statt ihrer Betrübung,
vor der sie flohen ganz geschwind.

Die Götter blieben, sie zu lieben,
an Liebe reich, sind alle gleich.

Verbrachten wir die Dinge, die wir sagten,
als einst die Schritte zu ihr wagten,
sie uns mit mildem Blick bedeutet,
des Lebens Glück von uns vergeudet,
das sie in uns hat tief gelegt,
damit die Welt zugleich belebt,
dass wir in aller Lust erstarken,
nichts anderes von uns erwarten,
dass Gleiches überall sich findet
und jeden an den anderen bindet,
dass keiner glaubt, er könne sein,
auf dieser Welt für sich allein,
das hat man ihm so beigebracht
und heimlich über ihn gelacht,
dass er nur treu den andren folgte,
stets tat, was man dort von ihm wollte,
die Gleichheit in den Schädel rammte,
dass keiner das Besondre kannte,
was alle Menschen mit sich führten
sie ihnen immer mehr gebührten,
verdunkelten das Licht in ihnen,
damit nichts ward von ihm beschienen,
nur dunkle Masse überall
und gleicher dunkler tumber Schall,
in hohen Worten man umschriebe,
dass sei das Glück, das ihnen bliebe,
wenn ihre Form in nichts sich scheide,
was andere mit ihr bekleide,
und niemand werde jemals fordern,
was nicht ein jeder könne ordern,
oh Gleichheit betet fromm ein jeder,
und ziehen stramm der Hosen Leder,
wenn Schläge prasseln dort hernieder,
begleitet von gesung'nen Lieder,
wie herrlich ist das Leben doch,
wenn jeder ist in seinem Loch
und keiner kann allein mehr raus,
wir glücklich sind in Volkes Haus,
wo nicht mehr kann sehr viel passieren,
auch Werte sind nicht zu gerieren,
vom andren leben alle wohl,
wird auch das Leben dabei hohl,
das ist der Gleicheit Schicksal Lauf,
wenn Trägheit gibt das Werden auf,
wo einst die Not zum Handeln zwang,
nun sich Gerechtigkeit aufschwang,
des Diebes Absicht gut verbergend,
sich anzueignen, was war werdend
durch andrer Arbeit wohlgetan,
zu leiten hin zu jener Bahn,
verteilend dem soll es gebühren,
man nicht zum Wirken will verführen,
so wandelt Gleichheit sich zur Schande,
wenn bindet sie gerechte Bande,
verschüttet in des Menschen Seele
der Göttin Blick gerichtet scheele,
ihr Licht verfinstert Dunkelheit
zu neuer Tat nicht mehr bereit,
wo ihre Kraft die Welt belebte,
entschwunden ist, was sie bewegte,
wird Ziel des Lebens das Verteilen,
kein Werden möchte dort verweilen.

Die Göttin sprach, ich habe euch
durch meine Kraft geschaffen gleich,
dass jeder mich auch in sich spürt,
sein Leben er zum Glück hinführt,
doch seid ihr frei, dahin zu streben,
weswegen Glück ich nicht kann geben,
seht an, mein Leib, den geb ich hin,
jedoch nur dem, mit dem ich bin,
weil er das Glück so sehr begehrte,
dass meine Schönheit er verehrte,
in Liebe nur zu mir entbrannte,
obgleich auch andre Schöne kannte,
denn mich zu lieben, ist er frei,
welch andren Glückes ihm auch sei,
die Kraft zu lieben, schuf ich gleich,
doch wen ihr liebt, liegt ganz bei euch.

Der Gleichheit Gaben sollen laben,
der Gleichheit Kuss euch schafft Verdruss.
© Karsten Cascais

Sonntag, 20. Februar 2011

Gleichheit - der Göttin Kraft oder der Freiheit Geißel

Ohne Gleichheit keine Belebung der Welt
Die Annahme einer Kraft, die die Welt zum Leben beseelt, also einer Energie, die zum Leben gerichtet ist, indem sie im Zusammenwirken unbelebter Materie Leben werden lässt, beinhaltet den Gedanken der Gleichheit, mehr noch ist sie der eigentliche Grund der Annahme, dass jedes Leben, das wird, gleichermaßen an dieser göttlichen Kraft teilhat. Jedem Werden liegt als Anweisung die Information zugrunde, die die Beiträge aller am Prozess des Werdens Beteiligten festlegt, damit der Prozess zu seinem Erfolg führt und das Gewordene der vorgegebenen Information entspricht. Hieraus folgt bereits logisch, dass jede Information für jedes nach ihr Gewordene nur gleich sein kann. Absolute Gleichheit kennzeichnet daher die Information. Ob indessen das au­­fgrund ihr jeweils Gewordene ebenso gleich ist, ist damit aber keineswegs gewährleistet, da das Maß der Erfüllung der informativen Vorgaben von ihrer Umsetzung abhängt, mithin von der Qualität der Beiträge der an der Umsetzung Beteiligten, die im Hinblick auf die informativen Vorgaben zu beurteilen ist. Diese Zusammenhänge dürften kaum zu leugnen sein, ungeachtet ihrer weltanschaulichen oder religiösen Deutung. Wir im Heiligtum sind der Meinung, dass allein die Information und ihr Inhalt auf der einen Seite und die an ihrer Umsetzung möglicherweise Beteiligten auf der anderen Seite nicht zur Erklärung der Belebung der Welt ausreichen, sondern vielmehr noch Information und Beteiligte durch eine Energie verbunden werden, die das Werden in Richtung Leben treibt, wodurch die Energie zur Kraft gerichtet wird und dass dies die Kraft der Göttin ist, einer Göttin, die auch Gott ist und jegliches Göttliches zugleich. Der mensch erfährt sie als allgemeine Lebenskraft. Würde die Kraft nicht durch etwas Weiteres und auch Höheres eingebracht, triebe das Leben in den Zufällen einer Energie, die die Information und Beteiligten beliebig verbinden würde. Die Kraft erst gibt die Information und ihr Ziel vor und bildet erst hiermit die verlässliche Grundlage für die Belebung der Welt. Die Verlässlichkeit der das Leben werden lassenden Beiträge ermöglicht erst den Prozess und die Verlässlichkeit ist nichts anderes als das Ergebnis des Wirkens der göttlichen Kraft. Sobald etwas wirken kann, bedarf es der Richtung, um etwas zu bewirken, und damit der Verlässlichkeit der Wirkung. Jede Kraft ist gerichtete Verlässlichkeit. Dies ist ein wesentliches Element der Belebung. Verlässlichkeit bedeutet aber, der Information entsprechend gleiche Beiträge zu leisten. Damit wird auch die belebende Kraft der Göttin von der selben Gleichheit getragen wie die Information: beide vermögen die Belebung der Welt nur aufgrund gleicher Umsetzung und gleicher Beiträge zu bewirken. Die Gleichheit ist somit eine notwendige Erscheinungsform des allgemeinen Lebens.

