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| Phallos, Dionysios Tempel, Delos, Griechenland |
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| Altgriechisches Phallussymbol, vermutl. Delos |
Übersteigerte Verehrung des erigierten männlichen Glieds
Idealisierung der Phallokratie zum patriarchalen Eingottglauben
Das war aber erst die erste Stufe der Patriarchaliserung, die zur gegenständlichen Phallokratie mit ihrer der mythischen Überhöhung dienenden Verherrlichung des männlichen Genitals führte. Die infolge der Verschriftlichung der Information gewandelten Erkenntnismöglichkeiten brachten Philosophie und frühe Wissenschaften in ganz Griechenland zur Blüte, die sich auch im gesamten Mittelmeerraum auswirkte. Dies war nahezu ausschließlich eine männliche Angelegenheit, bei der man allenfalls vereinzelt auch Frauen teilnehmen ließ, wie einige griechische Hetären, wenn auch mehr zum Zeitvertreib. Es entstanden dabei die großen idealistischen Systeme, vor allem durch Platon, die nunmehr auch der Natur selber ihre Natürlichkeit nahmen und alles dort zum Schein erklärten, denn das Wahre, Unwandelbare und Seiende konnte danach nur im Abstrakten der Ideen liegen. Damit war im Rückblick jeglichem Herrschaftsanspruch des Weiblichen die Grundlage entzogen, denn ihre Verehrung als göttlich bezog diese Qualität gerade aus der weiblichen materiellen und irdischen Einbindung durch Empfängnis und Geburt, was man seit dem Siegeszug des Idealismus aber gerade als null und nichtig ansah. Der Idealismus reichte der Phallokratie die philosophische Begründung nach, die im Abstrakten der Ideen lag, wovon Frauen selbstredend schon allein wegen ihrer Erdverbundenheit ausgeschlossen waren (man denke nur an ihre Menstruation). Der Idealismus wurde zur Religion des Patriarchats und begründete seine Macht für mehr als zwei Jahrtausende. Die Körperlichkeit des Phallus als Symbol männlicher Kraft und Macht und dem Unterworfensein der Frauen entschwand mit der Idealisierung zwar, auf den Leib kam es nicht mehr an. Die im Phallus symbolisierte Allmacht aber blieb und wurde nun der Idee patriarchaler Männlichkeit zugeschrieben. Für die Göttinnen war kein Platz, der gewaltige altgriechische Gott Eros mutierte zum niedlichen Cupido, und Aphrodite, weitaus älter als Zeus, zwang man in der knidischen Darstellung des Bildhauers Praxiteles sich vollends zu entkleiden und ihren Körper allen lüsternen Blicken freizugeben, was indessen ihrer Schönheit nicht schadete. Die Idee der Götter konnte nur in einem Gott, nach dem Sturz der Göttinnen zudem nur in einem männlichen enden. Diese Idee des patriarchalen Eingotts war lange schon vor Christus Geburt geboren. Doch einer der wirkungsvollsten Nachfolger Platons und seiner Akademie war Paulus, der daraus das Christentum schmiedete. Nunmehr fand die leibliche Phallokratie ihre geistige (das heißt abstrakte) Überhöhung, die männliche Allmacht wurde zur Allmacht eines männlichen Eingotts, die Belebung der Natur wurde durch die geistige Durchdringung aller Ideen ersetzt und eine göttliche Befruchtung fand nur noch ein einziges Mal zur Erlösung der Welt statt, als der Heilige Geist Marias Schoß zur Aufnahme von Gottes Sohn öffnete. Damit verlor alles, was in den Leibern der Menschen steckte und alles, was in der Natur geschah, an Bedeutung. Mit der knapp acht Jahrhunderte nach Platon erfolgenden Entsexualisierung des Christentums, wie durch den Heiligen Ambrosius und den Heiligen Augustinus im vierten und fünften nachchristlichen Jahrhundert, vor allem mit der genialen Einführung der Erbsünde, mit der die Menschen die sexuelle Lust und Liebe verbanden, wandelte sich die nunmehrige ideelle Phallokratie gemessen an ihrem Ausgangspunkt der prallen Darstellung des zeugungsbereiten erigierten männlichen Gliedes zwar in ihr Gegenteil -ein durchaus geläufiges Schicksal von Ideen, die sie ihrer Abstraktheit zu verdanken haben-, entwickelte sich aber zu einem ebenso perfekten wie nachhaltigen Instrumentarium zur Beherrschung der Menschen.




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