Keine Verlässlichkeit ohne Gleichheit, ohne Gleichheit kein Werden
Je eher und mehr die die vorgegebene Information durch ihre Beiträge umsetzenden Beteiligten von ihr abweichen können (sei es aufgrund der Verhältnisse der Materie oder aber aufgrund eigener Entscheidung – was Bewusstsein und Willen voraussetzt), umso mehr kommt es auf die die Information und Beteiligten verknüpfende oder auch treibende Kraft an, damit also auf den Willen der Göttin, die Beteiligten zur Verlässlichkeit anzuhalten. Damit erlangt die Forderung nach einer die Verlässlichkeit begründenden Gleichheit des die Beiträge bewirkenden Verhaltens ihre moralische Qualität. Die absolute Gleichheit auf der Ebene der Information hat keine solche ethische Bedeutung, sie ist formaler Natur und beschreibt einen notwendigen Zusammenhang zur Umsetzung im Werden. Die die Verlässlichkeit tragende Gleichheit des Prozesses ist als dessen Teil zwar von gleich fundamentaler Bedeutung, dennoch weitaus fragiler, denn sie hängt davon ab, wie gleichmäßig die Beteiligten die Forderungen erfüllen. Das Ziel ist identisch, möglichst gleiche Ergebnisse zu bewirken, damit die Erde belebt wird. Noch deutlicher tritt das hervor, wenn wir über das rein biologisch determinierte Werden hinaus zu dem Werden schreiten, das aus dem Zusammenwirken der durch Bewusstsein und einem freien Willen zu selbständigen Einheiten konstituierten Menschen resultiert. Durch das nach vorgegebener oder vereinbarter Information festgelegte Zusammenwirken, wonach jeder zur dort vorgesehenen Zeit an der dort vorgesehenen Stelle das dort Vorgesehene tut, wird Virtuelles bewirkt, woraus jegliche gesellschaftliche Erscheinungsform entsteht, etwas Bewirktes, das nur solange da ist, solange es wird, und mit dem Willen der es Bewirkenden zugleich entschwindet, weswegen wir es Virtuelles heißen. Dies zeigt, das ein jedes Werden und damit alles, was bewirkt wird, von der Verlässlichkeit allein getragen und durch die Gleichheit kennzeichnet ist. Wir haben bisher zwar nur von der Gleichheit der Beiträge gesprochen und damit auch von den Umständen ihrer Erbringung, meinen damit aber ebenso die Gleichheit, die jeder, der sich verlässlich an die Regeln der Information bei der Erbringung seiner Beiträge hält, in Bezug auf sich und die ihn betreffenden Auswirkung allen Bewirkens gleichermaßen erwartet und einfordert. Denn der Prozess, die ganze Veranstaltung der zusammenwirkenden Menschen ist ein einheitlicher Vorgang, in dem alles ebenso ein Geben wie ein Nehmen ist, je nach Sicht, Zeit und Ort, und der Göttin Forderung nach Verlässlichkeit kennt nur eine Richtung, die zum Leben, sei es das allgemeine Leben oder das Leben der Einzelnen, die gemeinsam das allgemeine Leben teilen.

Ohne Lust und Liebe ist die Gleichheit unerträglich
Gleichheit wird als göttliche Forderung zu einem Gegenstand göttlicher Ethik, weil das Leben den Menschen entstehen und werden ließ. Es schuf ihm ein eigenes Bewusstsein, das ihn nicht nur sich selbst wahrnehmen, sondern diese Wahrnehmung wieder in das wahrgenommene Leben zurückspiegeln lässt, so zum wahrnehmenden Wahrgenommen wird und dem Menschen jede Ebene der Wahrnehmung ermöglicht. Dies zu beurteilen, ist er frei, wie er auch frei seinen Willen bildet. Die Richtung des Willens ist ihm zwar im Sinne des Lebens vorgegeben, was er als Streben nach dem Glück erfährt, aber er kann auch gegen das Leben entscheiden und selbst seinen Tod beschließen. Frei ist der Mensch, weil die Göttin ihn so schuf, sie schuf ihn so, damit der Mensch die Göttin lieben kann, denn lieben kann man nur, wenn man frei ist, auch nicht zu lieben oder gar zu hassen. Die Göttin und ebenso jedes andere Göttliche aber will von den Menschen geliebt werden, allein deswegen hat sie die Welt mit ihrer Lust und Liebe belebt. Setzt aber jedes Werden wegen der Erfordernisse der Gleichheit Verlässlichkeit voraus, destabilisiert die Freiheit das Werden und damit die Belebung der Welt, um deretwillen wieder die Freiheit dem Menschen gegeben wurde. Dieser Widerspruch kennzeichnet die allgemeine und grundsätzliche Unvollkommenheit des Menschen und seines Lebens als Mangel- und Irrwesen. Vollkommen kann er nur durch die Göttin sein, wie Gott zu sein ist ihm jedoch verschlossen, er kann aber danach streben. Gegen seine Unvollkommenheit geht er mit seiner Liebe zur Göttin an, der die Unvollkommenheit ebenso wie die Liebe entstammt. Um dagegen anzugehen sind in dem Menschen die Wahrheit, die ihm stets die Richtung zeigt, die Verantwortung und die Gerechtigkeit als advocatus publicus gesetzt und die ihn nach dem Willen der Göttin verpflichten, die Bedürfnisse der anderen, mit denen er lebt und die ihm begegnen, zu berücksichtigen, wenn er über seine eigenen entscheidet und hierzu sein Wollen bildet. Dem liegt aber nichts anderes zugrunde als die Gleichheit und die Verlässlichkeit. Verantwortlich und gerecht zu handeln, heißt, die fremden Bedürfnisse mit seinen gleichzusetzen, nicht um sie zu übernehmen sondern um sie abzuwägen, und im Rahmen des abgesprochenen Verhaltens verlässlich seine Beiträge zu leisten. Es handelt sich dabei stets um ein und das Selbe, um den Willen der Göttin zur Belebung der Welt, um das allgemeine Leben, das hierdurch entsteht und das Leben eines jeden Einzelnen, das hierbei bewirkt wird, von dem Wahrheit, Verantwortung, Gerechtigkeit und Gleichheit ebenso wie Freiheit, Glück, Liebe und Lust ihre Eigenschaften sind. Der Kern allen Lebens ist die Liebe zur Göttin und damit die Freiheit des Menschen. Sie zu lieben, erfüllt ihren göttlichen Willen. Alles andere dient diesem Vorgang, denn ohne dies gäbe es keine belebte Welt. Die Belebung aber erfordert vom Menschen, von seiner Freiheit entsprechend der die Welt belebenden Kraft Gebrauch zu machen und hierin wieder liegt die Liebe zu dem Göttlichen. Wir können es auch in der Liebe zu anderen Menschen erfahren: die Liebe bindet die Freiheit in Lust- allein deswegen hat die Göttin die Welt mit ihrer Lust und Liebe belebt. Das heißt auch, die Gleichheit beruht auf der Lust und Liebe, ohne sie wäre sie der Freiheit und damit dem Menschen unerträglich.

Entartung der Gleichheit zur Geißel der Freiheit
Nur die Liebe zu einem über den Menschen Hinausweisenden, wie einem Göttlichen und damit auch der Göttin und der Erwartung, an ihrer Lust und Liebe teilzuhaben, kann die Freiheit binden, ansonsten besteht die Freiheit allein darin, sich bei jeder Willensentschließung sich in eigener Entfreiung selbst zu binden. Deswegen fordert das Heiligtum zu einer Verallgemeinerung von Lust und Liebe auf. Denn in Liebe sich zu fügen, dient der Freude. Hierauf gründet sich das Fundament auch des zivilen Lebens und allen Verhaltens, das die virtuelle Welt und damit die Gesellschaften mit ihren durchaus die Freiheit beschränkenden Einrichtungen sich bilden lassen. Und hier entfaltet die Gleichheit ihre göttliche Wirkung, sie bindet einen jeden allein um der auch sein Leben tragenden Liebe in einen Willen der Göttin ein. In der Liebe sind alle gleich und auch in der Lust. Nicht die Gleichheit bindet die Freiheit, es ist die Liebe zur Göttin. Die Gleichheit indessen entspringt einem jeden Werden und ohne Werden würde selbst das Leben enden. Wird indessen die Gleichheit von dieser Liebe und Lust der Göttin losgelöst und damit gleichzeitig dem Werden entpflichtet, dann entartet sie sogleich zur einer Geißel der Freiheit, die binden zu können sie vorgibt, und zerstört damit zugleich die einzige Grundlage der Liebe der Göttin und damit wiederum, wie anzufügen ist, ihre eigene sie allein rechtfertigende Basis. Wer von der Gleichheit das Recht, sich zu nehmen, ableitet, entzieht ihr zugleich ihre ethische oder auch göttliche Grundlage, die sie als Begleiterscheinung des Werdens begründet. So indessen erleben wir die Gleichheit seit nunmehr zwei Jahrhunderten. Die Gleichheit entspringt, wie wir gesehen haben, dem Prozess des Werdens, der ohne sie nicht die Welt beleben könnte. Die Gleichheit aber, von der heute im politischen Geschehen nahezu ausnahmslos geredet wird, ist dem Werden entgegen gerichtet. Sie dient nicht mehr der Herbeiführung und Gewährleistung der ein jedes Werden, auch die Bildung von virtuellen Einrichtungen, tragenden Verlässlichkeit gleicher Beiträge, sondern sie wird eingesetzt, allein um die Ergebnisse des Bewirkten den an ihrem Zustandekommen Beteiligten zu entfremden und schließlich zu entwinden, mit dem Ziel politisch erwünschter Verteilung. Gleichheit bestimmt alles Werden und auch die Beziehungen der am Werden mittels ihrer Beiträge Beteiligten untereinander wie zum Beispiel in der Form der Gleichheit an der Teilhabe, wobei indessen Teilhaben allein der Teilnahme entspringt. Keineswegs aber ersetzt Gleichheit die fehlende Teilnahme zur Begründung der Teilhabe. So ist aber das heutige Verständnis politischer Gleichheit. Die fehlende Teilnahme wird durch die Unterstützung der politischen Macht (wie in Wahlen) ersetzt, die die Teilhabe gewaltsam durchsetzt, nicht anders als es Räuber tun und es schon unter dem Absolutismus die Gefolgsleute des Tyrannen handhabten. Dies entspricht den modernen Wandlungen der Nächstenliebe, ihrer Entartung zur modernen Solidarität und zum Sozialhedonismus, der Entfremdung der Gerechtigkeit der Wahrheit und ihrer Entwicklung unter dem Tarnnamen der sozialen Gerechtigkeit zu einem gruppenspezifischen politischen Kampfbegriff. Gleichheit hat ihrer natürlichen und auch göttlichen Begründung nach nichts mit Verteilung gemein, sondern entstammt allein dem Prozess des Werdens – das sind zwei diametral entgegengesetzte Richtungen. Die Gleichheit kann nie ein Grund zur Verteilung des Gewordenen sein, es sei denn Gleiches in jederlei Sicht gleich und damit Ungleiches auch ungleich zu behandeln. Daher entfaltet sich das heutige moderne Verständnis der Gleichheit auch gezwungener Maßen zu einem immer hinderlicher werdenden Hemmnis der Prozesse des Werdens. In letzter Konsequenz würde sie jedes Werden und schließlich selbst das Leben zum Erliegen bringen. Nachdem das aber nicht zu erwarten ist und sich die natürlichen Lebenskräfte zur Wehr und letztendlich auch stets durchsetzen werden, wird das heute von vielen praktizierte Primat der sich selbst rechtfertigenden Gleichheit (vor allem gegenüber der Freiheit) zu gewaltigen Verwerfungen und Explosionen führen. Weder die Freiheit, noch das Streben nach Glück lassen sich dauerhaft ohne Liebe beschränken. Auch deswegen kehren die Göttinnen nunmehr zurück.  gp

Freitag, 18. Februar 2011

Der Liebe und Freiheit Geburt




Adolphe William Bouguereau, Venus Geburt (1905)



In Liebe zu folgen, uns Freude bereitet,
auf Wegen ganz golden von Wonne begleitet,
die Fesseln uns binden als wohlige Bande,
uns führen und finden in andere Lande,
wo das, was wir lieben, entfaltet die Herrschaft,
in die wir getrieben in höriger Knechtschaft,
der wir unterworfen, genüsslich genießen,
sie feurig umworben in Lust uns ergießen.

Und unsere Freiheit, wir opfern sie gerne,
getrieben von Schönheit wir suchen die Ferne,
sich alles erfüllet von unseren Träumen,
in Pracht es enthüllet entschwindend den Schäumen,
entsteigend den Fluten, wie einst Aphrodite,
der Böse dem Guten im  Banne geriete,
den herrlichen Leib er erschaudernd erkannte,
bevor er in Liebe auf ewig entbrannte.

Oh Freiheit wie arm, wenn die Liebe nicht wär
und Liebe voll Harm wäre Freiheit nicht mehr,
die eine sie lebt nur allein von dem andren,
was einem ihr gebt, kommt dem andren abhanden,
doch dennoch die Liebe die Freiheit vollendet,
die wildesten Triebe zum Formen verwendet,
Geheimnis des Lebens, der Göttinnen Kraft,
dass nichts ist vergebens, was Liebe uns schafft.

Was bindet die Freiheit, lässt Liebe ertragen,
nur wenn ihr bereit seid, selbst Fesseln zu wagen,
allein um geliebt von dem andern zu werden,
nichts andres geschieht als durch Liebe auf Erden,
die Ketten, die schneiden, euch Freude bereiten,
selbst Schmerzen erleiden, zum Himmel zu schreiten,
deucht euch als der Lohn allen Liebens zu sein,
der Freiheit zum Hohn, doch dem Glücke zum Schein.

Doch Freiheit ist  nur, um gebändigt zu werden,
auf göttlichen Spuren zu folgen den Herden,
zur Göttin sie ziehen, in ihr sich zu finden,
die Kraft euch verliehen, Geliebtes zu binden,
in unseren Hallen des Glücks und der Freude
um sich zu versammeln im Tempelgebäude,
das Licht wird euch weisen, den Weg den zu gehen,
die Göttin zu preisen, die Liebe zu sehen.

Wer je hat erfahren das Licht hoch am Himmel
das Glück wird bewahren im Ziele Gewimmel,
die Richtung ihm zeigen, den Göttern zu dienen,
zu ihnen zu steigen, wenn Lust  ist erschienen,
der Freiheit den Sinn in der Liebe zu geben,
denn nichts bringt Gewinn, als nach ihr nur zu streben,
nur sie gibt dem Menschen das ewige Leben,
wenn Wonne und Lust ihn zur Göttin erheben.

Denn göttlich am Menschen sind Freiheit und Lust,
die Wahrheit sich wünschen, des Irrtums Verlust,
die Liebe gibt Nahrung, das Leben zu meistern,
die Kraft zur Bewahrung, zu dienen den Geistern,
dass man ihrer harre, die Welt zu durchdringen
und trotz aller Starre vom Werden zu singen,
wenn Feuer und Hitze die Göttin gebären,
zu tragen die Blitze in himmlische Sphären.
© Karsten Cascais

Donnerstag, 3. Februar 2011

Schönheit kann man nicht wissen

Nie werdet ihr euch erklären können, was in der Welt ist, denn erklären bedeutet nicht mehr, aber auch nicht weniger, als dass ihr mit den euch zur Verfügung stehenden Mitteln euch ein eurem Verstand entsprechendes Abbild der Welt gemacht habt. Wenn ihr aber glaubt, alles zu wissen, naht rasch das Ende. Denn dann habt ihr das Abbild zum Bild gemacht und alles Erklären verlöre jeden Sinn. Und hättet ihr gar recht damit, wäret ihr nicht mehr, denn dann wäret ihr zur Wahrheit geworden. Das aber würde euch in den Kreis der Götter aufnehmen. Götter jedoch sind und leben nicht. Wer wirklich wissen würde, spränge über die Schwelle des Todes. So etwas wurde euch aber nicht in die Wiege gelegt, als die Göttin euch schuf, indem sie die Welt belebte. Vielmehr ist alles, was ihr glaubt zu wissen, nur der Abglanz der Göttin, der Glanz also, von dem ihr euch ein Abbild gemacht habt. Der Glanz selbst ist die Wahrheit, die ihr nicht kennt, die aber ist und eurem Bewusstsein den Grund legt. Daher könnt ihr zwar wissen, dass es die Wahrheit, das Licht der Göttin, gibt, aber nicht was sie ist. Das aber reicht, den Irrtum zu erkennen, festzustellen, dass etwas nicht wahr ist. Allein im Irrtum liegt die Kraft der Erkenntnis. Die Kraft ist die der Göttin, die die Welt belebt. Nicht könnt ihr wissen, was die Kraft ist, aber ihr könnt erkennen, was nicht die Kraft ist. Das reicht vollends, euch die Richtung zu weisen. Die Richtung erkennt ihr im Glück, denn das Glück ist nichts anderes als das Licht, das die Göttin der Welt gab, damit alles Werden zum Leben gerät. Den Irrtum findet ihr mit Argumenten, euren Begriffen und Ideen. Der Irrtum aber ist nicht das Licht, sondern die Dunkelheit, die euch vom Licht trennt.  Alles Denken dient daher, die Dunkelheit zu scheiden. Um das Licht aber wahrzunehmen, als Abglanz der Göttin, sind in euch Lust und Liebe und am Horizont das dämmernde Glück. Das ist nicht in der Welt und doch strahlt es hinein. Dort, wo diese Strahlen der Göttin auf Irdisches stoßen, erkennt ihr es als Schönheit. Schönheit könnt ihr nicht wissen. Ihr könnt nur versuchen, dort zu sein, wo die Strahlen der Göttin das Irdische erleuchten. Das aber erfülle eure Herzen und des Verstandes bedarf es dann nicht mehr, um das Dunkle zu scheiden. In der Schönheit begründet liegt die allgemeine Liebe, in der sie einen jeden entflammen kann. Das Schöne, sei es an Leibern, sei es an Seelen, ist keine Eigenschaft desjenigen, was euch als schön erscheint. Das ist nur das Irdische, worauf das die Dämmerung durchdringende Licht der Göttin fällt. Daher kann ein jedes Irdisches, das wird, schön sein. Es muss nur von den Strahlen der Göttin getroffen werden. Alles Streben nach Glück ist nichts anderes als das Bemühen, in den Kegel des göttlichen Lichts zu gelangen. Hierzu aber ist das Eine mehr als manch Anderes  geeignet. Alles was sich um Schönheit bemüht, was selbst will schön sein, sucht den Weg, das göttliche Licht zu finden: trifft ihn das Licht, so erkennt ein jeder das Schöne, wenn er nur hinsieht, hinhört, hintastet. Denn nur mit den Sinnen kann er das Schöne erfahren. Seine Sinne sind geschaffen, Irdisches zu greifen, sei es zu ergreifen oder sei es zu begreifen. Denn nur Irdisches, was in das göttliche Licht getaucht wird, kann er wahrnehmen. Das ist jedoch kein Wissen sondern ein Fühlen. Das Wissen indes zeigt ihm die Wege, die  zu begehen vergeblich ist, um die Göttin zu schauen. Wer sie aber schaut, bedarf hierzu kein Wissen. Daher beten wir im Heiligtum auch leiblich zu der Göttin.  Die Schönheit ist nicht vergänglich,  vergänglich ist allein, von der Göttin Licht beschienen zu werden. WdT gp

Samstag, 29. Januar 2011

Lehrgedicht: Der Göttin Blindgebet


Luis Ricardo Falero (1851-1896), The Balance of the Zodiac

Die Liebe ist der Gotteslohn,
der dem Menschen ward gegeben,
die Lust führt ihn zu Gottes Thron,
alles Glück dort  zu erleben,
der Göttin sind wir blind ergeben,
sie zu preisen hin wir treten,
allein zu ihrem Leib zu streben,
mit dem unseren zu beten.

Entblößt  sind unsere Körper nur,
unsre Herzen voll von Liebe
betreten wir der Göttin Flur,
alle Wonne bei uns bliebe,
die Augen uns verbunden sind,
der andren Leiber wir ertasten,
und wir befreien sie geschwind
von den mitgeführten Lasten.

Die Göttin jeder in sich birgt,
kehrt hervor jetzt eure Seelen,
kein Menschen Blick, der störend wirkt,
Göttliches noch zu verhehlen,
dem dunklen Auge strahlend hell
Himmlisches uns schlägt entgegen,
der Sonne wir vergleichbar grell
gegenseitig uns erlegen.

Ein Blitzen und ein Jauchzen laut
dringt durch alle Tempel Hallen,
in höchster Lust die Göttin schaut,
unsrer Liebe zu gefallen,
die Leidenschaft treibt sie voran,
funkelnd klar ihr Blick enthüllet,
gefangen in des Menschen Bann,
dass ihr Sehnen sich erfüllet.

Dass ist der Liebe hoher Preis,
selbst von  Göttern ist zu zahlen,
nur wer auch hassen kann, der weiß,
wie er Liebe kann bewahren,
die Freiheit hierzu ihm verschafft
Liebe überall in Fülle,
doch zwischen aller Liebe klafft
andrer Liebeswerben Hülle.

Drum betet mit verschloss'nen Augen
eurer Götter Leiber an,
aus ihrer Lust ihr werdet saugen
alle Kraft der Göttin dann,
in Dunklen auseinander geht,
eh entfernt der Augen Binden,
sodass ein jeder vor dir steht,
deine Liebe könnte finden.

So wird das leibliche Gebet
zu dem Götterlob von allen,
denn deren Liebe nie vergeht,
um einander zu gefallen,
wem immer zugewandt sie war,
sei's mit Körpern, sei's mit Seelen,
gehört er zu der Göttin Schar,
ihrer Lust sich zu befehlen.

Der Göttin dien ich heute ganz allein,
mit allen bin ich, um mit ihr zu sein.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Vergewaltigende Vergemeinschaftung

Copyright Karsten Cascais

Soziale Wesen
Allein kann der Mensch nicht sein, allein kann er nur sterben. Denn das Sterben ist nichts anderes als das Ende des Werdens und jedes Werden kann nur für sich allein aufhören. Leben indessen ist immer das Ergebnis von Vielen, die zusammenwirken, Gemeinsames zu bewirken. Damit ist auch der Mensch stets auf andere gerichtet und mit allem, was er tut, mit diesen zugleich verbunden. Somit kann kein Zweifel daran bestehen, dass zum Wesen des Menschen auch gehört, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Nur mit anderen kann der Mensch überleben. Durch das Zusammenwirken anderer wurde er selbst geboren, mit anderen zusammen kann er das Leben nur weitergeben. Seine Seele bedarf der anderen zum Leben und im täglichen Kampf, den eigenen Mangel zu überwinden und so das Leben zu erhalten, ist er auf Dauer stets auf Andere angewiesen. Sein Glück verfolgt er nur in der Vereinigung mit anderen und ist er allein, verdorrt seine Seele. Der Mensch ist ein soziales Wesen. 

Unwandelbare Identität des Einzelnen
Dies bedeutet indessen nicht, dass der Mensch seine Identität im Sinne einer dauerhaften Vereinigung in ein Anderes einbringt und mithin dort aufgeht und nur noch als Teil dieses (neuen) Ganzen zu verstehen wäre. Mehrere Menschen bleiben immer, ganz gleich was sie tun und welches System sie durch ihr Zusammenwirken errichten, Individuen und ihr Verband bleibt ein Zusammengesetztes und wird niemals zu einem wirklichen Ganzen vereint. Die gilt auch nicht im übertragenden Sinn, wonach ein Werden sich immer weiter und höher und das Werden vieler Einzelner sich wiederum zu einem weiteren Werden eines neuen Einzelnen entwickeln kann. Denn der Mensch ist das Ende und ebenso der Anfang eines jeden Werdens und alles Weitere bedarf stets seiner Zustimmung. Das Ende ist er, weil er ein eigenes Bewusstsein seiner selbst und von allem, was ihn betrifft und was er tut, entwickelt und er hierüber als selbständige Einheit in jedes fortwirkende Werden entlassen wird. Der Anfang ist er, weil er einen freien Willen hat und dieser über seine Beteiligung an jedem anderen Werden frei entscheidet. Dies alles umschreiben wir mit seiner Würde und diese spiegelt das Göttliche in ihm. Denn die Göttin hat sich mit ihrer Kraft, als sie die Welt belebte, dem Menschen über sein Bewusstsein zu erkennen gegeben und damit Göttliches zugleich in ihn gesetzt. Hieraus folgte seine Freiheit, selbst die, von seiner Liebe der Göttin gegenüber Gebrauch zu machen oder es sein zu lassen. Leben, Liebe, Wahrheit, Lust und Glück, das sind alles Dinge, in denen sich das Wirken der Göttin niederschlägt  und sie sind Teil des allgemeinen Lebens in der Welt. Dieses Allgemeine aber ist das Ergebnis des Lebens eines Einzelnen. Das allgemeine Leben ist ein von der Göttin in die Welt gebrachtes System. Jedes System hat ein Resultat und das Resultat des Systems, das wir allgemeines Leben nennen, ist das Leben des Einzelnen. Die Identität, die zugleich die Verbindung zur göttlichen Kraft ist, nennen viele die Seele, wir nennen sie das Leben, das Glück und die Liebe und wenn wir von Seele sprechen, dann meinen wir dies alles.

Immunität des Lebens des Einzelnen
Dem Menschen ist aber nichts Allgemeines vorgegeben, dessen Teil er wäre und von dem sein Leben zehren würde, das ihn und seine Bedürfnisse bestimmen oder gar definieren und mithin rechtfertigen würde – mit Ausnahme des Göttlichen in Form des allgemeinen Lebens, dessen Teil ein Leben jedes Einzelnen ist, das aber dennoch über jeden Einzelnen hinausweist. Jede Beanspruchung eines  Allgemeinen aber für etwas, was nicht göttlich ist, frevelt wider der Göttin und den Göttern, auch dem Göttlichen und dessen, was von der Göttin ist, wie das Leben, die Liebe, die Wahrheit, die Lust und das Glück. Der Mensch leitet sich nicht von den anderen ab, auch  nicht von der Gemeinschaft und von keinem Sozialen, der Mensch leitet sich allein vom allgemeinen Leben, das ist die Kraft der Göttin, ab, im Übrigen leitet sich alles andere vom einzelnen Menschen ab, auch das Soziale. Alle Gesellschaft folgt nur aus den Einzelnen und ihren sozialen Tugenden wie die Verantwortung und die Gerechtigkeit. Es gibt aber nichts, was den Menschen konstituiert, das von einem anderen Allgemeinen als dem die Welt belebenden Willen der Göttin herrührte. Nur das Leben ist heilig und als solches dem Leben eines jeden vorgegeben, nur das Leben ist ein Ganzes, dessen Teil das Leben eines jeden Einzelnen ist. Daher gibt es nichts im Leben anderer, das das Leben des Einzelnen, die Liebe, die Wahrheit, die Lust oder das Glück in Frage oder hintanstellen könnte. Alles, was den Einzelnen hier beschränkt, kann nur aus ihm selbst kommen. Dabei bedarf der Einzelne keinerlei Rechte und keiner Rechtfertigung, denn alles ist in der Göttin begründet. Rechte und der Rechtfertigung bedarf es erst, wenn der Einzelne sich mit anderen zusammentut und Gemeinsames verabredet und das Gemeinsame geregelt wird. Der Einzelne aber ist mit seinem Leben und allem hieraus fließenden Göttlichen immun, dem Recht enthoben oder auch vor allem Recht. Das meint die Feststellung: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Vom Urchristentum zum Sozialismus des modernen Sozialstaats
Seit je verbreiteten sich über die Erde Irrlehren derart, die Göttlichkeit des Einzelnen in Frage zu stellen und ihn zum Teil eines vergemeinschafteten Ganzen machen zu wollen. Die bekannteste ist die Lehre des Urchristentums, die den Einzelnen zugunsten Gottes Unendlichkeit (Raum) und Ewigkeit (Zeit) aufhob, ihm aller irdischen Ansprüche, auch seiner Genüsse und schließlich seines Glückes entkleidet wissen wollte, eine der frühen Formen der entindividuierten Vergemeinschaftung des Einzelnen, wie sie in moderner Zeit unter den Begriffen des Kommunismus und nicht weniger des Sozialismus wiederauferstanden ist. Nach diesen Lehren findet der Einzelne seine Bestimmung allein in seiner Zugehörigkeit zu einem Allgemeinen, sei es dem Volk, sei es der Klasse, deren Teil er ist und denen er selbst sein Leben zu verdanken hat. Dabei handelt es sich nicht um die Lehre, dass sein Leben mit seinen göttlichen Eigenschaft wie die der Liebe, der Wahrheit, der Lust und des Glücks, das allgemeine Leben unmittelbar repräsentiert, sondern dass sein Leben allein das zum Inhalt haben kann, was im Allgemeinen, der Sache nach in der die Gesellschaft für das sie bildende Verhalten der Mitglieder zugrunde liegenden Information, bereits vorgegeben und vorbestimmt ist und die Vorgaben sind nicht die des Lebens des Einzelnen, sondern die anderer. Allein dieser Unterschied erlaubte es in der Vergangenheit mit Hilfe des Allgemeinen den Einzelnen und sein Leben millionenfach zu vernichten. Der Preis der Idealisierung ist stets diese Vernichtung des Individuums, das im Sinne der Ideale instrumentalisiert und funktionalisiert wird. Wir haben im 19. und 20. Jahrhundert in Europa eine Idealisierung von nationalen Gemeinschaften erlebt, als deren Glieder sich schließlich die Einzelnen nur noch verstanden. Dies wirkte nicht anders als die Idealisierung im christlichen Mittelalter, wo in der Ordnung Gottes jeder Mensch ausschließlich den ihm zugewiesenen Platz nur einnehmen konnte. Die Verfolgungen der Inquisition im Mittelalter haben ebenso wie die vaterländischen Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts zur konsequenten Vernichtung des Einzelnen geführt, da sein Leben dem idealen Leben des Systems zu dienen hatte. Tatsächlich dienten die Systeme der Aufrechterhaltung der einer bestimmten Gruppe von Einzelnen günstigen Herrschaftsstruktur. Nichts anderes erleben wir in der neuen Zeit mit der seit Ende des 19. Jahrhunderts politisch erfolgreichen Idealisierung einer sozialistischen Gesellschaftsform, die ihre wirkliche Macht sogar erst nach dem Zusammenbruch der auf sie ebenfalls beruhenden kommunistischen  Systeme, die allesamt noch an nationale Idealisierungen anknüpften, entfalteten, nunmehr als reine Gesellschaftslehre im harmlosen Gewande moderner Sozialstaatlichkeit. Der neue und tiefgreifende Erfolg sozialistischer Sozialstaatlichkeit beruht auf der politischen besonderen Eignung dieser Lehre, die sich zunehmend aus ihren rechtlichen Bindungen befreiende formale Demokratie in ihrer Entwicklung zur reinen Ochlokratie (Pöbelherrschaft) zu stützen. Demokratie selbst lebt von dem ständigen Wandel der politischen Mehrheiten infolge von Wahlen und der absoluten Vorherrschaft des Rechts, wobei das Recht ungeachtet der Mehrheiten die Bedingungen auch für Minderheiten, die in den Wahlen gerade nicht oder auch niemals Mehrheiten werden können, festlegt. Die Vorherschaft des Rechts befindet sich seit Jahrzehnten auf dem Rückzug, wie die Abschaffung ihrer Kernelemente wie das der Rechtssicherheit und dem Schutz von wirtschaftlichen Minderheitsrechten sowie die Sozialisierung aller Grundrechte, aber auch die Relativierung des Rechts durch eine soziale Gerechtigkeit zeigen. Demokratie wird allein noch von dem Grundsatz der Herrschaft über die Minderheit bestimmt, was unter der gleichzeitig sich immer mehr verbreitenden sozialistischen Gesellschaftslehre sich zur reinen Pöbelherrschaft entwickelt, in der sich die Mehrheit unter Ausnutzung von Wahlen zu Lasten der Minderheit bereichert – was sie sozialen Fortschritt heißen. Den Bereicherungsvorgang selbst tarnen sie im Rahmen der sozialistischen Herrschaftslehre als soziale Gerechtigkeit, wobei Gerechtigkeit anders als nach dem herkömmlichen Wortsinn nicht für Ausgleich der betroffenen und sich möglicherweise widersprechenden Interessen steht, sondern nur ein anderer Begriff für den Anspruch, Leistungen zu erhalten, darstellt. Sozial gerecht ist es, von anderen zur Verteilung zu nehmen, sozial ungerecht ist es, sich dem zu verweigern, für andere Abwägungen ist kein Raum. So steht Gerechtigkeit wie schließlich der ganze Mensch im Sinne einer Sozialpflichtigkeit, in der jeder, der arbeitet, selbstredend für andere zu leisten hat, und diejenigen, die die Leistungen beziehen, nur richtig wählen müssen. Die zu Wählenden aber bauen ihre Herrschaft samt aller Komplementärbereiche, wie die der öffentlichen Medien, hierauf auf. Die Bedeutung des Menschen definiert sich allein entweder danach, was er leisten kann (in diesem Bereich sind die Freiheitsrechte weitgehend abgebaut und ein allmächtiger Steuer- und Finanzstaat schwebt zunehmend über allem materiellen Recht, das vorhandene Recht versinkt in seiner Unanwendbarkeit, zementiert durch die staatliche Selbstjustiz in Fiskalangelegenheiten), oder wie er wählt, wofür ihm soziale Gerechtigkeit in Form von leistungsfreiem Einkommen und Verlagerung privater Risiken versprochen wird. Dieses System entwickelt sich zwingend zur reinen Ochlokratie, in der das Pöbelhafte (des sich selbst Bereicherns durch entsprechende Gesetzgebung) durch sozialistische Werte wie der nach ihr benannten Gerechtigkeit geschönt wird. Die Grundlagen eines jeden Lebens, den eigenen Mangel selbst zu überwinden und durch Erkennen des Irrtums die Richtung zu finden, sind aus dem Blickfeld dieses Gesellschaftssystems entschwunden. Dieses kann daher einstweilen in immer deutlicherer Form ochlokratisch nur entarten (die Rückkehr des Grundsatzes aller Despoten, wonach der Zweck die Mittel heile, feierte schon fröhliche Urstände), bevor es zerbricht.

Der Göttin Schutz vor Vergemeinschaftung
Menschen, die entwöhnt werden, den eigenen Mangel zu überwinden und den Irrtum zu erkennen und künftig zu vermeiden, sind ihrer Würde entkleidet. Systeme, die sich dies zum Ziel setzen oder auch nur dazu führen, sind nicht weniger würdelos. Dies gilt auch dann und eigentlich noch umso mehr, wenn solche Systeme den Einzelnen in der Weise vereinnahmen, dass er seinen Wert selbst erst durch die Eingliederung in das System erfährt. Dies war stets das Ziel aller Idealisierungen, wie sie uns seit Platon überliefert sind, der von Nietzsche zurecht als den ersten Sozialisten bezeichnet wurde. Dem kann und konnte der Mensch sich nur selbst mit all seinen Bedürfnissen entgegensetzen. Schon wenn er sich dem ersten Schritt der Idealisierung entzieht, den Maßstab in die Ideale zu verlagern, hat er einen festen Halt gefunden. Denn die Wahrheit selbst ruht stets allein in ihm. Ideen, die sich der Wahrheit, wie der Mensch sie selbst wahrnimmt, entziehen, verlieren damit jeden Bezug zu ihr und so zugleich jede beanspruchte Gültigkeit. Das eigene Leben ist unantastbar, nach seinem Glück zu streben, hat nichts auf der Welt zu weichen, zumal alles, was sich dem entgegensetzt, selbst nach eigenem Glück nur strebt. Jeder Einzelne - und nicht ein System-, trägt die Verantwortung für andere und ebenso dafür,gerecht zu entscheiden, niemand kann ihn von dieser Verantwortung entbinden. Die eigene Lust und Liebe sind der göttliche Lohn und nicht eines Systems, auch nicht von solchen, die man gewählt hat und die sich nun damit bedanken sollen. Alles, was man mit anderen abspricht zu bewirken, hat dem eigenen Leben zu dienen, selbst wenn es altruistisch wäre. Erst hier fängt die Gemeinschaft an, die die Individuen bilden, die allein Gemeinsames bewirken können. Eine Gemeinschaft kann ohne einen Einzelnen nichts bewirken, sie ist ein Nichts, bloße tote Information, solange kein Einzelner sie zum Werden erweckt und zusammen mit anderen Virtuelles bewirkt wird. Das sind auch die Lehren des Heiligtums und sie zu schützen, aufrecht zu erhalten und wiederzubeleben,  kehren die Göttinnen zurück. Sie wollen den Menschen vor der Selbstversklavung retten, der sich in Abhängigkeiten von denen begibt, die ihn vergemeinschaften, wenn er aufhört, alles, was er sieht, nur durch sich selbst zu begreifen, und sich nicht mehr für den Nabel der Welt zu halten. Daher führen werden auch im Heiligtum alle Bedürfnisse auf den Menschen selbst zurückgeführt, auch seine Lust und Liebe und selbst das Glück. Dies alles wurde ihm alleine durch seine göttliche Existenz eröffnet, durch keiner Gemeinschaft und keinem System und keiner noch so klugen Lehre. Dies alles aber zu erfahren und im Herzen zu bewahren, dient es, in die Tempel einzukören und die Göttinnen dort zu lieben. Je mehr der Leib, das einzige Leben des Menschen, mit dem Göttlichen sich vereint, umso weniger Macht haben Ideen anderer, euch eures Lebens durch kollektive Vergemeinschaftung zu entfremden.  gp

Samstag, 22. Januar 2011

Lehrgedicht: Der Göttin Lohn

William Adolphe Bougereau, The lost Pleiad, 1884



Mir träumte in all meinem Streben,
die Schönheit der Welt zu erlangen,
zu finden die Mitte im Leben,
der alle wir Menschen entstammen,
ein Ort der zur Grenze uns führet,
entbunden von menschlicher Last,
ein Punkt, nur den Göttern gebühret,
fern jeglicher irdischen Hast,
und öffnet dir göttliche Pracht,
die Seele zum Himmel lässt steigen,
die Gunst unsrer Göttin dir lacht
und bannt jedes irdische Leiden.

Ein einziges Mal wirst du sehen
den Himmel, sich öffnen vor dir,
vor Liebe und Glück ganz vergehen,
wenn Götter ergreifen dich hier,
das Schönste sie dir dann bereiten,
du schauest ihr ewiges Sein,
von nun an es wird dich begleiten
der Göttinnen herrlicher Schein,
der künftig erwärmt schon dein Denken,
Erinnerung über dich legt,
die Schritte euch wird sie hinlenken,
dass weiter zur Göttin ihr strebt.

Du hast sie gesehen in Wirklichkeit,
die Welt einen Spalt zu ihr offen,
und hast es erkannt da für alle Zeit,
von nun an ein jeder kann hoffen,
mit ihr sich zu treffen zum Lieben,
in Lust sich mit ihr zu vereinen,
zu schwelgen in göttlichen Trieben
verschlungen an Leib und Gebeinen,
die Schönheit der Göttin erstrahlet
Gestalten und Formen ganz hell,
ein himmlisches Bild sie ausmalet
als unserer Lebenskraft Quell.

Es gilt, ihn zu finden den Punkt,
wo Göttliches stieß auf das Leben,
als Liebe und Lust wurden kund,
dir göttliche Kraft würden geben,
ein winziger Ort, wo dein Werden
verharrt auf der Stelle des Seins,
zu wandeln die irdischen Erden
zu Welten einst toten Gesteins,
wo Dimensionen sich fügen,
sich eint, was war ewig geschieden,
sich Menschen und Götter genügen,
in Glück sich zusammen zu schmieden.

Oh, Glück einem jeden soll blühen,
der findet den Ort, wo er schaut
die Göttin, vor Lust soll er glühen,
wenn dort ihren Platz hat bebaut,
wo hitzige Wonne verbunden
hat Götter mit menschlicher Gier,
der Göttin Begehren gefunden,
dass Liebe und Lust gelten ihr,
ein winziger Punkt nur, wo Streben
vom Sein in die endliche Welt
gelangt, um den Menschen zu geben,
was sonst nur die Göttin erhält.
© Karsten Cascais

Samstag, 15. Januar 2011

Der Göttin Korrektur von Treue und Verlässlichkeit

Aus der Predigt des Trägers des Wortes zum Ende der ersten heiligen Woche des Jahres

Ewige Versprechen sind eine Anmaßung von Göttlichkeit
Alle Zeit ist die Ewigkeit, der Mensch aber ist nicht für die Ewigkeit geschaffen, sondern er ist allein ein Werden  innerhalb der Zeit. Ein Werden hat einen Anfang und ein Ende. Jeder Anfang muss beginnen, weswegen es Männer und Frauen gibt, damit in ihrem geschlechtlichen Zusammenkommen das Werden beginnen kann. Kein Werden dauert ewig, denn dann wäre es ein Sein und Göttern  gleich. Vielmehr endet ein jedes Werden, wenn es aufhört zu werden, wenn die zum Werden erforderlichen Beiträge nicht mehr zustande kommen. Das Ende des Werdens nennen wir Tod, den Beginn aber Geburt. Dazwischen verdankt alles Werden dem Umstand, dass ein jedes Teil und ein Jeder die hierzu erforderlichen Beiträge leistet, in deren Zusammengreifen das Werden liegt. Dies gilt für die Natur, wie sie uns vorgegeben ist, und nicht weniger für die Menschen, wenn sie sich absprechen, Gemeinsames zu bewirken und so vor allem das Virtuelle  des Gesellschaftlichen  herzustellen. Der hier überall obwaltende Grundsatz ist die Verlässlichkeit und ihrer Sonderform der Treue, das Zusagte und Versprochene und mithin Erwartete auch zu tun. Das ist die Grundlage eines jeden Zusammenlebens und gilt für Alle und Jeden gleichermaßen, gleich ob im Privaten oder im Öffentlichen und  gleich, an welcher Stelle man wirkt. Die Gebundenheit als die Pflicht, sich auch so zu verhalten, wie man die Erwartungen Anderer erweckt hat, ist der Kern der Verlässlichkeit. Denn man kann sich nicht bei jedem Akt des Zusammenwirkens erst absprechen, vielmehr begibt sich ein jeder Mensch in einen bestimmten Prozess, dem die zu seiner Realisierung erforderlichen Informationen zugrundeliegen, und schafft bei den anderen Mitwirkenden die Erwartung, dass er die ihn betreffende Information auch umsetzen werde. Im Vertrauen auf die Verlässlichkeit der daran Beteiligten gelingt der Prozess. Allem Mitwirken und Zusammenwirken liegt somit ein Versprechen zugrunde, sei es ausdrücklich oder sei es auch nur konkludent, das Versprochene und mithin aus der Sicht des Anderen Erwartete auch zu tun. Das Versprochene wirkt in der Zeit, im Jetzt wird hierdurch die Erwartung erweckt, die sich in die Zukunft erstreckt und dort auf die Verwirklichung wartet. Die Spanne zwischen dem jetzt Versprochenen und dem künftig zu Verwirklichenden  ist ein Teil der Zeit, aber niemals alle Zeit, da diese nicht für den Menschen geschaffen ist. Daher gibt es auch keine ewigen Versprechen und ebenso wenig gibt es ewige Pflichten für den Menschen. Ewige Versprechen sind eine Anmaßung von Göttlichkeit, weswegen der Mensch von jeder Ewigkeit entbunden ist. Versprechen können nur Wirkung für eine Zeitspanne entfalten, niemals für die volle Zeit und auch nicht für mehr Zeit, als ein Mensch überhaupt bewirken kann.  Das aber ist weit weniger als sein Leben als das Ergebnis seines eigenen Werdens.

Niemand kann sich für sein ganzes Leben verpflichten
Der Kern eines jeden Leben ist die Wahrnehmung des eigenen Werdens und seine Bedürfnisse sind die, die das eigene Werden zu erfüllen erfordert. Den Kern spiegelt das Bewusstsein, das mithin die Quelle des Lebens eines jeden Einzelnen ist, ohne das Bewusstsein wäre sich der Mensch  seines Lebens nicht bewusst. Mittels des Bewusstsein erkennt der Mensch auch die Kraft der Göttin, wenn sie Leben werden lässt und auch die Notwendigkeit, sich ihren Gesetzen zu unterwerfen, die von Allem und Jedem, was am Werden beteiligt ist, die Verlässlichkeit  verlangt, das von ihm zum Werden erwartete Verhalten auch zu erbringen. Allem Erwarteten aber und somit allem Be- und Mitwirken des Einzelnen vorausgesetzt sind das eigene Leben und die hierzu erforderlichen Prozesse. Damit kann der Zeitraum, hinsichtlich dessen der Mensch sich durch seine Versprechen verpflichtet, nicht deckungsgleich mit dem Zeitraum seines Lebens sein. So wie ein Mensch sich nicht für die Ewigkeit verpflichten kann, kann er es auch nicht für sein ganzes Leben tun.  Auch der Zeitraum seines eigenen Lebens hängt von der Dauer ab, währenddessen die an seinem Zustandekommen beteiligten Teile sich entsprechend der zugrunde liegenden Information verhalten, ohne dass er eine Gewähr für eine andere Dauer als die Tatsächliche erhielte. Alles Werden hängt allein davon ab, wie lange es die es Bewirkenden währen lassen. Andere Grundsätze gibt es nicht. Auch im Bereich der virtuellen Dinge verhält es sich nicht anders. Wäre es anders, dann würde der eine Mensch zum Sklaven des anderen werden, denn dann gäbe es Gründe, die seinem Werden entgegenstünden und die hinzunehmen er verpflichtet wäre. Kein Mensch aber kann verpflichtet sein, sein eigenes Leben und Werden zugunsten eines anderen hinzugeben, es sei denn, er täte es freiwillig. Vor dem eigenen Leben und seinem Werden aber endet jede Pflicht, wenn deren Erfüllung das Werden beenden würde. Denn ein jedes Leben entsteht durch das Wirken der Kraft der Göttin, mit der sie die Welt belebt und auch beseelt hat. Und für sein eigenes Leben und dessen Werden steht stets die Göttin selbst.

Die Korrektur der Verlässlichkeit
Damit erweist sich das  Dilemma des Lebens: es beruht auf der Verlässlichkeit, das zu seinem Werden Erforderliche zu tun, und gibt zugleich Grund, seine so erforderlichen Beteiligungen einzustellen, wenn sie dem eigenen Leben in seinem Kern widersprechen. Dieses Dilemma spiegelt die Mangelhaftigkeit jeden Lebens und auch des Menschen als Mangel- und Irrwesen, der nur durch andauernde Überwindung des Mangels leben und durch Irrtum allein erkennen kann. Dieser Widerspruch und diese Unvollständigkeit sind nicht zu beheben, sie können nur gemildert werden. Sie zu mildern, liegt bereits in der Kraft des Göttlichen, die allein das allgemeine Leben  vollständig macht, das einzelne Leben aber nur, soweit es seiner zum allgemeinen Leben bedarf. Sie unterwirft den Einzelnen nicht anderen Anforderungen, denn das Allgemeine Leben der Welt besteht aus nichts anderem als dem Leben Einzelner, aber es zeigt den Plan und damit den Willen der Göttin, allein die Welt zu beleben. Dieser ist vollkommen, nicht vollkommen aber ist der Mensch, zudem dieser als freies Wesen geschaffen wurde, das schon allein, damit er die Göttin lieben kann. In seiner Freiheit liegt auch der Schlüssel zur Überwindung des genannten Dilemmas zwischen Pflicht zur Verlässlichkeit und Schutz des eigenen Lebens. Denn die Freiheit besteht nur durch die mit ihr zugleich auferlegte Verantwortung, die Bedürfnisse der von den eigenen Entscheidungen betroffenen Anderen zu bedenken. Eine Lösung dieses Widerspruchs ist daher nur in Absprache mit anderen in einem Verfahren der Scheidung möglich, bei der das Vertrauen der anderen für ihre Erwartungen abgewogen wird mit den Notwendigkeiten des eigenen Lebens und bei dem es in einem so objektivierten Verfahren zu einer Entbindung von durch Versprechen eingegangenen Verpflichtungen auch kommen kann. Dieser Grundsatz gilt umso selbstverständlicher, je länger die Zeiträume sind, für die zugesagt wurde, sich in entsprechender Weise zu verhalten. Ähnliches gilt auch dann, je unsicherer und unübersichtlicher die für die Zusage bestimmenden Lebensverhältnisse erkennbar waren. Das Wichtige aber ist der Grundsatz der Verlässlichkeit als Grundlage und Regel und die Möglichkeit  der Entbindung hiervon als Ausnahme und Besonderheit, gewissermaßen als Korrektur des einzelnen Lebens im Hinblick auf das allgemeine Leben.

Wahrheit bestimmt die Verlässlichkeit
Seit langer Zeit haben sich in allen höher zivilisierten Gesellschaften Formen entwickelt, um Menschen von ihren vor allem langfristig eingegangenen persönlichen oder auch sonstigen Verpflichtungen  zu entbinden. Dies mag als Kündigung, Auflösung, Scheidung oder Aufhebung geschehen, stets in formalisierten Verfahren, die es ermöglichen auch das Vertrauen der auf die Einhaltung der Versprechungen Angewiesenen zu berücksichtigen. Es handelt sich dabei nicht um irgendwelche sinnvolle Rechtsfiguren, sondern um den Ausdruck des elementarsten Grundsatzes des Lebens und des Zusammenlebens: wie kann das allgemeingültige Lebensprinzip der Verlässlichkeit  korrigiert werden, dass es sich nicht zur Bedrohung des Lebens des zur Verlässlichkeit Verpflichteten entwickelt. Im Heiligtum bürgt die Göttin zu einem für die hohe Pflicht von Treue und Verlässlichkeit, auch im zivilen Leben, und lässt alles Gegenläufige, so vor allem die Korrektur, als Ausnahme erscheinen. Zum anderen schützt sie auch das Leben eines jeden Einzelnen, dem sie vor allem die Wahrheit, die ihm die Richtung weist, in seine Seele gepflanzt hat. Die Wahrheit aber ist auch Teil jeder Pflicht, jeden Versprechens und auch jeder Liebe. Niemand kann daher einem Versprechen eine Pflicht entnehmen, dem von vornherein anzusehen ist, dass es nicht zu halten ist. Dies gilt für ewige und ebenso für lebenslängliche Versprechungen, denn der Mensch kann, wie gesagt, ebenso wenig über die Ewigkeit wie auch über sein ganzes Leben verfügen. Sich auf besondere Zeitabschnitte beziehende Versprechungen werden hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit sich wandelnden Anforderungen unterliegen, die auch ihre Beendigung beinhalten können. Versprechungen, die von vorneherein besonders kurzlebigen Umständen unterliegen, tragen hinsichtlich ihrer mittel- und langfristigen Durchsetzbarkeit zusätzlich Unwägbarkeiten in sich. Dies gilt sogar für ein so hohes Gut wie die Liebe, da diese nichts anders als die ewige Liebe der Göttin spiegelt. Dennoch wendet sie sich oft unbeabsichtigt anderen und neuen Personen zu. Niemand aber kann sich zur Liebe verpflichten, denn das wesentliche Merkmal der Liebe ist ihre Freiwilligkeit. Jedoch können sich Menschen, vor allem dann, wenn sie Gemeinsames bewirken wollen, wie etwa eine Familie zu begründen,  dazu verpflichten, sich mit allem, was ihnen möglich ist, um Liebe zu bemühen. Dies ist dann zugleich eine Pflicht, die sie ihre gemeinsam gezeugten und geborenen Kindern ebenfalls gegenüber schulden, wie auch, ihnen einen hierdurch geprägten Lebensraum zu schaffen. Die Anforderungen, sich von solchen Pflichten entbinden zu dürfen, können keinesfalls geringer als diejenigen sein, um sich aus langfristig eingegangenen kommerziellen Verträgen zu lösen. Denn bei allem vergesst nie: allein absolut ist die Liebe zur Göttin, aber jede andere Liebe und auch alle sich hierauf beziehenden Versprechen spiegeln sie. Es bedarf sehr viel, dass euch die Göttin davon entbinden wird. Jede Trennung aber, sei es durch Kündigung, Scheidung oder auf anderen Wegen, bedarf stets der Mitwirkung des oder der anderen Betroffenen, denen gegenüber Pflichten bestehen, unter Einhaltung der hierzu entwickelten Formen, auf die sich alle geeinigt haben. Jene Formen einzuhalten, gibt euch die Götter auf, denn nur dann erlauben sie, Treue und Verlässlichkeit eures eigenen Lebens wegen zu korrigieren. Diese  Korrektur im Einzelnen vollzieht nichts anderes, was im Allgemeinen Leben geschieht, wenn zum Leben nicht Geeignetes nicht oder nicht mehr werden kann. Dies mag euch zugleich als Hinweis gelten, wie hoch die Schwellen sind, vor den Augen der Göttin von seinen Versprechen entbunden zu werden.  gp

Freitag, 7. Januar 2011

Liebesfest

Dante Gabriel Rossetti, Venus Verticordia (Studie) (1863)


Heute wurde es verkündet,
jeden hat es heut entzündet,
den der Göttin Ruf ereilt,
künftig sie jetzt bei ihm weilt,
wenn in ihrer großen Liebe
ihre Lust auch bei ihm bliebe,
miteinander eng vereint,
kein Begehren ihm verneint,
alles das die Lust bereitet,
zum Orgasmus ihn geleitet,
ist der Göttin langer Weg,
führt auf ihrem goldnen Steg
direkt zu dem Himmel hoch,
wo das Glück die Kraft bezog,
überall sein Licht hin strahlt,
Streben wonnevoll bezahlt,
göttlich leuchtet jeder Leib
wie geschaffen er sich zeigt,
andere an sich zu binden,
brennend Leidenschaft zu finden,
in der heißen Seelenglut
lodert unsrer Göttin Brut
hoch zu einem reinen Sein,
Nektar perlend treibt der Wein
jedes Sehnen zur Erfüllung,
jede Schönheit zur Enthüllung,
wer im Rausch dies nur berühret,
ist zu ihrem Leib verführet,
den die Göttin offenbart,
blitzend, funkelnd das bewahrt,
das die Welt mit ihr beseelte,
Menschen an die Lust gewöhnte,
die entbrannte, als das Leben
ihm zum Werden wurd' gegeben,
aus dem alles erst entstand,
Körper an einander band,
Seelen sich zusammenfügen,
ihrem Werben zu genügen,
wenn der Göttin Liebesgier
wandelt sich zur Lebens Zier,
alles Werden so gebärend,
toten Stein zu wachsen lehrend,
bringt sie aller Welt das Heil,
jeder Mensch hat daran teil,
der in Wonne und Entzücken
weiß die andren zu beglücken,
selbst die Götter zu berücken.